Landau / SÜW
Krankenhaus-Chefs: „Wir sind chronisch unterfinanziert“
Wem es gesundheitlich so schlecht geht, dass er ins Krankenhaus muss, will sich schnell und gut versorgt wissen. Es werde aber immer schwieriger, diesem Anspruch der Patienten gerecht zu werden, betont der stellvertretende Geschäftsführer des Vinzentius-Krankenhauses in Landau, Joachim Gilly. Nicht nur wegen des Fachkräftemangels und der zugleich steigenden Anzahl an Patienten, da immer mehr Menschen immer älter werden und damit möglicherweise häufiger in Kliniken behandelt werden. Sondern auch, weil es Krankenhäuser immer schwerer haben, schwarze Zahlen zu schreiben, um dadurch sowohl für optimale Arbeitsbedingungen zu sorgen als auch eine gute Versorgung sicherzustellen.
Kurz gesagt: Viele Einrichtungen sind chronisch unterfinanziert. Das machten die Verantwortlichen des Vinzentius-Krankenhauses und des Klinikums Landau-Südliche Weinstraße deutlich. Mit Gespräch mit der RHEINPFALZ benannten sie die Probleme anlässlich der aktuell geführten Debatten zur künftigen Finanzierung der Krankenhäuser.
Vergleich mit der Feuerwehr
Klinikum-Geschäftsführer Guido Gehendges verglich Krankenhäuser mit der Feuerwehr. Um im Notfall ausrücken zu können, müssen ausreichend Brandschützer ausgebildet und ausgestattet sein. Unabhängig davon, wie oft es brennt und was sie alles beim Einsatz benötigen. Auch Kliniken müssen Räume und Personal bereithalten, bekommen jedoch nur dann Geld, wenn sie tätig werden. Anders ausgedrückt: Wenn kein Patient behandelt wird, gibt es auch keinen Cent auf der Einnahmenseite. Und das, obwohl sie auch mit Inflation, Preissteigerungen im Energiebereich und enorm gestiegenen Sachkosten zu kämpfen haben.
Dass das bestehende Finanzierungsmodell nicht zukunftsfähig ist, weil es laut Gehendges nur bei konstant bleibenden Patientenzahlen funktioniert, wurde in der Pandemie deutlich. In beiden Häusern wurden in den vergangenen drei Jahren im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit in 2019 zwischen 14 und 19 Prozent weniger Fälle verzeichnet. Auch deshalb, weil der Marschroute des früheren Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) gefolgt wurde und nicht zwingend notwendige Operationen aufgeschoben wurden, um die Intensivbetten für Corona-Patienten frei zu halten. Nicht umsonst wurde in Berlin nachgesteuert, Kliniken erhielten eine finanzielle Gegenleistung.
Neu: eine leistungsunabhängige Vergütung
Vor diesem Hintergrund hält es Gehendges für richtig und wichtig, dass es eine leistungsunabhängige, auch als Vorhaltefinanzierung bezeichnete Vergütung geben soll. Wobei er auch betont, dass es bis zur Umsetzung der laufenden Reformpläne zur Finanzierung der Krankenhäuser noch Jahre dauern werde. Bis dahin bedürfe es weiterer Unterstützung.
Schließlich werden nicht wenige Krankenhäuser privatrechtlich geführt – das Klinikum mit seinen drei Standorten Landau, Bad Bergzabern und Annweiler ist eine GmbH, das Vinzentius hat die Caritas im Rücken –, die aber Auflagen des Bundes oder der Landesregierung befolgen müssen, ohne bei einem finanziellen Ungleichgewicht reagieren zu können. Beispielsweise können sie Operationen bei der Krankenkasse nicht einfach anders abrechnen.
250.000 Euro für externe Kräfte
Die Kosten sind nicht immer gedeckt. So erwähnte Vinzentius-Geschäftsführerin Ilona Fleischer-Klisch, dass ihre Einrichtung vergangenes Jahr für externe Kräfte rund 250.000 Euro ausgegeben hat, diese aber nicht refinanzieren könne, sprich ein Teil der Kosten mit Eigenmitteln beglichen werden müsse. Das Klinikum hat eigenen Angaben zufolge zwischen 2004 und 2021 etwa 84 Millionen Euro in bauliche Projekte und Instandhaltungsmaßnahmen investiert, 57 Millionen Euro davon mussten aus eigener Tasche bezahlt werden.
„Auch wir haben ältere Baukörper, die ständig modernisiert werden müssen“, sagte der Klinikum-Geschäftsführer. Denn ein optimales Arbeitsumfeld ist entscheidend im Kampf um die medizinischen Fachkräfte. In diesem Zusammenhang konnte Fleischer-Klisch die gute Nachricht überbringen, dass ein neuer Chefarzt für die Kinderklinik im Vinzentius gefunden wurde. Damit hatten sich die Verantwortlichen schwergetan. Obwohl sie sich frühzeitig um die Nachfolge ihres früheren Kollegen Jürgen Bensch bemühen konnten, blieb die Suche lange nicht erfolgreich. Deshalb war eine Zwischenlösung gefunden worden.
Kinderklinik besonders unterfinanziert
Stichwort Kinderklinik: Das ist, wie Gilly sagte, die Abteilung in Krankenhäusern, die besonders unterfinanziert sind. Schließlich erhalten Kliniken bislang Pauschalbeträge für die Versorgung von Patienten, unabhängig von ihrem Alter. Unberücksichtigt bleibt dabei, dass die Aufenthaltsdauer von Kindern meist geringer und mit einer aufwendigeren Behandlung verbunden sei als bei erwachsenen Personen. Doch die Politik habe das Problem erkannt und arbeite daran, den finanziellen Druck in diesem Bereich zu mildern.
Klar ist aber auch aus Sicht von Ilona Fleischer-Klisch, dass trotz der Reformpläne der Krankenhausfinanzierung nicht mit mehr Geld gerechnet werden könne. Es werde eher eine Umverteilung geben. „Der Kuchen wird gleich bleiben, nur die Stücke werden anders ausfallen.“ Unabhängig von der künftigen Vergütung sei zu wünschen, so Gilly, dass die bürokratischen Aufgaben nicht weiter zunehmen.
Aber: Bei all den Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben, betonen alle Beteiligten, dass es schöne Berufe sowie krisensichere und gut bezahlte Jobs im Krankenhaus gebe. Und dass das Engagement und die Leistung, die das Personal auch in den Corona-Jahren gezeigt habe, aller Ehren wert sei.