Kommentar Keine Traumtänzer
Wenn es um die Eisenbahn geht, sind die Schweizer keine Traumtänzer. Ihnen ist es mit der Verlagerung der Güter auf die Schiene bitterernst. Und mit dem Gotthard-Basistunnel – immerhin der längste Eisenbahntunnel der Welt – haben sie sogar gezeigt, dass Eisenbahn-Großprojekte früher fertig sein können als erwartet. Die Schweizer Vorschläge für die Strecke Wörth/Lauterbourg/Strasbourg dürften also bezüglich Kapazität und Zeiträumen realistisch sein. Das bedeutet: Ab 2030 könnten täglich bis zu 60 Güterzüge zwischen Wörth und Strasbourg fahren.
An Deutschland dürfte das nicht scheitern. Denn von einer funktionierenden Schienenverbindung zwischen Mannheim und Basel profitiert die ganze Oberrhein-Region. Und da sind die beiden Weltkonzerne BASF (Ludwigshafen) und Daimler (Wörth, Rastatt, Gaggenau) nur die sichtbarsten Unternehmen, gefolgt von einer wachsenden Zahl wachsender Klein- und Mittelbetriebe. Ein Blick in das nächste Gewerbegebiet genügt.
Das Nordelsaß wirkt da vergleichsweise etwas abgehängt. Der Nutzen einer Güterverkehrsstrecke dürfte in Frankreich daher als weitaus geringer angesehen werden. Aber das ist letztlich eine Geldfrage und die Schweiz ist bereit zu zahlen. Zudem wohnen in Frankreich noch weniger Menschen in der Nähe der Gleistrasse als in der Südpfalz – ein Protest gegen den Ausbau ist nicht zu erwarten. In Deutschland wäre es dazu zu spät: Im Zuge der derzeitigen Streckensanierung wurde die Kapazität zwischen Germersheim und Wörth bereits erhöht.
