Ottersheim
Schüler schon bald Test-Profis
„Wer in der Nase bohren kann, kann auch testen“, sagt Heiner Butz. Er setzt mit seinen Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) das Selbsttest-Konzept des Kreises an den Grundschulen um. Es soll nichts anderes heißen, als dass der Test kinderleicht ist. Butz hat ein Auge auf die 15 Kinder, die am Mittwochmorgen in der Turnhalle der Ottersheimer Grundschule einen Corona-Test machen. Nicht nur er schaut zu: Der Landrat und der Schuldezernent, Kommunalpolitiker, Schulräte und etliche Medienvertreter sind gekommen, um zu sehen wie das Pilotprojekt im Land läuft. Es hängt viel davon ab, nämlich wie schnell die Schulen im Hotspot-Landkreis öffnen.
Projektleiter: Kinderhände schaffen das
„Heute sind wieder ein paar Leute zum Zuschauen gekommen“, sagt die Schulleiterin Sigrid Schwab zu den Kindern, die in Reihen hintereinander an Einzeltischen sitzen. „Aber die stören uns überhaupt nicht. Wir sind ja schon Spezialisten.“ Der erste Probelauf unter Ausschluss der Öffentlichkeit war am Montag. Schon der hat laut Landrat Fritz Brechtel (CDU) „erstaunlich gut funktioniert“. An der ein oder anderen Stelle hakt es noch: Die Kinder kriegen die Tütchen mit dem Wattestäbchen nicht alleine auf oder den Deckel für das Teströhrchen nicht zu. Das sind Kleinigkeiten, sagt Projektleiter Butz. Ziel sei, dass sie es schaffen, „einen wirksamen Test abzuliefern“. Oft sei er gefragt worden: „Können Kinderhände diesen Test machen?“ Er ist überzeugt davon. Und möchte allen Bedenkenträgern den Beweis liefern.
Schulrätin: Alles muss freiwillig sein
Der „Popel-Test“ selbst verläuft unspektakulär: Ein paar Sekunden bohren die Kinder mit dem Stäbchen in der vorderen Nase, tauchen es in ein Röhrchen mit Flüssigkeit, zählen bis 25 und geben ein paar Tröpfchen auf den Teststreifen mit ihrem Namensschild. Dann heißt es 15 Minuten draußen warten – bis sich das Kontrollfenster hoffentlich rosa verfärbt. Das bedeutet negativ. Auch für den Fall, dass Kinder Corona-positiv sind, hat das DRK die Lehrer vorbereitet: Sofort würden diese Schüler von den anderen getrennt, einzeln betreut und die Eltern informiert. In Ottersheim sind am Mittwoch alle 15 Kinder aus dem Probelauf nicht infiziert.
„Vier Leute schwärmen aus und schulen die Lehrer“, lässt Heiner Butz hinter die Kulissen blicken. Lehrer und andere Mitarbeiter – wie in Ottersheim Schulsekretärin Marita Faath – helfen den Kindern beim Antigen-Tests. Seit einer guten Woche bastelt Butz an dem Konzept. Hat Erfahrungen aus Tübingen einfließen lassen, wo Schüler seit Mitte Februar Selbst-Schnelltests machen. „Man kann ja voneinander lernen“, meint der Projektleiter. Zwölf von 31 Grund- und Förderschulen machen bislang als Pilotschulen im Kreis Germersheim mit. Neun davon sind geschult, an vier wird getestet. Auch Neupotzer und Germersheimer Grundschüler in der Notbetreuung haben am Mittwoch den Selbsttest gemacht. Weitere Orte sollen im Lauf der Woche folgen.
Schulleiterin: Elternreaktionen gemischt
„Der Landkreis ist Pilot und muss etwas ausprobieren, um die Schulen zu öffnen“, sagt Schulrätin Marion Poh von der Aufsichtsbehörde ADD, die ebenfalls zu den Zuschauern in der Sporthalle zählt. Es gebe aber auch Schulen, die Bedenken gegen die Tests äußern. „Wichtig ist uns, dass alles freiwillig passiert. Für Kinder, deren Eltern nicht zustimmen, dürfen keine Nachteile entstehen.“ Dass ein Kind nicht zur Schule kommen darf, wenn es den Test nicht mitmacht – das wäre so eine Ungleichbehandlung.
Die Ottersheimer Eltern reagieren „begeistert bis zurückhaltend“ auf die Tests, berichtet die Schulleiterin. Die Lehrer sind mittlerweile bis auf zwei alle für das Prozedere geschult. Im Moment läuft das Projekt noch auf Sparflamme: Nur die Kinder in der Notbetreuung nehmen an der Probephase teil. Schwab ist guter Dinge, dass das Konzept für alle 105 Kinder an ihrer Schule gut händelbar und die Tests innerhalb zwei Stunden durch wären. Sie respektiere natürlich auch Bedenken von Eltern.
Landrat: Verfahren ist genehmigt
„Unser größter Wunsch ist, dass die Schulen öffnen, wenigstens die Pilotschulen.“ Sigrid Schwab richtet ihre Bitte eindringlich an Landrat Fritz Brechtel. Der legt sich nicht fest: „Wir schätzen das Risiko ab und entscheiden spätestens am Donnerstag.“ 10.000 Selbsttests liegen bereits in der Schublade. Das Land hat das vom Kreis ausgeklügelte Testkonzept am Dienstag endgültig abgesegnet. „Das Verfahren ist jetzt grundsätzlich für alle Grundschüler genehmigt“, erläutert Brechtel. Regelmäßig zwei Mal in der Woche sollen die Kinder den Test machen. Eine Kostenübernahme sei das aber noch nicht. Das Geld habe der Kreis erstmal auf eigenes Risiko vorgestreckt.