Landau / SÜW
Angst vor Krankenhaus-Aus: Politiker geben Versprechen
Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) und die Kommunalpolitiker, die auf Kreisebene etwas zu sagen haben, haben dem Klinikum Landau-SÜW nicht nur eine Finanzspritze bewilligt, sie haben auch ein Bekenntnis zum Standort Bad Bergzabern abgegeben. Als Gesellschafter des Klinikums steht der Kreis geschlossen für dessen Erhalt ein und damit dafür, dass die medizinische Versorgung auf dem Land dauerhaft gesichert bleibt. Seefeldt und Klinikum-Geschäftsführer Guido Gehendges sind davon überzeugt, dass der Standort eine rosige Zukunft hat, wie beide im Gespräch mit der RHEINPFALZ betonen.
Ausgangspunkt ist Seefeldts Versprechen, dass der Landkreis aus den Gesprächen mit der Stadt Landau und der Caritas sofort aussteige, sollte der Standort Bad Bergzabern infrage gestellt werden. Die beiden Kommunen und der katholische Wohlfahrtsverband sprechen zwar nicht direkt über Bad Bergzabern, aber sie beratschlagen über die Zukunft ihrer beiden Häuser, also über das Klinikum Landau-SÜW mit seinen Standorten in der Südpfalzmetropole und in der Kurstadt sowie über das Vinzentius-Krankenhaus in Landau. Die beiden Klinikgesellschaften sollen fusionieren und zu einer werden. Wie ein Zusammenschluss im Detail aussehen soll, ist Gegenstand der laufenden Prüfung durch ein Beratungsunternehmen. Die Faktoren, die die drei Parteien an einen Tisch gebracht haben, beeinflussen auch den Betrieb in Bad Bergzabern, weshalb der Blick unweigerlich auf die Einrichtung im Süden des Landkreises gerichtet wird.
Klinikum-Chef spricht von Unterfinanzierung
Es geht bei den Fusionsüberlegungen, kurz gesagt, ums Geld. Die Stadt und der Landkreis stellen jetzt zwar zusätzlich acht Millionen Euro bereit, damit das Klinikum Landau-SÜW vorerst leistungsfähig bleibt. Weil laut Gehendges von den Krankenkassen und den Bundesländern zu wenig Geld kommt, um Investitionen und laufende Kosten zu decken, ist das Haus in Finanznot. An der angespannten wirtschaftlichen Situation werden wohl aber auch die Reformen nichts ändern, die im Gesundheitswesen bevorstehen. Man geht davon aus, dass sich größere Krankenhäuser spezialisieren. Kleinere dagegen dürften von der Landkarte verschwinden.
Bei den bestehenden Rahmenbedingungen, die nach Ansicht von Gehendges für eine chronische Unterfinanzierung der Krankenhäuser sorgen, sei auch der Klinikum-Standort Bad Bergzabern nicht wirtschaftlich zu betreiben. Und doch hat Seefeldt ein Machtwort gesprochen, bevor die Fusionsgespräche in die Tiefe gehen und Bad Bergzabern überhaupt zum Thema werden kann. Das sei Politik, sagt Seefeldt. Der Zeitpunkt sei gekommen, weil aus seiner Sicht etwas Unruhe aufgekommen sei.
Klinikum-Chef: Franzosen erwünscht
Geht es nach Seefeldt und Gehendges, stehen die Chancen zudem gut, dass der Standort Bad Bergzabern an Bedeutung gewinnen wird – und zwar im europäischen Kontext. Befindet sich das Klinikum doch in der Nähe der französischen Grenze. Schon jetzt werden Notfallpatienten aus dem Elsass behandelt, ebenso Grenzgänger, also Personen, die in dem einen Land leben und in dem anderen arbeiten. 57 Menschen aus Frankreich wurden 2024 stationär behandelt. Es können laut Gehendges problemlos mehr Franzosen stationär in Bad Bergzabern aufgenommen werden, ohne dass es zu Engpässen für Südpfälzer kommen würde.
