Wörth / Lauterbourg RHEINPFALZ Plus Artikel 60 Güterzüge am Tag: Schweiz will Wörth/Lauterbourg ausbauen

Zur Zeit werden die Signalanlagen zwischen Wörth und Lauterbourg aufwendig saniert; deshalb fährt wie hier am Bahnhof Hagenbach
Zur Zeit werden die Signalanlagen zwischen Wörth und Lauterbourg aufwendig saniert; deshalb fährt wie hier am Bahnhof Hagenbach monatelang kein Zug.

Der anfangs gefeierte grenzüberschreitende Personenverkehr fällt oft monatelang aus. Gleichzeitig wächst das Interesse an einem massiven Ausbau der Strecke nach Strasbourg.

Vor 20 Jahren wurde die Bahnstrecke zwischen Wörth und Lauterbourg im Personenverkehr reaktiviert. Eigentlich ein Anlass, bei dem sich Politiker gegenseitig auf die Schulter klopfen könnten – nur fahren bereits seit 10. Oktober keine Züge mehr. Und das soll auch noch bis Ende März 2023 so bleiben.

Als Gründe nannte die Deutsche Bahn Arbeiten wegen des neuen Stellwerks in Wörth und Personalmangel – sowohl in den Stellwerken als auch bei den Lokführern. Personalmangel hielt allein im letzten Jahr mehrmals als Erklärung für Betriebseinstellungen her. Aber auch aus anderen Gründen ruhte der grenzüberschreitende Zugverkehr öfter mal: Nachdem ein Güterzug im Bahnhof Wörth verunglückt war und Gleise und Oberleitungen schwer beschädigt hatte, fuhren im November und Dezember 2021 mehrere Wochen keine Züge. Ebenso war deswegen die Strecke nach Karlsruhe dicht.

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Keine Traumtänzer

Drei Monate lang keine Züge

Im Frühjahr 2020 fuhren für rund drei Monate keine Züge nach Frankreich wegen der Corona-Grenzschließungen. Im Herbst 2019 stellte die Deutsche Bahn DB wegen eines Streiks bei der französischen Staatsbahn SNCF den Betrieb zwischen Wörth und Lauterbourg ein. Die Reaktionen auf die Ausfälle? – Verhalten, ein Aufschrei war aus keiner Richtung zu hören.

Dabei war die Reaktivierung der Strecke Wörth/Lauterbourg einst als Meilenstein in der Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen in der Region gefeiert worden. Seit dem 15. Dezember 2002 fuhren wieder Personenzüge zwischen Wörth und Lauterbourg – nach einer Pause von 22 Jahren. Im Juni 1980 wurde der letzte grenzüberschreitende Zug aus dem Fahrplan gestrichen, am 3. Juni 1984 stellte die Deutsche Bundesbahn auch den Personenverkehr zwischen Wörth und Berg ein, nachdem er in den Jahren zuvor bereits deutlich zusammengestrichen worden war.

Strecke ab Mai 1999 reaktiviert

Ab Mai 1999 fuhren wieder sonntags im Sommerhalbjahr Ausflugszüge als Vorgriff auf die Reaktivierung – aber ohne Halt zwischen Wörth und Lauterbourg. In Hagenbach, Neuburg und Berg mussten erst im Jahr 2002 die Bahnsteige wiederaufgebaut werden, und es wurde ein neuer Haltepunkt „Maximiliansau Im Rüsten“ errichtet. Außerdem wurde die Strecke saniert und ein Stellwerk in Lauterbourg umgebaut für insgesamt rund 6,5 Millionen Euro. Die Verbandsgemeinde Hagenbach und die Gemeinden Berg, Hagenbach und Neuburg trugen davon rund 500.000 Euro. Umstritten war, dass fortan die erst wenige Jahr zuvor deutlich verdichtete Buslinie zwischen Wörth und Berg auf wenige Fahrten ausgedünnt wurde.

Zur Eröffnung fuhr ein Sonderzug nach Lauterbourg, dort stiegen französische Ehrengäste zu, nach dem üblichen inszenierten Banddurchschnitt an der Landesgrenze und Zwischenstopps an den neu aufgebauten Stationen in Berg, Neuburg und Hagenbach mit Blasmusik, Brezeln und Glühwein stieg in Maximiliansau Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) zu und durfte den Eröffnungszug nach Wörth steuern. In Wörth gab es ein Bahnhofsfest mit beheiztem Festzelt.

Lauterbourg bis 2024 noch Endstation

Anders als damals gewünscht, blieb Lauterbourg aber Endstation: Durchgehende Züge zwischen Wörth und Strasbourg, damals angestrebt für das Jahr 2006, fahren bis heute nicht. Nach jetzigem Stand soll es nun Ende 2024 soweit sein, wegen Bauarbeiten im Elsass soll der vorgesehene Stundentakt Wörth/Strasbourg erst ab 2027 gefahren werden.

In Sachen Güterverkehr versucht seit dem Sommer die Schweiz die Entwicklung voran zu treiben. Die Schweizer Regierung wurde von beiden Parlamentskammern aufgefordert, mit Deutschland und Frankreich über den Ausbau der linksrheinischen Bahnstrecke zwischen Wörth und Strasbourg zu verhandeln, so ein Bericht der „Deutschen Verkehrszeitung“. Ähnlich wie schon in Italien ist die Schweiz bereit, sich auch finanziell zu beteiligen.

Wichtiger Zubringer zur Alpentransversale

Aus Sicht der Schweiz ist die Strecke Wörth/Strasbourg ein wichtiger Zubringer zur „Neuen Eisenbahn-Alpentransversale“ NEAT. Deren Kernstück ist der bereits 2016 in Betrieb genommene Gotthard-Basistunnel, mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Die Schweizer wollen mit der NEAT die Zahl der Lastwagen auf 650.000 im Jahr begrenzen. 2021 waren es aber immer noch 860.000. Ein Grund dafür: der vollständige Ausbau der badischen Rheintalstrecke wird erst für 2042 erwartet. Das Nadelöhr könnte beseitigt werden: Einen Ausbau der Strecke Wörth/Strasbourg auf NEAT-Standard (740 Meter lange Züge) ist aus Schweizer Sicht bis 2030 möglich.

Pannenreicher Ausbau der badischen Strecke

Die Schweizer Bahnwirtschaft fordert in einem Positionspapier den Ausbau zwischen Wörth und Strasbourg auch mit Blick auf den pannenreichen Ausbau der badischen Strecke. Gewünscht wird eine Parallelstrecke, die dem „Baustellenchaos“ ein Ende bereitet. Mit relativ geringen Mitteln lasse sich innerhalb weniger Jahre ein zusätzliche Kapazität von 60 Güterzügen pro Tag realisieren. Die linksrheinische Parallelstrecke werde auch benötigt, weil die Deutsche Bahn Generalsanierungen von hochbelasteten Schienenkorridoren plane. So solle schon 2024 die Rheintalstrecke für vier Wochen voll gesperrt werden.

Laut „Deutscher Verkehrszeitung“ ist die Schweizer Regierung bereit, mit Deutschland und Frankreich zu verhandeln. Man müsse sich aber bewusst sein, dass Deutschland und Frankreich den eigenen Mehrwert der linksrheinischen Strecke als eher gering sähen, wird die Schweizer Verkehrsministerin Simonetta Sommeraruga zitiert.

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