Offenbach Kalte Nahwärme: Heizen macht der Gemeinde nun Freude
Was vor vielen Jahren skeptisch gesehen wurde, wird nun als Vorbild für andere Kommunen genommen: das Energiekonzept von Offenbach. Im Spätsommer war eine Delegation aus Japan angereist, um sich vor Ort zu informieren. Nun starteten im Beisein von Klimaschutz- und Energieministerin Katrin Eder (Grüne) die Projektbeteiligten um Verbandsbürgermeister Axel Wassyl mit dem Betätigen eines roten Knopfes das Kalte Nahwärmenetz, mit dem zunächst die Queichtalhalle, das benachbarte Queichtalbad und das VG-Rathaus beheizt und im Sommer heruntergekühlt werden können.
Wobei die zwei zuletzt genannten Gebäude erst bei Bedarf die Energie benötigen: Das Queichtalbad natürlich in der Freibad-Saison. Das Verwaltungsgebäude dann, wenn die PVT-Kollektoren auf dem Dach nicht mehr ausreichend Energie gewinnen. Das ist bislang nicht der Fall, so Wassyl.
Es wird sich Umweltwärme zunutzegemacht
Kalte Nahwärme bietet gegenüber konventionellen Wärmenetzen den Vorteil, dass sie mit wesentlich geringerer Betriebstemperatur auskommt. Bedient wird sich der Wärme des Erdreiches mit seinen ganzjährigen Temperaturen von 10 bis 12 Grad. Diese niedrige Temperatur wird in den betreffenden Gebäuden mittels Wärmepumpen auf die benötigte Heiztemperatur gebracht.
Damit die Technik funktioniert, werden Wärmequellen benötigt. Als solche dienen neben PVT-Anlagen, welche aus Sonnenenergie auch Wärme produzieren können, auch Grundwasserbrunnen. So gibt es im Ort bislang drei Entnahmebrunnen mit einer Tiefe von 16 Metern. Das Wasser zirkuliert durch Leitungen, dabei wird ihm Wärme entnommen, bevor es über Rückgabebrunnen ins Erdreich zurückbefördert wird. Geplant sind zudem zwei bis drei Sondenfeldern.
Ideale Bedingungen für Wärmenetz
In Offenbach hat einen langen Weg hinter sich, um jetzt die Energiewende einleiten zu können. Vor 20 Jahren begannen erste Überlegungen zu einem Wärmenetz. Außerdem sind die Bedingungen anders als in manch anderen Kommunen optimal für solch ein zusammenhängendes Wärmenetz. Es befinden sich am Konrad-Lerch-Ring mehrere öffentliche Gebäude auf einem Fleck, beispielsweise auch die Feuerwehr und die Kita, die noch angeschlossen werden sollen. Weitere kommunale Liegenschaften kommen hinzu, etwa die neue Festhalle mit Vereinszentrum und eine weitere Sporthalle, sodass mit wenigen Leitungen diese Objekte unabhängig von fossilen Brennstoffen beheizt werden können. Oder Fußballer und Wehrleute nach Übungen eine warm Dusche nehmen können. Auch das sei über das Wärmenetz möglich, informierte Projektingenieur Dominik Hoffmann von der Energie Südwest Projektentwicklung. Die Herausforderung bestand darin, ältere Gebäude und Neubauten gleichermaßen warm zu bekommen, die unterschiedliche Wärmebedarfe haben. Doch genau das wird nun bewiesen: Dass auch ältere Anwesen auf diese Weise beheizt werden können.
Betreiber des Wärmenetzes ist die Queichtal Energie Offenbach, die mehrheitlich in kommunaler Hand ist. Der Bau der 1,3 Kilometer langen Trasse hatte im April 2023 begonnen. Die Investitionskosten belaufen sich auf 3,6 Millionen Euro, über die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) kamen Zuschüsse in Höhe von 1,37 Millionen Euro. Das Netz soll ausgebaut werden, auch Privathaushalte sollen davon profitieren. Gespräche mit Hauseigentümern von angrenzenden Straßen laufen bereits. Ministerin Eder sagte: „Wenn wir es schaffen, die Aufmerksamkeit für solch wegweisende Projekte zu steigern, damit noch mehr Kommunen diesem tollen Vorbild folgen, sind wir auf dem besten Weg uns von fossilen Energieträgern zu lösen.“