Der demografische Wandel sorge auch dafür, dass der Standort Bad Bergzabern „weiter eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung“ spielen werde. Dadurch, dass „die Dichte der niedergelassenen Arztstrukturen weiter abnehmen wird“. Schon jetzt hat man in Bad Bergzabern im ambulanten Bereich zugelegt. Vergangenes Jahr gab es rund 10.150 Fälle in den Hauptabteilungen, das sind 1000 mehr als 2019, also noch vor der Pandemie, die in der Medizin einen Wendepunkt darstellt. Hinzugerechnet werden müsste noch die Anzahl der Behandlungen, die in den in der Klinik eingemieteten Praxen vorgenommen werden. Dazu gehört zum Beispiel die Radiologische Gemeinschaftspraxis.
Millionen in Standort Bad Bergzabern investiert
Darüber hinaus wird Bad Bergzabern von möglichen Schließungen anderer Krankenhäuser in der Umgebung profitieren. Bekannt ist etwa, dass es in Rodalben durch die Erweiterung des Krankenhauses in Pirmasens keine Zukunft geben wird. Auch wenn der Betrieb dort noch einige Jahre laufen wird. Durch die Schließung des Krankenhauses in Annweiler, das bis 2023 der dritte Standort des Klinikums Landau-SÜW war, wurde der Standort Bad Bergzabern schon gestärkt. Denn ein Teil der stationären Struktur wurde anschließend von Annweiler in die Kurstadt verlagert. Außerdem wurde dort ein neuer Chefarztbereich für den Sektor Geriatrie und Palliativmedizin etabliert.
In den Standort Bad Bergzabern wurden ohnehin vor nicht allzulanger Zeit Millionen investiert. Anfang 2020 konnte die 2014 begonnene Sanierung und Erweiterung des Bettenhauses erfolgreich abgeschlossen werden. Etwa 18,7 Millionen Euro wurden investiert, laut Gehendges ist es seither eines der schönsten im Land. 9,4 Millionen Euro steuerte das Land als Zuschuss bei. Wenn schon so viel Geld fließt, sollte das Gebäude auch länger fortbestehen als nur ein paar Jahre. Und eine weitere Aufwertung durch bauliche Veränderungen ist geplant.
Anbau ist geplant
Das betrifft etwa die Zentrale Notaufnahme. Dort ist schon jetzt ein Zuwachs zu verzeichnen. 2024 wurden dort 8600 Fälle gezählt, das sind 2000 mehr als noch vor der Pandemie. Geplant ist, die Notaufnahme vom ersten Obergeschoss des Haupthauses ins Erdgeschoss zu verlagern, in einen Anbau. Und zwar dann, wenn die Rettungswache ihr neues Domizil am Rande der Stadt bezieht.
Die Rettungskräfte sind aktuell noch in einem Hochhaus untergebracht, das sich hinter dem Klinikum befindet, aber zu wenig Platz für sie bietet sowie moderne Standards vermissen lässt. Wie Gehendges berichtet, soll dieses Objekt nach dem Auszug des Rettungsdienstes abgerissen und durch ein Parkhaus ersetzt werden. Dann könnte der bestehende Parkplatz am Haupteingang begrünt werden, um einen Ort mit höherer Verweilqualität zu schaffen. „Man muss nur die nötigen Strukturen schaffen und die Gebäude mit den Menschen, die dort arbeiten, mit Leben füllen, und die Patienten kommen von selbst“, sagt Gehendges.
Am Standort Bad Bergzabern gibt es unter anderem die Fachbereiche Innere Medizin und Pneumologie, Geriatrie- und Palliativmedizin sowie die Unfall-, Hand- und Orthopädische Chirurgie und Sportmedizin. Ob es bei diesen bleibt oder sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert wird, als Abgrenzung zum Standort in Landau, ist auch abhängig von den Fusionsgesprächen. Das Beratungsunternehmen, das die Form der Zusammenführung untersucht, soll auch ein Medizinkonzept entwickeln. Also aufzeigen, wie man sich aufstellen könnte.
Eine Rolle spielt dabei auch die Tatsache, dass ab 2027 Leistungsgruppen die Fachabteilungen ersetzen werden. Diese Leistungsgruppen kategorisieren medizinische Leistungen und definieren Mindestvoraussetzungen, die Krankenhäuser erfüllen müssen, um bestimmte Behandlungen anbieten zu dürfen.
