Ramstein-Miesenbach
Bürger sollen Ideen bei Hochwasservorsorgekonzept einbringen
Hochwasserschutz sei eine Gemeinschaftsaufgabe von Kommunen, Behörden und den Betroffenen vor Ort, erklärte Stefanie Seiffert vom Ingenieurbüro igr, Rockenhausen, in der Infoveranstaltung im Congress Center Ramstein am Montagabend. Mit dem Thema Hochwasser seien in den vergangenen Jahren vor allem die Überflutungen von Flüssen in Verbindung gebracht worden. Dabei habe man vor allem technische Maßnahmen wie Deiche oder Rückhaltebecken im Blick gehabt. Mit der Zunahme der extremen Regenfälle, den Starkregenereignissen, wie diese im Fachjargon heißen, habe sich das Blickfeld geweitet. Vor allem solle die Bevölkerung viel stärker als früher in die Planung mit eingebunden werden. „Starkregen lassen sich nicht verhindern. Sie treten sehr plötzlich auf, und ein absoluter Schutz durch technische Maßnahmen wie Rückhaltebecken ist auch nicht möglich“, erklärte Seiffert weiter.
Gute Vorbereitung, Schäden kleinhalten
Um Schäden soweit wie möglich zu mindern, sollten alle Handlungsfelder der Hochwasservorsorge im öffentlichen und privaten Bereich betrachtet werden, erläuterte die Fachfrau. Dazu gehörten die Themen natürlicher Wasserrückhalt, hochwasserangepasstes Planen, Bauen und Sanieren von Gebäuden, die Sicherstellung der Ver- und Entsorgung bei einem Hochwasser sowie Gefahrenabwehr und Katastrophenschutz. Das Ziel sei, die Kommunen gut wie möglich auf zukünftige Katastrophenszenarien vorzubereiten und Schäden so klein wie möglich zu halten.
Jeder Ort wird einzeln betrachtet
„Jeder Ort wird mit seiner speziellen Hochwasserproblematik betrachtet“, erläuterte Ralf Hechler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach (CDU), der an den Starkregen am 9. Juni 2018 erinnerte. Viele Ortslagen seien damals stark betroffen gewesen, insbesondere aber Weltersbach, Katzenbach, Schrollbach und Ramstein. Es werde in jeder Gemeinde Begehungen geben, ergänzte Seiffert. Diese sollen möglichst noch im Oktober über die Bühne gehen. „Sie kennen sich in Ihrem Ort am besten aus. Zeigen Sie uns die neuralgischen Stellen“, forderte die Planerin die Zuhörer auf. Hilfreich sei es auch, Fotos von Überflutungen an die Verbandsgemeinde zu schicken. „Wir werten das aus, sprechen mit der Feuerwehr und den Verwaltungen, um einen Überblick zu bekommen, an welchen Stellen sich das Wasser sammelt und wo es Probleme gibt.“ Wenn diese Grunddaten ermittelt worden seien, werde es in jeder Gemeinde Workshops geben. Dabei sei jeder Bürger eingeladen, Ideen zur Verbesserung einzubringen. Danach werde ein Maßnahmenkatalog zusammengestellt, der dann in einem weiteren Bürgerworkshop vorgestellt werde, erklärte Seiffert das weitere Vorgehen. Bis das Konzept, zu dem es eine Landes-Förderung von bis zu 90 Prozent gibt, steht, wird es laut Planungsbüro rund eineinhalb Jahre dauern.
„Der Hütschenhausener Ortsteil Katzenbach steht ganz oben auf der Prioritätenliste“, versprach Bürgermeister Hechler. In Hütschenhausen soll am 6. Oktober auch die erste Begehung stattfinden. Die ersten Bürgerworkshops sind ebenfalls noch für dieses Jahr geplant. Fotos, die Hochwasser dokumentieren, sollten an die Bauamtsleiterin Ulrike Bossung per Mail an ulrike.bossung@ramstein.de geschickt werden, die sie an das Planungsbüro weiterleitet.