Kreis Kaiserslautern
Wochenend-Kolumne: Déjà-vu bei Zaster und Zügen
Und täglich grüßt das Murmeltier! Sicher erinnern Sie sich an die legendäre amerikanische Komödie, in der Bill Murray als zynischer Großstadt-Wetteransager schlecht gelaunt aus der pennsylvanischen Kleinstadt mit dem unaussprechlichen Namen Punxsutawney bereits zum vierten Mal in Folge vom Tag des Murmeltiers berichten muss – und am Morgen danach entsetzt feststellt, dass er in einer Zeitschleife festsitzt und diesen grauenhaften Tag des Murmeltiers nun immer wieder aufs Neue erleben muss, bis er sich in einen besseren Menschen verwandelt hat.
An den Film und das Phänomen des Déjà-vu musste ich denken, als ich am Montag im Kreistag saß, um zum gefühlt hundertsten Mal über die desolate Finanzsituation des Landkreises zu berichten: über das klaffende Defizit zwischen Soll und Haben, über die immer weiter explodierenden Sozialausgaben und über das Lamento der Kreistagsfraktionen, die unisono wie schon in all den Jahren davor vom Land eine auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen fordern und beklagen, wo es überall hakt. Seufz! Eigentlich könnte ich meinen Artikel vom Vorjahr recyceln und nur die Zahlen austauschen, habe ich mir im Stillen gedacht. Ist eh immer wieder dasselbe.
Natürlich habe ich das nicht gemacht. Aber beim Schreiben des Artikels habe ich mich gefragt, ob wir aus dieser Zeitschleife je herauskommen? Ein ausgeglichener Kreishaushalt, zufriedene Kommunen, freudig strahlende Kommunalpolitiker. Ob ich das bis zu meiner Rente mal erlebe? Träumen muss erlaubt sein.
Lautertal: Alles wird gut, oder?
Ganz ähnlich verhält es sich mit der Lautertalbahn. Auch hier kommt man sich als Berichterstatter und noch mehr als Fahrgast vor wie Bill Murray in Punxsutawney. Der Zug fährt nicht. Und fährt nicht. Und fährt nicht! So auch wieder nächste Woche: Ab 23. Dezember gibt es täglich ab 14.30 Uhr nur noch den so genannten Schienenersatzverkehr, weil im elektronischen Stellwerk in Neustadt wieder Personal fehlt. Also tuckern mal wieder nachmittags nur Busse durchs Lautertal – sofern der damit beauftragten DB Regio nicht auch das Personal ausgeht. Denn Busfahrer sind ja ebenfalls knapp.
Die Regelung mit dem Schienenersatzverkehr gilt im Übrigen nicht etwa nur zwischen den Jahren, wo eh die meisten frei haben, sondern gleich bis zum 31. Januar. Denn so lange wird der DB InfraGO AG wohl voraussichtlich noch das Personal fürs nachmittägliche und abendliche Bedienen des Neustadter Stellwerks fehlen. Ob die Züge in dieser Zeit vormittags tatsächlich immer fahren, ist damit aber freilich noch nicht gesagt. Auch in dieser Schicht kann es schließlich zu Krankheitsfällen kommen. Oder man hat zwar Zugführer, aber es fehlt mal wieder an funktionierenden Zügen. Oder es fällt Schnee. Oder ein Sturm zieht durch ... Die Bandbreite an Begründungen für Zugausfälle im Lautertal ist bekanntlich groß und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Vielleicht fällt der DB InfraGO AG ja noch was ganz Neues ein.
Wer ist die DB InfraGO AG?
Aber wer ist das überhaupt, diese DB InfraGO AG? Zumindest mir ist diese Institution mit dem ziemlich dynamisch klingenden Namen neu. Also rasch mal im Internet geschaut. Und siehe da, die gibt es noch nicht lange: „Seit dem 1. Januar 2024 bündeln wir die Kräfte der DB Netz AG und der DB Station&Service AG in einer gemeinwohlorientierten Infrastrukturgesellschaft: Die DB InfraGO AG gestaltet die Zukunft der deutschen Eisenbahninfrastruktur“, heißt es auf deren Seite. Die DB InfraGO hat sogar eine „Mission“: „Gemeinsam und aus einer Hand ein leistungsfähiges Schienennetz und attraktive Bahnhöfe zu schaffen, die auf ganzer Linie begeistern.“ Unternehmensziele sind unter anderem die „Verdopplung der Verkehrsleistung im Schienenpersonenverkehr“ und die „Resilienz der Eisenbahninfrastruktur“, heißt es auf der Profilseite, die mit der Aussage endet: „Wir stellen uns den Herausforderungen der Mobilität von morgen und planen mit Weitsicht eine moderne, umweltfreundliche und effiziente Eisenbahninfrastruktur für ganz Deutschland.“
Donnerwetter! Die haben scheint’s echt was drauf! Ich bin schwer beeindruckt! Wenn das alles stimmt, dann rockt die DB InfraGO AG bestimmt bald das Lautertal und ab Februar flutscht es nur so mit den Zügen. Immerhin beschäftigt die Gesellschaft nach eigenen Angaben „63.800 Mitarbeiter:innen“ und Personalengpässe sollen ab Ende Januar der Vergangenheit angehören.
Na, da bin ich mal gespannt, ob das alles so kommt. Das wäre doch echt mal was Neues! Oder grüßt am Ende doch wieder das alte Murmeltier?