Kreis Germersheim Leimersheim: Arzt soll 75.000 Euro zurückzahlen

Sie lachen in die Kamera, aber der Blutdruck steigt: Dr. Ekkehard Pilz und seine Frau Sylviane haben Ärger mit der KV.
Sie lachen in die Kamera, aber der Blutdruck steigt: Dr. Ekkehard Pilz und seine Frau Sylviane haben Ärger mit der KV.

Leimersheim: Praktischer Arzt auf dem Land – das klingt nach pflegebedürftigen Menschen und Hausbesuchen. Der Leimersheimer Arzt Dr. Ekkehard Pilz hat das gewissenhaft gemacht und seine Patienten auch zu Hause versorgt. Dafür flatterte ihm eine Forderung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in die Praxis: Weil er zu viele Hausbesuche machte, soll er 75.000 Euro zurückzahlen.

„Wir und unsere Mitarbeiter sind frustriert und demotiviert“, sagt Sylviane Pilz. Die Ehefrau des Allgemeinmediziners Dr. Ekkehard Pilz kümmert sich in der Praxis in Leimersheim um die Buchführung und die Bürokratie des Gesundheitssystems. Diese Bürokratie brachte der Praxis im Frühling eine Regressforderung von 75.000 Euro für die letzten zehn Jahre. Absender ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, die vor allem Pilz teure Hausbesuche rügt. „Wenn man 25 Prozent über dem Durchschnitt der Hausbesuche aller Ärzte in der Region liegt, wird man regresspflichtig“, erklärt Sylviane Pilz. Und Hausbesuche werden verboten. Es sei denn, man übernimmt sie wie Ekkehard Pilz in vielen Fällen ehrenamtlich. „Ich kann doch meine Patienten nicht im Stich lassen.“ In der Praxis wurden deshalb Flugblätter ausgelegt, mit der Erklärung, weshalb Dr. Pilz nach 40 Jahren plötzlich keine Hausbesuche mehr machen kann, weshalb manche ärztliche Leistung nicht mehr möglich ist. Das hat Kreise gezogen. Patienten haben sich bei KV und ihrer jeweiligen Krankenkasse beschwert – und zumindest auch die Medien auf diese Situation aufmerksam gemacht. Von der KV selbst, so Sylviane Pilz, habe es eine eher „seltsame“ Reaktion gegeben. Sie sei am Telefon aufgefordert worden, die KV bei den Patienten nicht so schlecht zu machen. Es seien die Krankenkassen, die solche Schritte bei Budget-Überschreitung verlangten. Dann habe der KV-Sprecher auf laufende Verhandlungen verwiesen, einen möglichen Regressnachlass um etwa die Hälfte angedeutet und wieder Hausbesuche „erlaubt“. Nur am Telefon, nichts schriftlich. Auf laufende Verhandlungen hat gestern auch KV-Pressereferent Stefan Holler auf Anfrage der RHEINPFALZ verwiesen. Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung wisse von Presseanfragen zu dem Thema, wolle sich aber während der Verhandlungen nicht dazu äußern. Was sie davon halten sollen, wissen Dr. Pilz und seine Ehefrau nicht. Für sie steht fest, dass das Kapitel Arztpraxis in Leimersheim beendet ist. „Wir arbeiten noch, um Geld für die Regressforderung zu sparen. Damit nicht alles aus der Altersversorgung genommen werden muss. Dann ist Schluss“, sagt Sylviane Pilz. Vielleicht im nächsten Sommer. Die gebürtige Französin ist empört über Berufskollegen ihres Mannes. „Wir wissen von vielen Ärzten, die solche Regressforderungen bekommen haben. Warum gehen die nicht auf die Straße wie das Ärzte in Frankreich machen würden?“ Einem jungen Arzt könne er nicht empfehlen, sich auf dem Land niederzulassen, sagt Dr. Pilz. Die Bürokratie sei viel zu aufwendig, das finanzielle Risiko – erst recht, wenn eine Praxis neu aufgebaut oder gemietet werden muss – viel zu groß. Dementsprechend habe es von den wenigen Interessenten, die bisher in Leimersheim vorgesprochen haben, nur Absagen gegeben. „Mit der Politik der KV und der Kassen gewinnt man keine Ärzte für das Dorf“, ist Pilz enttäuscht. Und verweist darauf, dass viele junge, gut ausgebildete Ärzte ins Ausland gehen. In Norwegen, England oder der Schweiz gehe man offensichtlich besser mit ihnen um und bezahle vor allem besser. Seine Frau ist sauer auf KV und Kassen, die Jahreseinkommen von 120.000 bis 150.000 Euro für Landärzte „vorgaukeln“. „Sie sagen nicht, dass davon medizinische Geräte, Praxis und Personal bezahlt werden müssen. Am Ende bleibt weniger als die Hälfte.“ Die Tage der Praxis Pilz in Leimersheim seien jedenfalls gezählt. Sie werde sich aber weiter für die Sache der Landärzte einsetzen, gibt sie sich kämpferisch. Info Über Regressforderungen an Ärzte berichtet heute Abend das SWR-Fernsehen am Beispiel von Dr. Ekkehard Pilz in der Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“.

x