Winnweiler
Feuerwehrhäuser aus Holz: Idee kommt aus der Nordpfalz
Ein Feuerwehrhaus aus Holz? – Was zunächst wie ein Scherz klingt, basiert tatsächlich auf einem Konzept, das den Bau von Feuerwehrhäusern gerade für kleinere Kommunen revolutionieren könnte. Das Besondere daran: Einzelne Baukörper, sogenannte Funktionsmodule, können flexibel zusammengesetzt werden. Spätere Erweiterungen oder Umbauten sind problemlos möglich. Umgesetzt wird dieses Konzept aktuell in der Verbandsgemeinde Winnweiler. In Steinbach wurde gerade mit dem Bau begonnen, demnächst kommen Börrstadt und Breunigweiler dazu, etwas später soll auch Höringen folgen. Dass die VG Winnweiler hier die Pilotfunktion hat, ist kein Zufall: Die Idee für dieses Konzept kommt von Bürgermeister Rudolf Jacob.
„Den Gedanken hatte ich nach der Teilnahme an einem Seminar des Holzbau-Clusters Rheinland-Pfalz“, erläutert Jacob. „Ich habe dort gelernt, was man heutzutage so alles aus Holz bauen kann. Da bei uns in der VG Winnweiler der Neubau mehrerer Feuerwehrhäuser ansteht, habe ich mir überlegt, das in einer modularen Bauweise anzugehen. Einerseits aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung unserer Ortswehren. Bei der Planung haben wir das Raumprogramm eines Gebäudes, das 2019 in Münchweiler in Betrieb genommen wurde, zugrundegelegt.“
Kleinserie mit identischem Planungsraster
Das eigentliche Konzept hat der stellvertretende Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde, Sascha Leib, entwickelt. Er hat, wie Jacob es formuliert, „die ursprüngliche Idee mit Inhalt und Leben gefüllt“. Die Entwürfe wurden anschließend mit Wehrleiter Christian Füllert und den jeweiligen Wehrführern vor Ort abgestimmt. „Das Ganze ist im Grunde als Kleinserie konzipiert“, erläutert Jacob. „Die dreimoduligen Gebäude sehen sehr ähnlich aus, das Planungsraster ist identisch, sie sind aber individuell anpassbar, teilweise zum Beispiel spiegelverkehrt angeordnet, was aber nichts daran ändert, dass die gleichen Bauteile mehrmals verwendet werden können. Als Besonderheit haben wir in Steinbach auf Wunsch der Ortswehr noch einen dritten Stellplatz dazugeplant, was durchaus sinnvoll ist.“
Den Auftrag für die Ausführung hat sich die Kirchheimbolander Holzbau-Firma Schauss gesichert, die bei Bedarf Subunternehmen ins Boot holt und auch die weitere Planung übernimmt. „Das war uns bei der Ausschreibung wichtig“, so Jacob. „Wir haben das Ganze so ausgeschrieben, dass die gesamte Gebäudehülle, also Bodenplatte inklusive Anschlüsse, der Holzbau, die Tore, Dach und Fenster, in dem Gewerk enthalten ist.“
Blaupausen für kleinere Gemeinden
Aktuell laufen noch die Erschließungs- und Erdarbeiten. Sie werden von der Firma Ecker aus Dreisen erledigt. Danach beginnen die eigentlichen Holzarbeiten, für die überwiegend heimische Hölzer verwendet werden. „Als erstes schneiden wir das Holz zu, das dauert etwa eine Woche, danach sind wir in der Vormontage damit beschäftigt, alle Wandelemente zu fertigen, dafür brauchen wir sechs bis acht Wochen“, erläutert Schauss-Inhaber Fabian Dall den Fahrplan. „Danach werden die fertigen Elemente auf die Bodenplatte aufgestellt, was auch noch mal zwei bis drei Tage dauert. Zum Schluss kommen die Dachelemente drauf. Anschließend werden die Fenster und Tore eingebaut und alles verputzt.“
Inzwischen sind die Projekte der VG Winnweiler auf den Plattformen der Energieagentur Rheinland-Pfalz und beim Landesumweltministerium veröffentlicht, denn andere Kommunen sollen das Konzept nach Möglichkeit übernehmen. „Im Grunde sind diese Feuerwehrhäuser Blaupausen für alle typischen kleineren Gemeinden“, sagt Wehrleiter Christian Füllert. Die Kommunen im Land sind in sogenannte Risikoklassen eingeteilt. „Steinbach ist aktuell eine B1-Gemeinde, also in der untersten Stufe – wie auch das Gros der Feuerwehren in Rheinland-Pfalz. Daher ist das Konzept für das Steinbacher Feuerwehrhaus für kleinere Kommunen im ganzen Land von Interesse. Man kann das Raumprogramm nahezu eins zu eins übernehmen. Durch den Baukastengedanken haben die einzelnen Gemeinden dann nur noch einen geringen Planungsaufwand“, so Füllert.
Kostengünstiger als Massivbau
Interessenten gibt es bereits. „Wir haben das Konzept schon rund 20 anderen Trägern zur Verfügung gestellt“, so Jacob. Auch unmittelbare Nachbargemeinden sind bereits vorstellig geworden: „Zum Beispiel hat die VG Enkenbach-Alsenborn angefragt wegen eines Neubaus in Frankenstein, und auch die VG Kibo und die VG Nordpfälzer Land haben sich schon erkundigt.“ Was Jacob betont: Die Gebäude sind nicht nur praktisch und darüber hinaus auch umweltfreundlich – sie kosten auch deutlich weniger als ihre konventionell hochgezogenen Gegenstücke. Die Kosten für das Steinbacher Feuerwehrhaus liegen etwa bei 1,2 Millionen Euro, die beiden anderen, die einen Stellplatz weniger haben, werden knapp 1,1 Millionen kosten. „Zum Vergleich haben wir uns eine Kostenschätzung für das gleiche Gebäude in Massivbauweise machen lassen. Da wären wir pro Gebäude um rund 100.000 Euro teurer.“ Was ebenfalls hilft, die Betriebskosten zu senken und nebenbei noch die Umwelt zu entlasten, sind Photovoltaikanlagen und Luftwärmepumpen. Die PV-Anlage auf jedem Gebäude soll den Eigenbedarf an Strom komplett decken. Überschüssiger Strom kann ins Netz eingespeist werden.
Der Zeitplan sieht vor, dass Steinbach vor Weihnachten komplett fertigwerden soll, inklusive Außenanlage. Im ersten Quartal 2026 soll Breunigweiler folgen und Mitte kommenden Jahres dann Börrstadt. „Solche Bauzeiten sind fast unschlagbar“, freut sich Jacob.
Verdienen an der Idee will die VG Winnweiler übrigens nicht. „Das streben wir gar nicht an“, betont Jacob. „Wenn jemand in die Umsetzung geht, lassen wir uns zwar unseren Aufwand bezahlen, darüber hinaus haben wir aber nicht den Ansatz, damit Geld zu verdienen. Im Gegenteil, uns würde es freuen, wenn es viele Nachahmer gäbe.“
Das Konzept in Kürze
Produktion serieller Bauteile
Ansatz zur Bildung einer regionalen Wertschöpfungskette
Ressourcen aus eigenem kommunalem Holzbestand oder aus Holzbeständen aus dem Pfälzerwald
Kurze Transportwege
Individueller Zuschnitt für optimierte Abläufe
Schnelle Bauumsetzung
Gebäude problemlos skalierbar auf andere Feuerwehrhäuser
Pilotprojekt für Feuerwehren
Förderung der Bioökonomie