Ulmet RHEINPFALZ Plus Artikel Letzter Gottesdienst in katholischer Kirche: Besucher nehmen Abschied vom Gotteshaus

Eine Szene wie diese wird es in der katholischen Kirche in Ulmet nicht mehr geben: Mehr als 40 Besucher kamen am Freitagabend zu
Eine Szene wie diese wird es in der katholischen Kirche in Ulmet nicht mehr geben: Mehr als 40 Besucher kamen am Freitagabend zum letzten Gottesdienst und verabschiedeten sich von ihrer Kirche.

Der letzte Gottesdienst in der katholischen Kirche Ulmet am Freitagabend war für viele ein trauriges Ereignis. Dabei wurde die Kirche profaniert, sie ist nun kein sakrales Gebäude mehr. Die Pfarrei trennte sich aus finanziellen Gründen. Das Verkaufsverfahren ist im Gange.

Frische Blumen, Kerzenlicht, Weihrauch, viel Musik: Die Atmosphäre beim letzten Gottesdienst in der gut gefüllten Kirche Hl. Kreuz war sehr feierlich. Der Anlass jedoch umso ernster. Die Kirche wurde entweiht. Der Speyerer Generalvikar Markus Magin übernahm die Profanierung.

Ein letztes Mal war das Gotteshaus voll: Mehr als 40 Besucher verabschiedeten sich von ihrer Kirche, mit der viele emotionale Erinnerungen verbinden. Neben Gemeindemitgliedern auch aus anderen Orten waren der Ulmeter Ortsbürgermeister Klaus Jung sowie der evangelische Pfarrer zugegen. Johannes Hülser hatte zuletzt noch ökumenische Gottesdienste dort gefeiert.

„Es ist heute ein besonderer, aber auch schwerer Gottesdienst“, sagte Pfarrer Nils Schubert. „Wenn wir nur rationale Menschen wären, wäre es einfach.“ Das Gebäude werde nicht mehr genutzt, der Pfarrei fehle Geld, also trenne man sich davon. „Aber wir sind nicht nur rational. Viele haben hier gebetet und Gottesdienste gefeiert“, sprach der Pfarrer die Emotionen an. Dass die Kirche nach 150 Jahren mit diesem Tag „ein ganz gewöhnliches Gebäude“ werde, tue weh. Doch müsse man sich eingestehen, dass Kirche sich verändere, betonte er.

Angebote bis 8. November möglich

In seiner Predigt widmete sich Generalvikar Magin Hermann Hesses Gedicht mit den berühmten Zeilen „und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Es gehe darin ums Abschiednehmen und einen Neuanfang, sagte Magin. „Gott ist nicht aus Ulmet verschwunden“, rief er die Gemeinde dazu auf, die Herausforderung zum Neubeginn anzunehmen. Niemand solle versuchen, festzuhalten, was nicht mehr festzuhalten ist, illustrierte er.

Nach Magins Worten folgte eine längere Stille. Eine letzte Kollekte, der letzte Friedensgruß, das letzte Abendmahl schlossen sich an. Daraufhin deckten Pfarrer Schubert, Gemeindereferent Philipp Ochsner und die fünf Messdiener den Altar ab und löschten die Kerzen. Magin verlas die von Bischof Karl-Heinz Wiesemann unterzeichnete Profanierungsurkunde und entnahm die im Altar in einem kleinen, versiegelten Kästchen beigesetzten Reliquien eines Heiligen.

Mit der Entweihung der Kirche ist der Weg für den Verkauf des rund 200 Quadratmeter großen Gebäudes samt 4400 Quadratmeter zählendem Grundstück frei. Ein Bieterverfahren wurde eingeleitet, bei dem Interessenten bis zum 8. November Angebote abgeben können. Der Verkauf des Geländes erfolge bevorzugt an Interessenten mit Ideen für ein soziales Konzept, so die Pfarrei. Das Mindestgebot beträgt 40.000 Euro. Nach Abschluss des Verfahrens entscheide der Verwaltungsrat der Pfarrei über den Verkauf. Zahnarzt Ysbrand Hangx hatte bereits Interesse bekundet, dort eine weitere Praxis einzurichten.

Zur Sache: Kurioser Zwischenfall um Kruzifix

Die katholische Kirche in Ulmet wurde 1873/74 nach Plänen von Pfarrer Leonhard Heiny aus Brücken auf dem Bergrücken der Rothenhöh errichtet. Eine größere Renovierung wurde 1968 abgeschlossen.

Zwei historische Glocken aus den Jahren 1774 und 1874 sind vorhanden. Als Glanzstück gilt das Kruzifix, dessen Corpus aus der Kuseler Kirche stammt und seit 1958 auf dem Pfarrhaus-Speicher ruhte. Auf dem Weg zur Restaurierung nach München gab es einen kuriosen Zwischenfall, wie in der Festschrift zum 125. Jubiläum zu lesen ist: Zwei Pfarrer transportierten den Corpus im VW-Bus, die Figur war über der Sitzlehne mit Kordel befestigt und teilweise mit einer Decke zugedeckt. Durch die Heckscheibe blieben allerdings die Unterschenkel sichtbar.

Daraufhin rief ein Beobachter bei der Zulassungsstelle in Kusel an und meldete aufgeregt „einen blutig geschlagenen Mann, der gefesselt und geknebelt abtransportiert“ werde. Zufällig nahm der Organist das Telefonat bei der Zulassungsstelle ab. Er wusste von der Restaurierung und eine Verbrecherjagd konnte in letzter Minute gestoppt werden.

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