Offenbach
Nach massiver Preissteigerung: Turnhalle noch bezahlbar?
Die Preise in der Baubranche sind gestiegen. Ja, das weiß Volker Ackermann. Aber dass sie so in die Höhe geschellt sind, dass die Gemeinde Offenbach für ihre neue Turnhalle den doppelten Betrag auf den Tisch legen muss als noch vor einigen Jahren vorgesehen, das gehört für ihn doch zur Kategorie ungewöhnlich.
Kosten haben sich in vier Jahren verdoppelt
„Mich wundert auch, dass der Gemeinderat diesen Tagesordnungspunkt trotz dieser großen preislichen Differenz relativ schnell abgehandelt hat“, sagt der Offenbacher, der eigentlich wegen eines anderen Anliegens zur jüngsten Sitzung des Gremiums gegangen war. Angesichts der Kostensteigerung bei der Turnhalle musste Volker Ackermann auch bei diesem Thema die Ohren spitzen. „Ich frage mich, wie der Gemeinderat und Bürgermeister den Bürgern erklären will, warum das Projekt fünf Millionen mehr kostet als gedacht. In einer Zeit, in der das Geld immer knapper wird.“
In der Tat muss die Gemeinde tiefer in die Tasche greifen, um sich die neue Dreifeldsporthalle leisten zu können. Diese soll neben der Queichtalhalle im Konrad-Lerch-Ring entstehen. Wurden die Baukosten anfangs auf 3,5 Millionen Euro geschätzt, wird aktuell mit 7,7 Millionen Euro gerechnet. Ungeachtet dieser Preissteigerung kann Volker Ackermann die Notwendigkeit einer weiteren Sporthalle im Ort nicht erkennen. Das sieht der Ortschef allerdings anders.
Ortschef: „Laut Gutachten Bedarf an Sportstätten“
Axel Wassyl (parteilos) verweist dabei auf ein Gutachten, das das Institut für Sportstättenentwicklung aus Trier 2017 im Auftrag der Verbandsgemeinde Offenbach erstellt hat. „Das Institut hat damals die Situation analysiert“, erklärt er. Sie habe auch angegeben, auf welche Änderungen sich die Kommune einzustellen haben wird. Für die Zukunftsprognose habe sie nämlich auch die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt.
So wurde festgehalten, dass immer mehr Menschen Sport machen und die Aktivitäten dann auch länger ausüben. Darüber hinaus werden die Turnhallen aufgrund des teils existierenden, teils bevorstehenden Ganztagsschulbetriebs im Land stärker benötigt. Die Vereine müssen dann mit anderen Trainingszeiten auf diese neue Konstellation reagieren. Folglich benötigen sie fast alle für den gleichen Zeitraum eine Sportstätte. Vor diesem Hintergrund wurde im Zuge des Gutachtens der Bedarf an einer weiteren Sporthalle, eines Kunstrasen-Kleinspielfelds und der Erhalt des 50-Meter-Schwimmbeckens im Queichtalbad festgestellt.
Ortschef: „Können Neubau finanziell stemmen“
Natürlich sei schon damals in der politischen Debatte erörtert worden, ob sich die Gemeinde Offenbach die neue Turnhalle finanziell leisten kann. Das konnte sie und kann sie auch weiterhin, ist Axel Wassyl überzeugt. „Im Jahr 2017 lag die Steuerkraft von Offenbach bei acht Millionen Euro, in diesem Jahr sind es 14 Millionen Euro“, sagt der Ortschef. Zwar müssten etwa 75 Prozent dieses Betrags über Umlagen an die Verbandsgemeinde beziehungsweise den Landkreis SÜW abgeliefert werden. „Aber aus den verbleibenden Mitteln kann die Finanzierung auch dieses Projekts dargestellt werden.“
Wie Axel Wassyl weiter erklärt, sind die veränderten Baukosten nicht auf eine fehlerhafte Kalkulation zurückzuführen. Zum einen seien Abweichungen bei solchen Vorhaben stets programmiert. In dem konkreten Fall liege es auch daran, weil die Kostenschätzung noch vor den Krisen der vergangenen Jahre vorgenommen wurde: also vor Corona und vor dem Ukraine-Krieg, der Energiepreisentwicklung mit den nachfolgenden Lieferengpässen sowie der enormen Kostensteigerungen.
Land: Zuschuss ja, aber unter einer Bedingung
Darüber hinaus sei die Gemeinde angehalten, den Bau größer zu dimensionieren. Sie hatte ursprünglich den Bau einer reinen Trainingshalle geplant. Auf Umkleidekabinen wollte die Bauherrin verzichten, weil die bestehenden vier Umkleiden in der benachbarten Queichtalhalle mitgenutzt werden sollten. Diese hätten schon immer ausgereicht, weshalb keine weiteren angedacht waren. Das Land aber habe seine Förderzusage an die Bedingung gekoppelt, dass der Neubau mit eigenen Umkleidekabinen mit Duschen und Sanitärräumen errichtet wird. Insofern mussten diese Räume nachträglich eingeplant werden, was dann auch wesentlich zu der beschriebenen Kostensteigerung beigetragen habe.
Darüber hinaus sind laut Wassyl eine Dachbegrünung und Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung vorgesehen. „Gleichzeitig soll die neue Halle mit nachhaltigen Materialien unter Verwendung nachwachsender Rohstoffe errichtet werden und sowohl technisch als auch energetisch auf neuen Stand sein, also mit CO2-freier Beheizung und Belüftung durch den Anschluss an das kalte Nahwärmenetz.“ Von der PV-Anlage im Wert von 275.000 Euro mal abgesehen, die zwar in der Bausumme inbegriffen ist, aber von der Queichtal Energie Offenbach finanziert werde und nicht von der Gemeinde.