Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Lebenshilfe: Neuer Vorstand möchte neue Transparenzkultur

Der neue Vorstand der Lebenshilfe SÜW: Eric Weik.
Der neue Vorstand der Lebenshilfe SÜW: Eric Weik.

Die Lebenshilfe SÜW machte zuletzt Schlagzeilen, weil sie einen Teil der Steuergelder zu Unrecht kassiert haben soll. Wer ist der Mann, der den Umbruch einleiten möchte?

Die Bedingungen beim neuen Arbeitgeber könnten für Eric Weik besser sein. Wenn man bedenkt, in welcher Situation sich die Lebenshilfe SÜW befindet. Sie hat unruhige Zeiten durchlebt: Es gab personelle Wechsel, gerade in der Chefetage. Die Organisation muss nach finanziellen Einbußen in verschiedenen Bereichen für die Zukunft fit gemacht werden. Und nach außen möchte sie wieder ein positives Bild vermitteln und der Öffentlichkeit gegenüber transparenter auftreten. Ganz schön viele Aufgaben auf einmal für den neuen Vorstand.

Für Eric Weik macht dies aber den Reiz an seinen neuen Job aus: „Wenn es darum gegangen wäre, die Geschäfte einfach fortzuführen, wäre ich nicht hier“, sagt er. Die Verantwortlichen der Lebenshilfe SÜW wollten aber Veränderung. Und sie wüssten noch nicht, wo genau die Reise für sie hingehen soll. Genau für diesen Transformationsprozess sei er als neuer Vorstand angetreten. Das betont Eric Weik, der zuvor weder mit der Lebenshilfe noch mit der Pfalz Berührungspunkte hatte.

Landkreis SÜW witterte Betrug

An seinem früheren Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen sei er bei der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung auf die Stellenanzeige der Lebenshilfe SÜW aufmerksam geworden. Und dadurch auch auf die Schlagzeilen, die sie zuletzt machte. Die mediale Aufmerksamkeit zogen die Verantwortlichen im Frühjahr auf sich, als sie sich von ihrer Vorständin Marina Hoffmann trennten und den Posten vorerst mit Aufsichtsratsmitglied Dieter Steigner besetzten. Dass es hinter dieser Personalnotiz eine brisante Geschichte verbarg, machte die RHEINPFALZ nach Recherchen publik. Dass die Lebenshilfe SÜW zum Beispiel die Staatsanwaltschaft Landau im Nacken hat.

Den Anstoß für die Ermittlungen lieferte der Landkreis SÜW. Er hatte Betrug gewittert und Strafanzeige erstattet. Die Lebenshilfe soll zu Unrecht mehr Steuergeld kassiert haben, als sie für das Personal in der Eingliederungshilfe benötigte. Also in jenem Bereich, wo sich Organisationen wie die Lebenshilfe um Menschen mit Behinderung kümmern. Indem sie beispielsweise Minderjährigen in Schulen Integrationskräfte zur Seite stellen. Für diese und andere Formen der Unterstützung bekommen sie Mittel von den Kommunen. Der Landkreis SÜW vertritt die Ansicht, dass ein Teil des Steuergeldes zweckentfremdet worden ist. Von einer sechsstelligen Summe ist dabei die Rede. Die Lebenshilfe SÜW bewertet die Sache anders. Seither liegt sie zur Klärung auf dem Tisch des Schiedsgerichts.

Vorstand: „Ausreichend Kompetenzen“

Eric Weik kann sich zu Vergangenem nicht äußern. Altlasten wolle er ohnehin nicht auf dem Tisch haben. Festhalten möchte er nur: „Es ist kein Geld verschwunden. Es ist auch niemand hier, der danach sucht.“ Ungeachtet dieser gerichtlichen Auseinandersetzung setzen beide Parteien, also die Kreisverwaltung SÜW und die Lebenshilfe, auf Annäherung. So empfing Landrat Dietmar Seefeldt kürzlich Eric Weik für einen Antrittsbesuch im Kreishaus. „Zum Wohle der von der Lebenshilfe betreuten Menschen“, wie es in der Mitteilung des Kreises heißt, wollten sie beide konstruktiv zusammenarbeiten.

Der gebürtige Stuttgarter ist überzeugt davon, aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen Kompetenzen im Portfolio zu haben, die die Lebenshilfe jetzt nötig hat. In seiner Vita stehen neben dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen und Bonn berufliche Stationen bei der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, deren Hauptgeschäftsführer er sechs Jahre lang war, und bei Bechtle Systemhaus Holding AG, wo er eine leitende Position hatte. Er trieb dort unter anderem die Digitalisierung in Verwaltungen voran.

