Landau / Annweiler
Kinderärzte geben Zweigstelle auf: Was passiert mit Patienten?
Die beiden Landauer Kinderärzte Frank Jan Ermark und Markus Knüppel werden getrennte Wege gehen. Das kommt für manche Familien überraschend, weil die beiden Mediziner seit einigen Jahren schon in einer gemeinsamen Praxis agieren. Zumal noch nicht bekannt ist, wohin es Ermark verschlägt.
Nur so viel verrät er: Er werde weiter im Landauer Stadtzentrum arbeiten. Am neuen Standort werde er im Laufe des Sommers starten. Wann genau, das hänge von den Ämtern ab, mit denen er im Gespräch sei. Weil die Gerüchteküche brodelte, habe man die Veränderungen etwas früher als geplant angekündigt.
Kinderarzt: „Wir blockieren uns gegenseitig“
Markus Knüppel wird die im Oktober 2017 eröffnete Praxis in der Marktstraße alleine fortführen. Im Gebäude, das sich in der Nähe des Rathausplatzes befindet und neben einer Apotheke auch Praxisräume für andere Mediziner beherbergt. So zentral der Standort auch sein mag – so wie bisher konnte es für Ermark und Knüppel nicht weitergehen. „Wir blockieren uns gegenseitig“, betont Ermark.
Zu zweit und mit Unterstützung von angestellten Ärzten ist das Duo zwar imstande, viele Mädchen und Jungen zu versorgen. Doch aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse – es fehlen unter anderem weitere Behandlungszimmer – müssen Patienten gerade in der Erkältungssaison teilweise auf dem Balkon warten oder sich draußen die Beine vertreten, bis sie an der Reihe sind. Für die Anmeldung beginnt die Warteschlange nicht selten schon im Treppenhaus.
Ermark: „Kein Patient verliert seinen Kinderarzt“
Man habe versucht, größere Räume zu finden, berichtet Ermark. Weil man nicht fündig wurde, habe man entschieden, die Praxis aufzuspalten. Diese Trennung habe Vorteile für sie und ihr Personal, ebenso für die Patienten. So verspricht man sich davon, effektiver arbeiten und damit auch mehr Sprechstunden anbieten zu können.
Ermark betont: „Keiner unserer Patienten wird seinen Kinderarzt verlieren.“ Die größte Umstellung betreffe die Familien, die bislang die Zweigstelle in Annweiler aufsuchen. Sie müssen nun dauerhaft nach Landau, wenn sie ihren Arzt nicht wechseln können oder möchten. Die Praxis in der Trifelsstadt wird nämlich zum 30. Juni aufgegeben.
Der Standort kam vor ein paar Jahren dazu. Das liegt daran, dass Ermark einst beim früheren Praxisinhaber Michael Lieb angestellt war. Als dieser aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit schnell abgeben wollte, entschieden Knüppel und Ermark, den Praxisbetrieb aufrechtzuerhalten. Sie zogen später gar in größere Räume um. „Wirtschaftlich war das Ganze bestimmt nicht“, sagt Ermark. Doch man wollte es so. Auch wenn es nicht einfach war, an zwei Standorten für die Patienten da zu sein.
Was aus der Kinderarzt-Praxis in Annweiler wird
Das Pendeln zwischen den beiden Praxen hat für die beiden Kinderärzte bald ein Ende. Sie haben aber auch keine andere Wahl. Denn wie Ermark berichtet, können sie aus bürokratischen Gründen den Betrieb in Annweiler nicht fortführen. Um das zu verstehen, muss man etwas ausholen: Ermark und Knüppel führen in Landau keine Gemeinschaftspraxis, die es zuhauf gibt, sondern eine Praxisgemeinschaft. Die beiden Begriffe klingen ähnlich, doch es gibt Unterschiede – was die Verwirrung komplett macht.
Kurz: In einer Praxisgemeinschaft teilen sich Mediziner Räume und Personal. Synergieeffekte, die man gerade in Zeiten von Fachkräftemangel gerne nutzt. Es handelt sich aber um zwei eigenständige Praxen, bei denen es bedingt Überschneidungen geben darf. So konnten sich Ermark und Knüppel zum Beispiel in Urlaubszeiten vertreten. Sonst haben sie einen eigenen Patientenstamm. Denn nur so können sie die Leistungen richtig abrechnen. Aus diesem Grund kam es zu der unglücklichen Situation, dass Patienten aus Annweiler nach Landau zu ihrem Kinderarzt mussten und umgekehrt, obwohl beide Praxen besetzt waren.
Patienten, die Ermark in Landau und Annweiler betreute, ziehen also mit ihm um. Familien, die beispielsweise aus Hauenstein und Umgebung zu ihm oder Knüppel nach Annweiler kommen, kommen laut Ermark möglicherweise bei Kollegen in Schweigen-Rechtenbach oder Bad Bergzabern unter, um weite Wege zu sparen.