Südpfalz / Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Rettungskräfte neuem Domizil einen Schritt näher

Arbeit auf zwei Ebenen: Wenn Rettungssanitäterin Michelle Schmidt (rechts) und Notfallsanitäterin Gina Endres sowie Kollegen von
Arbeit auf zwei Ebenen: Wenn Rettungssanitäterin Michelle Schmidt (rechts) und Notfallsanitäterin Gina Endres sowie Kollegen von der Rettungswache des DRK ausrücken, müssen sie vom Gebäude erst zur Fahrzeughalle.

Die Rettungskräfte in Bad Bergzabern arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Weil die Möglichkeiten an ihrem Sitz am Klinikum begrenzt sind, ist ein Umzug der Truppe beschlossene Sache. Nun werden die Vorkehrungen dafür getroffen.

Wenn ein Notruf eingeht, darf keine Zeit verloren gehen. Dann sputen sich die Rettungskräfte samt ihrer Ausstattung zu ihren Einsatzfahrzeugen und düsen los. In Bad Bergzabern allerdings haben sie dabei mit Widrigkeiten zu kämpfen, die in der Region einmalig sind. Die Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) müssen dann raus aus ihrem Gebäude, über den Hof, um zur benachbarten Fahrzeughalle zu gelangen. Erschwerend hinzu kommt, dass sie in der Eile aufpassen müssen, nicht zu stolpern, da sie noch Treppen laufen müssen. Und gerade im Winter, wenn es gefriert oder Schnee liegt, ist das abenteuerlich, betont Standortleiter Daniel Wechner. Nachts sei der Weg ja noch nicht gestreut.

Auch wenn die Verantwortlichen mit der Größe der Räume in der Rettungswache zufrieden sind, kann an der Situation nichts geändert werden, um die Arbeitsbedingungen zu optimieren. Auch weil ihnen dort der Platz fehlt, um Umkleide beziehungsweise Sanitärräume und die Halle unter einen Dach zu bekommen. Zumal die Räume im mehrgeschossigen Miniplattenbau angemietet sind und das Klinikum das betreffende Gelände in der Danziger Straße für eigene Zwecke nutzen möchte. Das berichtet Jürgen See, beim DRK Geschäftsführer des Kreisverbands SÜW und der Rettungsdienst Südpfalz gGmbH.

Standort für neue Rettungswache gefunden

Vor diesem Hintergrund werden schon seit Jahren Gespräche geführt, um für die rund 20-köpfige Belegschaft des DRK eine neue Heimat zu finden. Es ist schon seit Langem bekannt, dass mit einem städtischen Grundstück in der Landauer Straße geliebäugelt wird, das im Volksmund Atzelhof genannt wird. Dort steht noch ein Gebäude, in dem einst Obdachlose untergebracht waren und das nach einem Brand im Dezember 2019 ungenutzt ist. Es soll abgerissen werden, um dort die neue Rettungswache des DRK errichten zu können. Damit das gelingt und das Projekt finanziert werden kann, bedarf es der Zustimmung der politischen Gremien jener Kommunen, die Teil der DRK-Rettungsdienst Südpfalz gGmbH sind. Das sind die Städte Landau, Pirmasens und Zweibrücken sowie die Landkreise Südliche Weinstraße, Germersheim und Südwestpfalz.

Der neue Standort, den die Stadt auch veräußern möchte, ist zwar „nur“ einen Kilometer vom jetzigen entfernt. Allerdings wird es für die Rettungs- und Notfallsanitäter bei Einsätzen auf den ersten Metern einfacher, voranzukommen, da sie sich dann nicht mehr durch die Wohngegend beziehungsweise einspurige und teilweise zugeparkte Danziger Straße kämpfen müssen. Um einordnen zu können, welchen Stellenwert die Rettungswache in Bad Bergzabern hat: Sie ist rund um die Uhr besetzt – tagsüber mit sieben, nachts mit drei Kräften. Vergangenes Jahr war sie Startpunkt für rund 5200 Einsätze, wie Jürgen See informiert. Eine stolze Zahl, wenn zudem berücksichtigt wird, dass etwa die Hälfte davon Krankentransporte waren, es sich bei der anderen um Notfälle handelte.

Gelände bietet Platz für einen weiteren Neubau

Die neue Rettungswache in Bad Bergzabern soll in etwa so aussehen wie jene, die vor vier Jahren in Kandel eingeweiht wurde. Auch deshalb, weil dort die Mannschaft fast genauso groß ist wie in der Kurstadt. Und beide Standorte unter anderem Lehrlinge ausbilden, also auch Unterrichtsräume benötigen.

Während dem DRK in der Danziger Straße Platz fehlt, um sich ausbreiten zu können, was nötig wäre, hätte er am neuen Sitz am Ortseingang mehr als genug. Dort würde den Verantwortlichen eine rund 3700 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung stehen, was der Größe von fast fünf Handballfeldern entspricht. Um Synergieeffekte nutzen zu können, plant der Landkreis SÜW in direkter Nachbarschaft zur neuen Rettungswache ein Gebäude, das dem Katastrophenschutz dienen soll. Vorgesehen ist eine Halle mit bis zu fünf Stellplätzen mit Sanitärräumen und einem Unterrichtsraum. In der Unterkunft sollen Einheiten des DRK Bad Bergzabern sowie der DRK-Wasserwacht stationiert werden. Aktuell läuft eine Machbarkeitsstudie hinsichtlich der baulichen Anordnung auf dem Grundstück sowie eine darauf basierende Kostenschätzung durch die DRK Rettungsdienst Südpfalz gGmbH.

Mit welchen Kosten gerechnet wird

Was die Rettungswache angeht, soll der Landkreis SÜW etwa ein Viertel der zu erwartenden Gesamtkosten beisteuern, die derzeit auf 3,2 Millionen Euro geschätzt werden. Die Finanzierung war auch Thema in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses, in der über das Projekt berichtet wurde. Wie Landrat Dietmar Seefeldt informierte, ist keine Landesförderung zu erwarten, da diese zwar für einen Neubau beantragt werden können, nicht aber für einen Ersatzneubau wie das geplante Bad Bergzabern. Und doch möchte der Kreis einen Antrag stellen, da sich durch den Standortwechsel Fahrzeiten des Rettungsdienstes optimieren werden. Kreissprecherin Marina Mandery erklärt: „Mit dem neuen Standort geht also eine verbesserte rettungsdienstliche Versorgung einher. Der Ersatzneubau geht damit in seiner Bedeutung deutlich über einen klassischen Ersatzbau hinaus.“

Matthias Ackermann regte an, die Fühler stattdessen nach einem anderen Fördertopf auszustrecken. So gebe es mit dem Interreg Oberrhein ein Programm der EU, das zur Förderung grenzüberschreitender Projekte in der deutsch-französisch-schweizerischen Grenzregion dient und dabei Vorhaben im Gesundheitsbereich abdecke. Ackermann erinnerte daran, dass in Weißenburg bereit ein Fahrzeug des DRK stationiert sei. Es bedürfe nun nur einer guten Idee, die dazu führt, dass die Zusammenarbeit intensiviert wird und zugleich die Chance bietet, Mittel für den Bau der neuen Rettungswache zu bekommen. Das soll nun geprüft werden.

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