Kreis Germersheim
Kinderleicht testen: Probelauf mit Selbsttests startet
„Wir wollen die Schulen bald öffnen“, sagte Landrat Fritz Brechtel (CDU) bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend. Dies sei angesichts der hohen Fallzahlen im Kreis „nur mit umfassenden Testungen und dem Impfen der Lehr- und Erziehungskräfte“ möglich. Auch die Kitas sollen schnellstmöglich vom eingeschränkten in den Regelbetrieb übergehen. Der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Christian Jestrabek, hatte zuvor das dynamische Infektionsgeschehen mit den britischen Virusmutationen im Kreis seit Mitte Februar als „Dimension des Schreckens“ bezeichnet. Einen deutlichen Infektionsherd gebe es nicht, das Geschehen sei diffus. Der Kreis hatte am Freitag mit 130 immer noch landesweit die höchste Inzidenzzahl.
Probelauf mit Grundschülern
Eine Hotspot-Strategie soll die Inzidenzen senken. „Ganz oben“ auf der Liste der Ziele stehe die Öffnung der Schulen, so Brechtel. Ein wichtiger Baustein dazu sind Schnelltest, die der Kreis zunächst an den Grundschulen etablieren möchte. „Wir haben ein Konzept für die Testung sämtlicher Mitarbeiter und Schüler entwickelt“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Christoph Buttweiler (CDU). Wichtig sei, dass die Kinder die Tests unter Anleitung von Lehrern oder anderen Mitarbeitern leicht selbst durchführen können. Die Probephase soll nächste Woche an Pilotschulen beginnen. Zunächst würden Lehrer, die bereit dazu sind, geschult. Danach sollen Kinder den Selbsttest machen, die in der Notbetreuung sind. Von den 4800 Grundschüler im Kreis werden aktuell rund 750 betreut, erläuterte Buttweiler. Die Tests sind freiwillig und die Eltern müssen ihr Einverständnis erklären. In jeder Verbandsgemeinde und Stadt soll mindestens eine Schule an der Projektphase teilnehmen. „Mehr wollen und sind bereit“, so der Schuldezernent.
Kreis will kinderleichte Tests
Ziel sei das Testangebot auf alle Grundschulen zu erweitern. „Wir halten zwei Mal pro Woche für sinnvoll und möglich“, sagte Buttweiler. Das Land hatte zu Wochenbeginn zugesagt die Kosten für rund 40.000 Schnelltests zu übernehmen. Allerdings müsse die Art der Tests mit dem Land noch abgestimmt werden. Da gab es offenbar unterschiedliche Auffassungen. 10.000 „Popel-Tests“ hat der Kreis bereits bestellt. Landrat Brechtel fordert vom Land nicht nur „einfach zu handhabende Schnelltests für alle Schülerinnen und Schüler“, sondern auch für Schul- und Kita-Personal. Letztlich soll das Testangebot auch an den weiterführenden Schulen zur Routine werden. Die schnelle Impfung von Lehrern der weiterführenden Schulen hält Brechtel ebenfalls für dringend erforderlich. Bislang gilt das vorgezogene Impfangebot nur für Erzieher, Grund- und Förderschullehrer.
Nicht nur bei den Schnelltests erwartet der Kreis Unterstützung vom Land, das für Kommunen mit Inzidenzen über 100 keine Öffnungsschritte vorsieht. Ressourcen müssen im „Hotspot“ Germersheim gebündelt werden, heißt es in dem 5-Punkte-Programm der Kreisverwaltung zur Eindämmung der Pandemie. Bedeutet: zusätzliche und schnelle Impfstoffe für die Region, verstärkte Kontrollen mit zusätzlichen Polizei- und Ordnungskräften, personelle Verstärkung im Gesundheitsamt und rasche Genehmigungen der Landesregierung.