Germersheim / Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnstrecke: Nach Aufrüstung „perspektivisch“ mehr Züge möglich

Vor allem nachts fahren die Güterzüge durch die Region.
Vor allem nachts fahren die Güterzüge durch die Region.

Anwohner der Bahnstrecke Germersheim-Wörth beklagen, dass mehr Güterzüge fahren. Das liegt daran, dass wegen einer Baustelle Züge aus dem Badischen umgeleitet werden, sagt die Bahn. Es könnten aber auch dauerhaft mehr werden.

Mehr und längere Güterzüge – das beobachten Anwohner der Bahntrasse Germersheim-Wörth seit Anfang März. Die Bahn bestätigte, dass wegen des laufenden Ausbaus der badischen Rheintalstrecke Züge in die Pfalz umgeleitet werden. Aber auch die Strecke Germersheim-Wörth wird bereits seit Mai 2021 technisch aufgerüstet.

Die Vorhaben im Einzelnen: Signale, Weichenantriebe und die Technik von Bahnübergängen werden erneuert, die alten Stellwerke in Germersheim, Wörth und Rülzheim werden durch moderne Stellwerke ersetzt, die Bedienung soll dann zentral über ein elektronisches Stellwerk in Germersheim erfolgen.

Kapazität durch Modernisierung erhöht

Zwischen Germersheim und Wörth wird ein Gleiswechselbetrieb mit Blockverdichtungen eingeführt. Das bedeutet: Züge können auf der Strecke das Gleis wechseln, in der Folge können abschnittsweise beide Gleise in einer Fahrtrichtung genutzt werden. Die Blöcke sind durch Signale getrennte Streckenabschnitte; in einem Block darf immer nur ein Zug fahren. Mit der Zahl der Blöcke erhöht sich also die Kapazität.

Bis Spätsommer 2022 soll die neue Technik in drei Stufen in Betrieb genommen werden, so die Ankündigung im Mai vergangenen Jahres; das wäre in etwa einem halben Jahr. Fragen der RHEINPFALZ, um wie viel die Zahl der Blöcke erhöht werden soll, beantwortet die Bahn nicht. Auch der Frage nach einer Kapazitätserhöhung vor allem im Güterverkehr versuchen die Bahnsprecher zunächst auszuweichen.

Bahn muss Kapazitäten ausschöpfen

Am Ende heißt es dann: „Die jetzige Blockverdichtung hat zum Ziel, besser gegen Störungen gewappnet zu sein – wir schaffen damit ein robusteres Netz.“ Die Kapazität im Güterverkehr verändere sich damit aktuell nicht, so ein Bahnsprecher. Allerdings: „Perspektivisch ist mit der Modernisierung ein mögliches größeres Angebot auf der Schiene verbunden.“

Und dieses Angebot dürfte auch genutzt werden. Anlässlich der bisherigen Anwohnerbeschwerden hatte die Bahn darauf hingewiesen, dass sie Kapazitäten nicht blockieren darf: „Wenn wir bei der DB Netz eine Anfrage nach freien Kapazitäten erhalten und diese vorhanden sind, muss dem Wunsch nach Benutzung der Strecke entsprochen werden.“ Dies sei bei der Bahnreform 1994 vom Gesetzgeber so geregelt worden: Die über 400 in Deutschland verkehrenden Eisenbahnunternehmen hat einen verbrieften Anspruch darauf, zu jeder Tages- und Nachtzeit auf jeder beliebigen Strecke fahren zu können – vorausgesetzt der Abschnitt ist für den Güterzug geeignet.

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