Frankenstein
Kosten für neue Feuerwache auf dem Prüfstand
Seit Ende 2020 steht fest: Die alte Feuerwache in Frankenstein muss durch eine neue ersetzt werden. Grund waren zunächst die Garagen, die für dringend benötigte moderne Fahrzeuge nicht mehr groß genug gewesen wären. Mittlerweile – vier Jahre und viele Diskussionen später – sind nicht einmal mehr die zu kleinen Garagen nutzbar. Denn die Feuerwache brannte am 9. März dieses Jahres fast vollständig aus. Ein technischer Defekt an einem der eingestellten Tragkraftspritzenfahrzeuge hatte das Feuer ausgelöst. Die Dringlichkeit, ein neues Domizil für die Feuerwehr zu errichten, hat also noch einmal zugenommen.
Ganz so schnell aber, wie sich das die Wehrleute um Wehrleiter Torsten Erlenbach wünschen, wird es wahrscheinlich nichts werden mit einer neuen Wache. Denn der vorliegende Entwurf für das Gebäude berücksichtigt zwar die vom Verbandsgemeinderat (VG-Rat) im April 2021 gefasste Vorgabe, dass es in Holzbauweise errichtet werden soll, und gefällt auch, erscheint aber mit fast 3,5 Millionen Euro recht teuer. Ob und wie sich diese Kosten reduzieren lassen, darüber diskutierte in dieser Woche der Bau- und Planungsausschuss der VG Enkenbach-Alsenborn. Konkret hatte das beauftragte Architekturbüro im Vorfeld den Auftrag bekommen, das Projekt mit Feuerwachen zu vergleichen, die derzeit in der VG Winnweiler geplant beziehungsweise schon gebaut werden.
Konzept als Blaupause
Für die dort entstehenden drei Wachen wurde nämlich ein Konzept entwickelt, das als Blaupause für andere Feuerwachen in kleinen Orten im Land dienen könnte. Zugrunde liegt ein modulares System, bestehend aus einem Gebäudegerüst in Holzständerbauweise und vorgefertigten Teilen, die flexibel zusammengesetzt werden können. An- oder Umbauten sollen so einfach umgesetzt werden können. Und da die Grundidee für die Gebäude immer die gleiche ist, können die Module in Kleinserien und damit kostengünstig produziert werden. In Breunigweiler, einem der drei künftigen Standorte einer solch neuen Wache, soll laut dem Winnweilerer VG-Bürgermeister Rudolf Jacob für rund 1,1 Millionen Euro gebaut werden.
2021 hätten sich die benachbarten Verbandsgemeinden bereits über dieses Konzept ausgetauscht, erinnerte Alexander Roth (CDU). Jacob habe seinem damaligen Amtskollegen Andreas Alter angeboten, die gesamten Vorplanungen zur Verfügung zu stellen. Es hätte, so Roth, vor vier Jahren die Chance bestanden, das Konzept gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Enkenbach-Alsenborner Verwaltung habe sich dann aber dagegen entschieden.
Kosten senken – aber wie?
Nun stellten CDU, FWG und FDP, deren Fraktionen im VG-Rat eine Koalition bilden, erneut die Frage: Könnte die VG Enkenbach-Alsenborn nicht immer noch das Winnweilerer Modell übernehmen, auf die Frankensteiner Bedürfnisse anpassen und damit billiger und schneller zu einer neuen Feuerwache kommen? Oder können die Planer ihren Entwurf abspecken und damit die Kosten deutlich senken? Es gehe ihnen keinesfalls darum, den Neubau zu verhindern oder zu verzögern, sondern darum, verantwortungsbewusst mit den Steuergeldern der Bürger umzugehen, betonten die Politiker der Koalition.
Den bestehenden Entwurf für weniger Geld zu bauen, scheint nur in begrenztem Umfang möglich zu sein, wie die Präsentation von Michael Hammann und Henrik Binninger vom Büro ARC Architekten Hammann und Hildebrand deutlich machte. Sie ersetzten in ihrer Rechnung die Massivholzkonstruktion durch Skelettbauweise mit Alu-Sandwichpaneelen, die vorgehängte Holzfassade durch ein verputztes Wärmedämmverbundsystem, das Grün- durch ein Kiesdach, strichen die Fotovoltaikanlage ganz und kamen dadurch auf gute 3,1 statt knappe 3,5 Millionen Euro.
Ökologischen Anspruch nicht aufgeben
Kritisiert wurde im Anschluss von einigen Ausschussmitgliedern, dass dann gerade die ökologisch sinnvollen Komponenten fehlten. „Das wäre überhaupt nicht zukunftsträchtig“, sagte beispielsweise Lydia Lenz von den Grünen. Ihre Parteikollegin Christine Braun, selbst kein Ausschussmitglied, gab zu: „Ich bin zwiegespalten.“ Sie sehe die hohen Kosten, wolle aber auch den gestalterischen sowie den ökologischen Anspruch nicht aufgeben.
Einig waren sich alle, dass sie nicht am grundsätzlichen Raumkonzept rütteln wollten. Das soll, wie von der Feuerwehr gewünscht und durch die Notwendigkeiten vorgegeben, eine Halle für zwei Fahrzeuge, einen Schulungsraum, Umkleiden für Frauen und Männer, einen Sanitärtrakt mit Duschen – der im Vergleichsobjekt Breunigweiler fehlt –, eine kleine Teeküche, einen Lagerraum sowie Platz für Technik und Verwaltung umfassen. Normen und gesetzliche Vorgaben, die für solche Bauwerke gelten, sollen eingehalten werden. Dass dies beim Winnweilerer Konzept immer gegeben sei, bezweifelten die für Enkenbach tätigen Planer.
Dazu sagte Roth, dass dort die Abweichungen von Vorschriften vorab mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) abgesprochen und von dieser abgesegnet worden seien. So sei es den Mitgliedern des Bauausschusses bei einem Besuch in der VG Winnweiler, bei dem sich die Politiker umfassend über die Projekte informieren konnten, mitgeteilt worden.
Möglichkeiten nochmal überprüfen
Letztlich schlug der FDPler Ralf Gaul vor, noch keine Beschlussempfehlung für den VG-Rat auszusprechen, sondern den Beigeordneten der VG, Gerhard Penner, zu beauftragen, noch einmal mit der VG Winnweiler Kontakt aufzunehmen. Er solle innerhalb von vier Wochen herausfinden, ob sich das modulare Konzept auf dem Frankensteiner Grundstück – ergänzt durch den Sanitärtrakt – verwirklichen ließe, ob dies dann kostengünstiger wäre als die bisherigen Planungen und ob eine Feuerwache in dieser Bauweise schneller gebaut werden könnte. Gleichzeitig soll aber das Architekturbüro seinen Entwurf noch einmal überarbeiten und zum Beispiel darstellen, wie sich ein Pult- statt eines Flachdachs auf die Kosten auswirken würde. Sechs Ausschussmitglieder stimmten dafür, drei dagegen, zwei enthielten sich.
Enttäuscht davon, dass die Entscheidung vertagt wurde, zeigte sich Frankensteins Ortsbürgermeister Hans Jörg Nett (FWG). Es sei den Bürgern kaum vermittelbar, „dass sich der Bauausschuss so schwer tut, eine wichtige Einrichtung für die Ortsgemeinde voranzubringen“. Das Geld sei in der Feuerwache gut angelegt.