Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Hochwasserschutz in den Gemeinden angepackt wird

Noch ist es nicht so gravierend wie vergangene Woche in der Eifel gewesen, doch auch in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach
Noch ist es nicht so gravierend wie vergangene Woche in der Eifel gewesen, doch auch in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach laufen bei Starkregen immer mehr Keller voll, wie in Weltersbach.

Die Hochwasserkatastrophe in der Eifel erschüttert auch die Menschen im Kreis Kaiserslautern. Da kommt die Frage auf: „Wie schlimm könnte ein Hochwasser bei uns kommen?“ Viele Verbandsgemeinden arbeiten bereits an einem Hochwasserschutzkonzept, um schwere Schäden abzuwenden. Zum Beispiel die VG Ramstein-Miesenbach.

„Das könnte bei uns auch passieren. Vielleicht nicht so krass wie in der Eifel, da wir nicht in einer Tallage liegen“, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Ralf Hechler (CDU). Die jüngsten Hochwasser in den Sommern 2018 und 2019 hat er noch gut in Erinnerung. In der Talstraße in Ramstein habe hüfthoch das Wasser gestanden. Aber auch vor allem die Orte Weltersbach, Katzenbach und Schrollbach seien besonders betroffen gewesen. Der Mohrbach trat damals über die Ufer. In Katzenbach konnte ein Entlastungsgraben die riesigen Wassermengen, die als Starkregen auf die Erde prasselten, nicht mehr aufnehmen. „Dort sah es aus wie in einer Seenlandschaft. Die Leute hatten den Morast im Haus bis zur Decke und die Autos sind auf der Straße rumgeschwommen“, erinnert sich Hechler. Die Verbandsgemeinde habe den Bewohnern mit Sandsäcken geholfen und kostenfreies Wasser zum Reinigen ihrer Sachen zur Verfügung gestellt. Dass der Mohrbach Ende 1989 ab dem Ramsteiner Flugplatzgelände wieder renaturiert wurde, sei heute ein Glück. „Sonst wären die Überschwemmungen vermutlich noch schlimmer“, sagt Hechler.

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„Eine Gemeinschaftsaufgabe“

Ein Hochwasserschutzkonzept, das in der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach, wie auch andernorts derzeit erarbeitet wird, soll zukünftig helfen, das Schlimmste bei diesen sogenannten Starkregenereignissen abzuwenden. Gestartet ist es vor rund einem Jahr mit einer Infoveranstaltung für die Bürger. Denn der Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe von Kommunen, Behörden und den Betroffenen vor Ort, erklären die Mitarbeiter des Ingenieurbüros igr, Rockenhausen, die mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt sind. Dieses wird vom Land bis zu 90 Prozent gefördert.

Mit dem Thema Hochwasser seien in den vergangenen Jahren vor allem die Überflutungen von Flüssen in Verbindung gebracht worden. Dabei habe man besonders technische Maßnahmen wie Deiche oder Rückhaltebecken im Blick gehabt. Mit der Zunahme der extremen Regenfälle, die sich nicht verhindern und genau vorhersagen ließen, habe sich das Blickfeld geweitet. Vor allem solle die Bevölkerung viel stärker als früher in die Planung mit eingebunden werden, betonen die Planer. Ein absoluter Schutz durch technische Maßnahmen wie Rückhaltebecken sei nicht möglich. Daher sei auch Eigeninitiative der Bürger nötig.

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Bürger-Workshops in jedem Ortsteil

Seit Oktober vergangenen Jahres haben in jedem Ortsteil Workshops stattgefunden. Trotz Corona trafen sich die Planer mit Bürgern vor Ort in kleinen Gruppen, um die Stellen im Ort zu identifizieren, wo es in der Vergangenheit Probleme mit Überflutungen gegeben hat. Diese Informationen wurden von den Planern ausgewertet, daneben mit den Feuerwehren und Verwaltungen gesprochen und Fotos gesichtet. Jetzt soll es wieder eine Workshoprunde geben, bei der mit den Bürgern ein Handlungskonzept erarbeitet wird, das auf ihre individuelle Situation zugeschnitten ist.

„Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Kanalisation die ganzen Wassermassen bei einem Starkregen aufnehmen kann“, unterstreicht Hechler die Notwendigkeit, dass sich jeder Gedanken machen müsse, was er auf seinem eigenen Grundstück tun könne. Türsperren oder Sandsäcke seien schon ein einfacher Schutz. Daneben sei der Einbau einer Rückstauklappe, die verhindert, dass Wasser durch den Kanal zurück ins Haus drängt, verpflichtend.

„Flächen auch mal offenlassen“

„Hier noch ein Anbau, da noch ein Carport, dort noch ein Stück Hof zugepflastert, damit es ordentlich aussieht. Aber wo soll die Brühe denn dann hin?“, will Hechler bei Hausbesitzern ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig die Möglichkeit zur Versickerung von Oberflächenwasser ist. Flächen sollten auch mal offengelassen werden, statt alles zu versiegeln. Mit einer Zisterne im Garten könne daneben beim Neubau recht einfach Abhilfe geschaffen werden, so Hechler.

Um die Situation bei Starkregen in der Bahnhofstraße und der Schulstraße in Ramstein-Miesenbach zu verbessern, die in der Vergangenheit schon häufig überschwemmt waren, investiert die Verbandsgemeinde seit vergangenem November rund 1,9 Millionen Euro in das Kanalnetz: Zum Mohrbach hin wurde ein Entlastungskanal gebaut, ein unterirdisches sogenanntes Absturzbauwerk und ein Regenüberlaufbecken. Diese Maßnahme habe schon eine gute Wirkung gezeigt, meint der Bürgermeister. Als ein natürliches Regenrückhaltebecken fungiere auch der Altenwoog, die Verlängerung des Seewoogs, den die Planer bei der Erstellung des Konzepts des neuen Naherholungsgebiets natürlich belassen hätten.

 

Zur Sache:

Die nächsten Bürgerworkshops zum Hochwasserschutzkonzept finden an folgenden Terminen statt

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Hütschenhausen 4. August

• 9 Uhr OT Hütschenhausen Treffpunkt Bürgerhaus

• 11 Uhr OT Spesbach Treffpunkt Mehrzweckhalle

• 13 Uhr OT Katzenbach Treffpunkt DGH

Niedermohr: 11. August

• 9 Uhr OT Schrollbach Treffpunkt DGH

• 11 Uhr OT Reuschbach Treffpunkt DGH

• 13 Uhr OT Niedermohr Treffpunkt Mehrzweckhalle

Kottweiler-Schwanden: 25. August

• 14 Uhr Treffpunkt Sulzbachhalle

Steinwenden: 20. August

• 9 Uhr OT Obermohr Treffpunkt Bürgerhaus

• 11 Uhr OT Weltersbach Treffpunkt Schützenhaus

• 13 Uhr OT Steinwenden Treffpunkt Dorfgemeinschaftshause

Ramstein-Miesenbach: 1. September

• 14 Uhr Treffpunkt CCR

 Ein Unwetter im Mai 2019 richtete Schäden an Wohnhäusern in Katzenbach und sorgte für Schlamm in den Kellern.
Ein Unwetter im Mai 2019 richtete Schäden an Wohnhäusern in Katzenbach und sorgte für Schlamm in den Kellern.
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