Nicht nur als Manager tätig

Apropos Verwaltung: Einen Namen machte sich Eric Weik auch als Politiker. Er war von 2004 bis 2015 Bürgermeister von Wermelskirchen, einer Stadt mit rund 36.000 Einwohnern, welche nordöstlich von Köln liegt. Dies war ein Amt, mit dem er trotz seines Engagements bei den Jungen Liberalen nie geliebäugelt hatte. Er wollte nach seinem Studium keine politische Karriere machen, sondern eher einer Aufgabe nachgehen, mit der es ihm gelingt, die Welt besser zu machen. Es überredete ihn ein gewisser Christian Lindner, seines Zeichens Bundesfinanzminister, die frühere CDU-Hochburg für die FDP einzunehmen. In dem Ort, wo Lindner aufgewachsen ist. Der Schachzug gelang: Mit deutlicher Mehrheit vertrieb Eric Weik den damaligen Amtsinhaber und regierte anschließend elf Jahre. Es begann eine spannende, aber auch arbeitsreiche Zeit, in der er unter anderem die Innenstadt habe neu gestalten können. Durch die Eröffnung einer Umgehungsstraße war Raum für Ideen da.

Er habe nun bei der Lebenshilfe SÜW ein neues Kapitel aufgeschlagen, weil er etwas Sinnstiftendes machen möchte. In einer Region, in die er sich direkt verliebt habe. Er genieße es sehr, an Weinbergen vorbei zur Arbeit zu fahren. Zu einer Organisation, die dazu beitrage, dass es anderen Menschen besser gehe. Die Lebenshilfe ist auf dem Papier ein Verein, der seit mehr als 60 Jahren besteht, in Wahrheit aber ein großer sozialer Apparat mit inzwischen fünf gemeinnützigen Gesellschaften, die sich vielfältig engagieren, ob im Bereich der Südpfalzwerkstatt, im Cap-Markt oder in den Inklusionskindergärten.

Lebenshilfe mehr als nur ein Verein

Hunderte Mitarbeiter und Ehrenamtliche sind Teil der Lebenshilfe SÜW. „Das Haus steckt voller Ideen“, betont Eric Weik, der am Anfang seines Berufslebens Geschäftsführer einer Firma gewesen sei, die den Fokus auf Gesundheit und Motivation von Mitarbeitern legte. Das gelang etwa durch Teambuilding, Ernährungsberatung und andere Angebote. An seiner neuen Wirkungsstätte sei jeder Impuls aus den eigenen Reihen willkommen. Ob es darum gehe, eigenen Honig herzustellen oder mit einem Foodtruck zu touren, um nur zwei aus der Luft gegriffene Beispiele zu nennen.

Das Potenzial, das in der Belegschaft stecke, wolle er ausschöpfen und dadurch helfen, dass sich das Personal wieder mit seinem Arbeitgeber, mit der Lebenshilfe SÜW, stärker identifiziere. Er wolle nah bei den Menschen sein, die in dem Unternehmen wirken. Im Verwaltungsgebäude würde Eric Weik daher am liebsten den Vorschlaghammer nehmen und Wände einreißen, um auch von der räumlichen Gestaltung her einladender zu wirken, statt wie bisher Besucher erst einen schmalen langen Gang vom Treppenaufgang in sein Büro führen zu müssen. In den Raum, der in etwa so groß ist wie das Wohnzimmer mancher Mehrparteienhäuser. Viel zu groß, findet Weik.

Vorstand: „Mit Kita geht es nicht ums Geldverdienen“

Er wolle dazu beitragen, dass offen miteinander gesprochen wird, dass eine gesunde Unternehmenskultur entsteht, nachdem zuletzt aufgrund der medialen Aufmerksamkeit die Verunsicherung im Haus groß war. Das sei irritierend, wenn schlecht über den Arbeitgeber geredet wird.

Zu seinen Aufgaben gehöre, zu klären, wie die Lebenshilfe aufgestellt sein muss, um wirtschaftlich gesund zu sein. Da gibt es zum Beispiel die Frage nach der Kita Pusteblume in Bad Bergzabern, wo der Betrieb erst aufgrund stärkerer finanzieller Beteiligung der Stadt aufrechterhalten wird. „Wir haben die Kindergärten nicht, um mit ihnen Geld zu machen, sondern weil wir uns um die jüngsten Menschen kümmern möchten, die Unterstützung brauchen.“ Eric Weik weiß, dass der Cateringbetrieb in der Hauptverwaltung der Sparkasse in Landau finanziell gesehen schwächelt. „Da ist Luft nach oben, die wir aber nutzen möchten.“ Zuversichtlich stimme ihn, dass die Lebenshilfe mit ihrer Produktlinie „max4car“ einer der führenden Hersteller der Auto-Zubehör-Branche sei.

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