Landau / Pirmasens / Pfälzerwald
Am Rande: Das ewige Verlautbarungspingpong um den B10-Ausbau
Eine Verkehrsprognose und ein Machtwort des Bezirksverbands Pfalz hatten mal wieder ein Verlautbarungspingpong zwischen Gegner und Befürwortern des B10-Ausbaus losgetreten.
Volker Wissing – der an seinem Amt als Bundesverkehrsminister mehr hängt als an seiner Partei FDP; das wissen wir nun seit dem großen Ampel-Crash am Mittwoch – hatte vor Kurzem die von ihm beauftragte „Verkehrsbasisprognose 2040“ vorgelegt, wonach das Auto das dominierende Verkehrsmittel bleibt. Die Ausbaubefürworter der BI „B10 – Vier Streifen jetzt“ aus Pirmasens hatten diese sogleich herangezogen, um ihrer Forderung nach einem beschleunigten Ausbau der B10 Nachdruck zu verleihen. Die Arbeitgruppe aus BI Queichtal, BUND, ADFC und weiteren Ausbaugegnern – die nun unter dem Namen „AG B10“ an die Öffentlichkeit tritt – bezweifelt hingegen die vorausgesagten Zahlen, verweist auf die hohen Kosten, die fehlende Anschlusskapazität und fordert einen Ausbaustopp zugunsten einer Ertüchtigung der parallel verlaufenden Queichtal-Bahn, wie Sprecher Ulrich Mohr in seiner Stellungnahme auf die Stellungnahme aus Pirmasens reagiert. Nun ja, von beiden Seiten nichts, was man nicht schon zigfach gehört hätte.
Streit um Tankhof
Doch blicken wir der Realität ins Auge: Was bereits eingeleitet wurde, wird auch weiterlaufen. Zumindest wenn der Landesbetrieb Mobilität irgendwann mal in die Pötte kommt und von der Planung zur Tat schreitet. Aktuell stellt die Beseitigung der Felsnase das größte Ausbauhindernis dar. Am geplanten Lkw-Parkplatz am B10-Abzweig zum Hermersbergerhof wird hingegen schon fleißig gebaut. Die Fläche neben der Straße ist längst gerodet, nun haben auch die eigentlichen Bauarbeiten begonnen. Oberhalb dieser Fläche, wo jetzt noch Wald ist, würde die Gemeinde Wilgartswiesen zusammen mit dem Landauer Mineralöl-Unternehmer Thomas Frühmesser aber gerne auch noch eine große Tank- und Rastanlage errichten lassen. Schnellrestaurant, Motel und Supermarkt wurden dafür gleich mit angedacht. Um das Ganze zu ermöglichen, müsste aber nicht nur der Flächennutzungsplan, sondern auch der übergeordnete Raumordnungsplan geändert werden. Aber an dieser Stelle hat der Bezirksverband sein Veto eingelegt. Das Gremium, das über das Biosphärenreservat Pfälzerwald wacht, hat sich deutlich gegen das Projekt ausgesprochen.
Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der Ausbaugegner, die sich darin bestätigt sehen und die Haltung ausdrücklich begrüßten. Weil die Ausbaubefürworter das Thema auch aufgriffen, führte dies mal wieder zu ausschweifenden Diskussionen in den sozialen Netzwerken. In den Facebook-Kommentarspalten wird diskutiert und geschimpft – und es offenbart sich, dass viele gar nicht wissen, um was es geht.
Unnötig und unsinnig
Denn noch mal: Der Bezirksverband will nicht den Lkw-Rastplatz verhindern, für den bereits gerodet wurde. Er sieht nur in dem angedachten Tankhof dahinter einen massiven Eingriff in die Landschaft.
Zumal dieser schlicht unnötig ist. Fast direkt gegenüber gibt es das fertig erschlossene Interkommunale Gewerbegebiet Hauenstein-Wilgartswiesen. In Hauenstein steht am Ortseingang eine Tankstelle, dort gibt es mehrere Supermärkte. 15 Kilometer weiter westlich liegt der Ständenhof mit Tank- und Rastanlage sowie Hotel. Es wäre – ganz im Gegensatz zu den politischen Ereignissen am Mittwoch – keine Überraschung, wenn das unsinnige Projekt schon in der Genehmigungsphase scheitert.
