Bellheim / Pirmasens
Brauerei: Ausgliederung der Logistik wird diskutiert
Geschäftsleitung und Belegschaft reden derzeit über eine mögliche Ausgliederung zumindest von Teilen der Logistik der Brauerei Park & Bellheimer. Roald Pauli, Brauereichef und Mehrheitsaktionär der Brauerei Park&Bellheimer AG mit Sitz in Pirmasens und Standort in Bellheim bestätigte auf Anfrage diese Information der RHEINPFALZ. Ins Detail gehen wolle er in diesem frühen Stadium der Gespräche aber nicht; schließlich solle der Prozess geordnet ablaufen.
Was Pauli sagte: Der Brauerei entstehe aus der Logistik „ein Kostennachteil von einer Million Euro pro Jahr. Wir wollen das nicht dauerhaft vor uns herschieben.“ Und: „Ich bin kein Freund von Ausgliederungen; das ist die Ultima Ratio“, also der Extremfall. „Es gibt Bestrebungen, das anders zu regeln.“ Sollte es jedoch zu besagtem Extremfall kommen, „dann würden wir die gesamte Logistik umstrukturieren“, so Pauli. Nach seinen Angaben gibt es kaum noch eine Brauerei, die wie Park&Bellheimer die gesamte Logistik unter dem eigenen Dach habe. Die Arbeitsplätze bei Park & Bellheimer sind laut Pauli sicher. „Und damit das so bleibt, müssen wir das Unternehmen entsprechend aufstellen.“
Bedingungen
Welcher Art die von ihm angesprochenen Bestrebungen sind, um das Ganze anders zu regeln, wollte Pauli nicht sagen. Nach RHEINPFALZ-Informationen wurde der Belegschaft von ihm mitgeteilt, dass man unter zwei Bedingungen von der Ausgliederung absehen würde: Zum einen gehe es dabei um den Verzicht auf eine tariflich vereinbarte Altersfreizeitregelung, wonach Mitarbeitende ab dem 60. Lebensjahr und mindestens zehn Jahren Betriebszugehörigkeit zusätzlich zum regulären Urlaub von 30 Tagen weitere 24 Urlaubstage erhalten. Zudem sollen die Beschäftigten angeblich fünf Jahre lang auf eine Lohnerhöhung verzichten.
Die wirtschaftliche Lage der Brauerei wird von Pauli seit Jahren stets sehr positiv geschildert: Steigende Getränkeabsätze und Umsätze, millionenschwere Investitionen, nicht zuletzt in den Fuhrpark, der in diesen Wochen erneuert wird. Die Investitionen seien aus eigenen Mitteln finanziert und die Verschuldung in den vergangenen Jahren um über zwölf Millionen Euro zurückgefahren worden. „Wir sind schuldenfrei“, sagte der Brauereichef zum Jahreswechsel.
Einstieg bei Eichbaum der Grund?
Ob möglicherweise der Einstieg von Park&Bellheimer in die im Insolvenzverfahren steckende Mannheimer Eichbaum-Brauerei hinter den aktuellen Diskussionen steckt, war nicht zu erfahren. Wie berichtet, übernimmt Park&Bellheimer zu einem nicht genannten Preis von Eichbaum das inländische Markengeschäft und den Vertrieb. Während die Dosenabfüllung in Mannheim bleiben soll, soll Eichbaum-Bier künftig in Bellheim in Flaschen und Fässer abgefüllt und von dort zu den Kunden gebracht werden. Pauli hatte im März angekündigt, dafür unter dem Dach von Park&Bellheimer eine eigene Vertriebsgesellschaft gründen zu wollen. Den Eichbaum-Standort Mannheim selbst und das Auslandsgeschäft soll ein Finanzinvestor übernehmen, die Luxemburger Lafayette Mittelstand Capital.
Zur aktuellen Debatte in der Brauerei und worum es dabei gehen soll, sagte der für den Brauerei-Standort Bellheim zuständige Betriebsratsvorsitzende Joachim Steinemann auf Anfrage der RHEINPFALZ nur: „Ich kann nichts bestätigen. Es gibt Gespräche. Das wird dauern, was da passiert.“
Betriebsversammlung geplant
Oliver Sandoz, Betriebsratsvorsitzender am Brauereisitz in Pirmasens, äußerte sich nicht viel ausführlicher. Er bestätigte, dass der Brauereichef „eine Veränderung des Tarifgefüges“ anstrebe, andernfalls drohe eine Ausgliederung. Ob das Ganze im Zusammenhang mit dem Engagement von Park&Bellheimer bei Eichbaum steht, wisse er nicht, antwortete Sandoz. Nach seinen Angaben wird eine Betriebsversammlung geplant, um die Belegschaft auf den aktuellen Stand zu bringen.