Kommentar
Nach Betrugsverdacht: Lebenshilfe spielt mit Steuergeld Monopoly
Die Lebenshilfe SÜW sollte aufhören, sich als unantastbares Imperium zu betrachten. Als würde es um Machtspiele gehen wie bei Denver-Clan. Es ist keine Seifenoper US-amerikanischer Produktion, die sich am Hauptsitz in Offenbach abspielt. Es ist ein handfester Skandal. Mehr als 200.000 Euro sind verschwunden. Steuergeld, das dafür vorgesehen war, Menschen mit Behinderungen zu begleiten.
Dass die Führungsriege der Lebenshilfe mit angezogener Handbremse Infos liefert, mag auch an den Ermittlungen liegen. Doch dem gegenüber steht das öffentliche Interesse. Zumal sie alles daran setzen sollte, den Fall aufzuklären, um sich auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren. Das gelingt nicht mit Geheimniskrämerei. Wenn sie keine Hintergründe zur Trennung von ihrer Ex-Vorständin Marina Hoffmann liefert, unter deren Verantwortung das Geld verschwand. Details zu ihrer finanziellen Situation schuldig bleibt. Und Erklärungen vermissen lässt, wie es zu den Ungereimtheiten bei den Personalkosten gekommen ist, die dem Verein zur Last gelegt werden.
Die Verantwortlichen pfeifen auf das Verlangen der Öffentlichkeit, Details zu den Vorkommnissen zu bekommen. Dabei ist die Lebenshilfe ihr gegenüber Rechenschaft schuldig: Jeder Südpfälzer und jede Südpfälzerin, ob Handwerker, Erzieherin oder Manager, hält mit dem eigenen Steuergeld diesen Apparat am Leben. 2023 haben ihr drei Kommunen mehr als 20 Millionen Euro bereitstellt. Wohlgemerkt: für soziale Zwecke. Nicht, um damit Monopoly zu spielen.
Je länger die Lebenshilfe mit dem Betrugsvorwurf nicht transparent umgeht, desto mehr schadet sie sich. Sie zieht nicht nur das Ansehen der Einrichtung in den Dreck, sondern auch das der Beschäftigten.
