Traditionsunternehmen
Pfälzer Brauerei bewahrt Eichbaum vor dem Aus
Der Fortbestand der Mannheimer Traditionsbrauerei war akut gefährdet. Am Dienstag machte die Gläubigerversammlung den Weg frei für eine Sanierung. Dabei wird die Pirmasenser Brauerei Park&Bellheimer Eichbaum mit unter die Arme greifen. Bitter allerdings: Zwei Drittel der Belegschaft wird wohl ihren Arbeitsplatz verlieren.
Gemeinsam mit einem Finanzinvestor will die Brauerei Park & Bellheimer AG mit Sitz in Pirmasens die im Insolvenzverfahren steckende Mannheimer Brauerei Eichbaum vor dem Untergang bewahren. Während der namentlich nicht bekannte Finanzinvestor den Standort Mannheim und das Auslandsgeschäft der Eichbaum übernimmt, wird Park & Bellheimer das inländische Markengeschäft, den Vertrieb übernehmen. Das teilte nach der Gläubigerversammlung am Dienstag der Brauereichef von Park & Bellheimer, Roald Pauli, auf Anfrage der RHEINPFALZ mit.
Zu diesem Zweck solle unter dem Dach der Park & Bellheimer eine eigene Vertriebsgesellschaft gegründet werden, so Mehrheitsaktionär Pauli, der sich einiges von dem Engagement verspricht. So sei mit dem Finanzinvestor eine längerfristige Kooperation geplant, die man vertiefen könne. Denkbar sei, Park&Bellheimer-Produkte auch im Ausland zu vertreiben. Aber das müsse man abwarten. In dem Prozess sei momentan noch viel Dynamik.
Abfüllung in Bellheim
Fest geplant sei, dass künftig zwar noch in Mannheim gebraut werde, aber das Bier dann in Tankwagen nach Bellheim gefahren, dort abgefüllt und an die Kunden ausgeliefert werde. Pauli ist sich sicher, dass die in der jüngsten Vergangenheit mit Millionenaufwand modernisierte Abfüllanlage die zusätzlichen Mengen schaffen kann. Die zwei Fassabfüller liefen ebenso wie die ganze Anlage im Zwei-Schicht-Betrieb und könnten pro Stunde bis zu 460 Fässer füllen. Die Flaschenabfüllung schaffe pro Tag zwischen 400.000 und 500.000 Flaschen. Pauli begründet den Schritt damit, dass die in die Jahre gekommene Abfüllung in Mannheim geschlossen werden soll. Er sagte, auch Park & Bellheimer profitiere von der Zusammenarbeit mit Eichbaum. Zum einen weil man nun die Park&Bellheimer-Produkte in der gesamten Metropolregion vertreiben könne. Bislang war das Vertriebsgebiet in erster Linie die Pfalz und das benachbarte Frankreich. Zudem sehe er große Chancen für die breite Palette der alkoholfreien Getränke der Marke Bellaris, die von Park & Bellheimer vertrieben wird. Denn in der Vergangenheit war wiederholt die Rede davon, dass Eichbaum auf diesem Gebiet ein Problem habe, Mengenrückgänge beim Bier nicht mit alkoholfreien Getränken kompensieren konnte. Das könne sich nun ändern.
Pauli freut sich nach eigenen Angaben, einen Beitrag zur Rettung der 1679 gegründeten Eichbaum-Brauerei leisten zu können, damit wenigstens ein Teil der Belegschaft ihren Job behalten kann. Pauli verweist auch auf eine persönliche Verbindung zu dem Traditionsunternehmen: Er habe fast 30 Jahre seines Berufslebens bei Eichbaum verbracht, zuletzt als Vorstandsmitglied fürs Kaufmännische,
Die Mannheimer Privatbrauerei Eichbaum bleibt also erhalten. Die Gläubigerversammlung stimmte am Dienstag einem Sanierungskonzept zu, das allerdings einen tiefen Personalschnitt und eine neue Eigentümerstruktur vorsieht. Die Anzahl der Mitarbeiter soll von derzeit rund 290 auf unter 100 fallen.
Personalabbau „sehr bitter“
Es sei sehr bitter, dass nur rund ein Drittel der Arbeitsplätze bei der Traditionsbrauerei erhalten werden sollen, sagte am Dienstag der Vorsitzende des Landesbezirks Südwest der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Hakan Ulucay. Doch biete sich mit der Sanierungslösung für die verbleibenden Beschäftigten und Eichbaum eine Chance für die Zukunft. „Wir werden darauf achten, dass der Arbeitsplatzabbau sozial verantwortungsvoll gestaltet wird, denn hinter jeder Kündigung stehen Einzelschicksale, stehen Menschen und deren Familie, stehen ganze Existenzen“, sagte Stephanie Albicker, Gewerkschaftssekretärin in der NGG-Region Mannheim-Heidelberg. Sie sagte, die NGG und der Eichbaum-Betriebsrat setzten sich dafür ein, dass eine Transfergesellschaft für die betroffenen Beschäftigten eingerichtet werde.
Das Mannheimer Traditionsunternehmen gilt als das älteste Industrieunternehmen der Quadratestadt. Eichbaum wurde bereits 1679 gegründet. Die Brauerei hatte Ende Oktober 2025 beim Amtsgericht Mannheim einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, das dann Anfang dieses Jahres im Hauptverfahren eröffnet wurde.
Auslandsgeschäft rückläufig
Im Exportgeschäft von Eichbaum war der Umsatz zurückgegangen, im Inland sank die Nachfrage. Das führte zu einem erheblichen Liquiditätsengpass. Das Unternehmen liefert eigenen Angaben zufolge weltweit in mehr als 60 Länder. Eigenverwaltung bedeutet, dass das Unternehmen während des Verfahrens die Verfügungsgewalt behält und damit entscheidungs- und handlungsfähig bleibt. Dem Unternehmen ist ein Sachwalter zur Seite gestellt, der die Geschäftsführung überwacht.
Sachwalter ist Rechtsanwalt Thomas Oberle von der Mannheimer Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz. Die Eichbaum-Geschäftsführer Uwe Aichele und Frank Reifel führen die Geschäfte weiter, unterstützt werden sie vom Rechtsanwalt und Sanierungsexperten Christoph Glatt von der Kanzlei Schiebe und Collegen. Eichbaum will sich breiter aufstellen – weiter weg vom Bierhersteller und stärker hin zu einem Produzenten alkoholfreier Getränke.
In finanzieller Bedrängnis hatte Eichbaum noch vor dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens seine erfolgreiche Malzbier-Marke Karamalz an die Veltins-Brauerei aus dem Sauerland verkauft. Die Markenrechte waren damals sofort übergegangen. Veltins produziert nun auch Karamalz.
Sachwalter Oberle sagte am Dienstag nach der Gläubigerversammlung, aus heutiger Sicht und nach allem, was man heute einschätzen könne, sei die Fortführung von Eichbaum auch für die Gläubiger die bessere Lösung. Die Alternative die im Raum stand, war die Abwicklung der Traditionsbrauerei.