Kandel
Bundespolizei-Neubau: Fertig gebaut, nicht fertig bezahlt
[Aktualisierung: 17. Februar 2026, 14.45 Uhr] Nach einigen Verzögerungen ist der Neubau der Bundespolizei in Kandel fertiggestellt und in Betrieb. Doch für mehrere regionale Handwerksbetriebe ist das Projekt bis heute nicht abgeschlossen. Sie berichten von ausstehenden Zahlungen in teils sechsstelliger Höhe, von monatelangem Hinterherlaufen und von existenziellen Sorgen. Der Generalunternehmer BBF Constructions weist die Vorwürfe zurück und spricht von strittigen, nicht ordnungsgemäß erbrachten Leistungen.
„Der größte Auftrag seit Bestehen meiner Firma“
Besonders betroffen ist Stefan Mathäß aus Kandel. Für den Innenausbau des Bundespolizei-Gebäudes habe sein Unternehmen einen Auftrag über ein Volumen von knapp einer Million Euro erhalten – der größte Auftrag in der Firmengeschichte. Offen seien derzeit knapp über 300.000 Euro, die letzte Zahlung habe er Anfang 2025 erhalten.
Mathäß schildert, dass er trotz bereits offener Rechnungen Im Vertrauen auf die BBF Constructions und mit dem Ziel eines zügigen Abschlusses des Bauprojekts weitergearbeitet habe. Auf dem Bau seien Zahlungsziele von 30 Tagen üblich, währenddessen liefen Löhne, Materialkosten und neue Leistungen weiter. „In 30 Tagen kann ich durchaus für 150.000 Euro weiterbauen, auch wenn noch 100.000 Euro offen sind“, sagt er.
Nach seinen Angaben liegen für seine Leistungen mängelfreie, unterschriebene Abnahmen vor. Schriftliche Mängelanzeigen habe er bis heute nicht erhalten. „Bis heute gibt es nichts Schriftliches, dass es irgendwelche Mängel gibt“, sagt Mathäß. „Das Gebäude ist in Betrieb, teils im Hochsicherheitsbereich, da kann es ja keine Mängel geben.“ Inzwischen seien rund 20.000 Euro Verzugszinsen aufgelaufen. Die Situation sei existenzbedrohend: „Ich musste einen Großteil der Rücklagen aufwenden, um die Mitarbeiter und Lieferanten zu bezahlen. Wenn nichts kommt, ist das für mich das Ende.“
„Ständig dem Geld hinterherlaufen“
Mathäß berichtet zudem, dass Mängelvorwürfe erst spät und ausschließlich mündlich erhoben worden seien. Konkrete Belege oder schriftliche Mängelrügen seien ihm nicht vorgelegt worden. Gleichzeitig betont er, dass es keine vertraglich festgelegten Fertigstellungsfristen gegeben habe. Aus seiner Sicht könne ihm daher weder Verspätung noch mangelhafte Leistung angelastet werden.
Mathäß ist nicht der einzige Handwerker aus der Region, der nach eigenen Angaben noch auf Geld von der BBF Constructions wartet. „Ich musste immer wieder drohen, bis überhaupt Geld geflossen ist“, sagt ein anderer Handwerker aus der Region. Zahlungen seien häufig unvollständig gewesen, Begründungen für Kürzungen habe es nicht gegeben. Bis Ende vergangenen Monats sei die Schlussrechnung noch nicht bezahlt worden, trotz mehrfacher Aufforderung und erfolgter Bauabnahme. Bei BBF Constructions sei es „immer schwierig gewesen, an mein Geld zu kommen“, sagt der Handwerker. Das Unternehmen aus Boppard wurde zuletzt auf einen Umsatz von elf Millionen Euro geschätzt und gehört zur BBF Group.
