Kreis Germersheim Leimersheim: Auf der Suche nach einem Landarzt
Dr. Ekkehard Pilz und seine Frau Sylviane schließen ihre Allgemeinärztliche Praxis in Leimersheim. Über 40 Jahre lang kümmerte sich der 72-jährige Mediziner um seine Patienten, behandelte mehrere Generationen von Familien. Am 31. Januar geht die Tür zu. Ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
„Die Suche nach einer Nachfolge läuft auf Hochtouren“, versicherte Orts- und Verbandsgemeindebürgermeister Matthias Schardt. In der Praxis Pilz herrscht dagegen Skepsis vor, die Stimmung ist gedrückt. „Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl, die Praxis ohne Nachfolger zu hinterlassen“, sagt Ekkehard Pilz. „Hausbesuche, Pflegefälle, wer kümmert sich darum?“ Die eigene Suche nach einer Nachfolge oder einem jüngeren Kollegen, der in die Praxis einsteigt und sie später übernimmt, sei schon vor Jahren gescheitert, erzählt Sylviane Pilz. Die Ehefrau führt Buch, erledigt die Verwaltungsarbeit der Praxis. Es seien vor allem die Arbeitszeiten und Hausbesuche, die junge Männer und Frauen abschrecken, Landarzt zu werden, mutmaßt Pilz. In der Großstadt oder im medizinischen Zentrum, wie gerade im Nachbarort Rülzheim eines entstehe, falle sowas halt nicht an.
Keine Überversorgung
Was eine mögliche Nachfolge angeht, bestätigt die Pressestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, in einer ersten Stellungnahme, dass im Mittelbereich des Landkreises Germersheim keine Überversorgung vorliegt. Insofern könne sich eine Ärztin oder ein Arzt um die Stelle in Leimersheim bewerben. Deshalb sei auch die Ausschreibung der bisherigen Praxis seitens der KV nicht notwendig. Klartext: Ein Arzt bekommt die Kassenzulassung für Leimersheim, muss aber nicht die Praxis Pilz übernehmen – kann aber, wenn er will – und er mit der Familie Pilz einig wird. Bis heute sieht es allerdings weder auf die eine noch die andere Art nach einer Nachfolge aus. Sylviane Pilz hat von Januar bis Mitte Dezember 2975 Patientenkontakte ihres Mannes gezählt. Die 3000 würden bis Jahresende garantiert überschritten. „Das können doch die anderen Ärzte in der Region nicht auffangen“ sagt Pilz. „Die sind doch selbst ausgelastet.“
Pilz ist ein gebranntes Kind
Ausgelastet mit der Behandlung von Menschen und einer überbordenden Bürokratie und Reglementierung, wie beide betonen. Pilz: „Es geht oft nicht mehr um medizinische Notwendigkeit, sondern um Erfüllung von Vorschriften wirtschaftlicher Art.“ Pilz ist ein gebranntes Kind. Unter anderem wegen „zu vieler Hausbesuche“ machte ihn die KV regresspflichtig, er muss eine fünfstellige Summe zurückzahlen (wir berichteten). Pilz’ Gedanken drehen sich nicht, wie man es erwarten würde, um die schönen Seiten des Ruhestandes. Ihn treibt die Arztsituation in Leimersheim um. „Die Sozialstationen können das doch nicht auffangen“, ist er sicher. Auch wenn man immer wieder höre, es solle in Zukunft wieder Gemeindeschwestern, ähnlich wie früher, geben, die sich um (leichtere) medizinische Fälle kümmern.
"Bei mir muss noch viel sacken"
Der 31. Januar als Schlusstag ist für das Ehepaar Pilz dennoch fix. Er ist Ruheständler, sie sucht sich noch für die letzten zwei Jahre bis zur Rente eine Stelle. Das gelte auch für eine der beiden Arzthelferinnen; die andere höre komplett auf. „Bei mir muss noch viel sacken, bis ich mich damit abfinde“, sagt Pilz. Es sei ja nicht nur die ärztliche Arbeit. Auch viele Kontakte und Gespräche, die über die Arbeit zustandekommen, „werden mir fehlen“. Über Freizeit-Beschäftigung im Ruhestand habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Aktivitäten wie früher bei Ärzten ohne Grenzen in Krisengebieten kommen nicht mehr infrage, da setzen das Alter und die eigene Gesundheit doch Grenzen. „Ich habe immer gesagt, ich höre auf, wenn wir einen Nachfolger finden. Wir finden aber keinen“ – trotz einiger Versuche und Arbeitsmodelle in den vergangenen Jahren.