[Aktualisiert: 13 September, 1910 Uhr] Jockgrim / Südpfalz
Gebhart für mehr Medizinstudenten gegen Ärztemangel
Erst Kommunalpolitiker, dann Landtagsabgeordneter, direkt gewählter südpfälzischer Bundestagsabgeordneter und seit 2018 Parlamentarischer Staatssekretär im Gesundheitsministerium. Was kommt danach? Der promovierte Politikwissenschaftler Thomas Gebhart, CDU-Direktkandidat lächelt, um dann zu erklären: „Die Wahlkreisarbeit macht mir Spaß“, also das direkte Gespräch vor Ort mit den Bürgern, „aber auch die Hintergrundarbeit in Berlin.“ Deshalb will er „weiter die Südpfalz im Bundestag vertreten, das steht jetzt im Vordergrund“, sagt Gebhart, der seit 2002 den CDU-Kreisverband Germersheim führt. Es gelte die Probleme der Menschen im Wahlkreis aufzugreifen und in Berlin nach Lösungen dafür zu suchen.
5000 neue Ärzte in fünf Jahren
Als ein Top-Thema bezeichnet er die ärztliche Versorgung nicht nur in der Südpfalz. „Die Leute sollen eine gute Versorgung haben, unabhängig vom Geldbeutel.“ Da sei auf Bundesebene auch schon einiges passiert. Als Beispiel nennt er den Fall des inzwischen verstorbenen Leimersheimer Arztes Dr. Ekkehard Pilz, der über die Maßen viele Hausbesuche bei seinen Patienten gemacht habe und deshalb an die Kassenärztliche Vereinigung eine Regresszahlung hätte entrichten sollen. „Das wurde abgestellt. Das gibt’s nicht mehr“, sagt Gebhart, der sich 2017 in den Fall eingeschaltet dafür gesorgt hatte, „dass Hausärzte auf dem Land in ganz Deutschland wegen der Anzahl der Hausbesuche keine Regresse mehr befürchten müssen“. Das würde engagierte Mediziner, nicht zuletzt junge, abschrecken. Hier, beim medizinischen Nachwuchs, sieht der Gesundheitspolitiker ohnedies das Hauptproblem des Ärztemangels – wohl wissend, dass dies in die Länderhoheit falle. Denn seit Jahren wird nach Gebharts Ansicht an den Universitäten zu wenig ausgebildet, stehen zu wenige Medizin-Studienplätze zur Verfügung. Von den rund 16.000 Studienplätzen zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 seien 11.220 übrig geblieben. Dabei gebe es genug Bewerber. „Fünf, sechs pro Studienplatz“, weiß Gebhart. Allein Rheinland-Pfalz bräuchte in den nächsten fünf Jahren pro Jahr 1000 neue Ärzte, um die Stellen der aus Altersgründen aufhörenden Mediziner zu ersetzen. Eine entsprechende Forderung stehe auf seine Anregung hin nun im CDU-Wahlprogramm und soll auch in einen möglichen Koalitionsvertrag aufgenommen werden.
Dass Privatinvestoren Krankenhäuser aufkaufen, um dann aus Gewinnmaximierungsgründen am Personal zu sparen, dürfe nicht weitergehen. Deshalb würden seit einiger Zeit die Pflegepersonalkosten vom Staat extra vergütet, nachdem zuvor Standards festgelegt worden seien, die eingehalten werden müssten. Und in der Altenpflege seien neue Bemessungsgrenzen eingeführt worden. Da nicht nur im Gesundheitswesen händeringend Facharbeitskräfte gesucht würden, müsse der Mangel über Zuwanderung ausgeglichen werden. Zunächst aber gelte es, die Bedingungen der vorhandenen Arbeitskräfte in der Pflege zu verbessern.
Verwundbare Stellen schützen
Verbessern muss Deutschland nach Gebharts Auffassung aber auch seine Strukturen. Corona habe sehr deutlich Mängel vor Augen geführt, etwa bei der Digitalisierung der Schulen. „Wir müssen schauen, wo sind wir verwundbar und da Abhilfe schaffen, unabhängig werden – auch wenn es mehr kostet.“ Das Ganze müsse jedoch im europäischen Rahmen geregelt werden. Als Beispiel nennt der verheiratete Vater zweier Kinder Arzneimittellieferungen.
Zu Beginn seiner politischen Laufbahn hat sich der 49-Jährige vor allem auf den Themengebieten „Umwelt“ und „Klimaschutz“ getummelt. Im Landtag war er 2008 Sprecher der Enquete-Kommission zum Thema „Folgen des Klimawandels“. „Im Bericht der Enquetekommission stand damals schon der Schutz vor Starkregenereignissen“, erinnert er sich. Sein Lieblingsthema von einst liege ihm auch heute noch am Herzen, sagt Gebhart. Inzwischen habe er sich jedoch intensiv ins ebenfalls so wichtige Thema „Gesundheit“ eingearbeitet und es sehr schätzen gelernt. Es sei zu seinem zweiten Lieblingsthema geworden.
Programm für die Südpfalz
Und welche Ziele hat er sich für die Südpfalz gesetzt? Hier verweist Gebhart auf sein Programm auf seiner Internet-Homepage. Als Beispiele nennt der Jockgrimer den Bau der zweiten Rheinbrücke bei Wörth, Elektrifizierung der Strecke Neustadt-Landau-Wörth, den Ausbau regenerativer Energien sowie ein lückenloses Radwegenetz.
Eng getaktet ist derzeit sein Terminkalender, verrät Gebhart. Neben seinen stark von Corona geprägten Verpflichtungen als Staatssekretär sei er nicht nur für sich im Wahlkampf, sondern auch für Parteifreunde. Das geschehe vornehmlich in kleineren Runden, weil Großveranstaltungen derzeit kaum realisierbar seien.
Neuer Film über Abgeordneten
Übrigens: Wer sehen möchte, wie Gebharts Arbeitstage ablaufen, kann dies in Kürze auf „Youtube“ tun. Dort soll die Fortsetzung eines Films anlaufen, dessen erster Teil vor vier Jahren startete und für den Gebhart ausgewählt worden war. Nun also Teil zwei über den Berufsalltag des Abgeordneten, allerdings in Corona-Zeiten.
Korrektur
In der Ursprungsfassung stand irrtümlich, dass in Deutschland in den nächsten fünf Jahren je 1000 neue Ärzte benötigt würden. Außerdem hat Gebhart zwei Kinder und nicht nur eins. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.