BBF Constructions: Streit über mangelhafte Leistungen
Der Geschäftsführer der BBF Constructions, Manfred Ebel, weist die Vorwürfe zurück. Bei der Auftragsvergabe habe man „regionale Firmen unterstützen“ wollen. In mehreren Gewerken seien die Auftragnehmer vollständig bezahlt worden. Mit einem Vertragspartner gebe es „Meinungsverschiedenheiten bezüglich mangelhafter beziehungsweise unvollständig und fristgerechter ausgeführter Leistungen“. Der Versuch einer außergerichtlichen Einigung sei gescheitert. Durch die nicht ordnungsgemäße Leistungserbringung seien dem Unternehmen und dem Auftraggeber „erhebliche Schäden“ entstanden.
Ebel betont zugleich: „Alle berechtigten Forderungen von Nachunternehmern wurden von uns beglichen.“ Der Vorwurf, Zahlungen würden gezielt verzögert, sei nicht zutreffend. Man sehe zwar die Gefahr, dass kleinere Betriebe durch Zahlungsstau in Schwierigkeiten geraten könnten, „berechtigte Zahlungen werden von uns jedoch nicht verzögert“.
Ein Neubau – viele Beteiligte
Dass die Bundespolizei heute in Kandel untergebracht ist, war das Ergebnis einer Entscheidung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Sie prüft bundesweit Standorte und Modelle, wenn für Bundesbehörden neue Unterkünfte benötigt werden. Die Wahl fiel auf das Grundstück eines mit der BBF Group verbundenen Unternehmens, auf dem ein Neubau errichtet und anschließend für die Nutzung durch die Bundespolizei für 275.000 Euro im Jahr angemietet wurde. Der Einzug hatte sich mehrfach verzögert.
Der Mietvertrag wurde bereits vor Fertigstellung geschlossen. Seit der Inbetriebnahme fließen regelmäßige staatliche Mietzahlungen an den Eigentümer. Die Bauausführung selbst lag bei der konzerneigenen BBF Constructions und den von ihm beauftragten Unternehmen. Während der Bauphase begleitete die BIMA das Projekt. Sie bestätigt, dass es zu Verzögerungen kam, weil ein Nachunternehmer Leistungen nicht zeit- und sachgerecht erbracht habe. Nach Angaben der Bundesregierung betrafen die festgestellten Mängel insbesondere noch fehlende Arbeiten im Bereich der Haustechnik. Der daraus entstandene Schaden für die Bundespolizei sei zwischen BIMA und Vermieter geregelt worden.
Bundestagsabgeordneter schaltet sich ein
Diese Rolle der BIMA rückte die Behörde auch in den Fokus politischer Nachfragen. So schaltete sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart ein, nachdem ihn im Winter 2024 mehrere Handwerksbetriebe aus der Region auf ausbleibende Zahlungen angesprochen hatten. „Nachdem ich von lokalen Handwerkern angesprochen wurde, habe ich mich gegenüber der BIMA für sie eingesetzt“, sagt Gebhart. In der Folge wurden nach Angaben mehrerer Gesprächspartner einzelne Rechnungen in Tranchen bezahlt. Einige Monate später entschied sich die BIMA erneut für ein Unternehmen der BBF Group als Bauherr ihres neuen Dienstgebäudes in Koblenz.
Für die betroffenen Betriebe bleibt vor allem Frust. „Wenn man für den Staat einen Bau korrekt und pünktlich ausführt, erwartet man auch, dass man bezahlt wird“, sagt einer der Betroffenen. Er hätte den Auftrag gerade deshalb angenommen, weil ein Bundesnutzer beteiligt war – in der Erwartung besonderer Verlässlichkeit. Bei Mathäß reichen die Folgen über das Projekt hinaus. Investitionen, die er für seinen Betrieb geplant hatte, liegen auf Eis. „Ich will in Kandel investieren und eine Halle für meine Firma, andere Handwerker und Gewerbe bauen – da fehlt mir jetzt ein großer Teil der benötigten Liquidität.“
Anmerkung der Redaktion
In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass die Bundespolizei 275.000 Euro Miete pro Monat bezahlt. Dies ist nicht korrekt, die Miete pro Jahr beträgt 275.000 Euro im Jahr. Der Fehler wurde inzwischen korrigiert.