Wirtschaft RHEINPFALZ Plus Artikel Marke Eichbaum bleibt erhalten

Ein Luxemburger Investor unterstützt Eichbaum mit frischem Kapital.
Ein Luxemburger Investor unterstützt Eichbaum mit frischem Kapital.

„Wir können den Blick jetzt wieder nach vorn richten.“ Mit diesen Worten reagiert die Mannheimer Eichbaum-Brauerei auf die Rettung des insolventen Traditionsunternehmens.

Wie berichtet, steigen bei Eichbaum zwei Investoren ein: zum einen die Pirmasenser Brauerei Park & Bellheimer, die das Markengeschäft im Inland sowie den Vertrieb übernehmen wird. Beim zweiten Investor soll es sich um die in Luxemburg ansässige Lafayette Mittelstand Capital handeln, die auch einen Standort in Frankfurt hat. Das berichtete der „Mannheimer Morgen“ unter Berufung auf Georg Dohr, aktuell Berater des Eichbaum-Betriebsrates.

Der Finanzinvestor Lafayette bezeichnet sich selbst als erfahrenen „Partner für nachhaltiges Wertwachstum“. Auf der Internetseite des Unternehmens wird betont, dass Lafayette Mittelstand Capital „in attraktive mittelständische Unternehmen in besonderen Situationen“ investiert. Der Fokus liege dabei auf der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und den angrenzenden Märkten. Mit Investitionen von bis zu 50 Millionen Euro in Eigenkapital, einem breiten Expertennetzwerk und Branchen-übergreifender Erfahrung will Lafayette langfristigen Erfolg sichern. Bisher hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in verschiedene Branchen investiert, darunter Pharma, Gesundheit, Medizintechnik sowie Fitness- und Wellness-Sektor.

Während der „Mannheimer Morgen“ den 1. Mai als Stichtag für den Einstieg der Investoren nennt, bleibt der Zeitpunkt laut Roald Pauli, Mehrheitsaktionär und Brauereichef von Park & Bellheimer, offen. „Der Stichtag hängt von vielen Faktoren ab. Wenn’s nach mir geht, schnell.“ Allerdings hänge das hänge letztlich von Eichbaum ab, so Pauli. Entscheidend sei, wie schnell der angekündigte Personalabbau umgesetzt wird: Zwei Drittel der knapp 300 Stellen sollen abgebaut werden. In Mannheim soll parallel zum Personalabbau die Abfüllung schrittweise heruntergefahren werden, während diese in Bellheim hochgefahren wird. Das erfordere allerdings einige Vorbereitungen: So müssten zum Beispiel die Etikettengrößen an die Maschinen am südpfälzischen Brauerei-Standort von Park & Bellheimer angepasst werden.

Streit um Marke Valentins

Wichtig aus Sicht Paulis: Die Marke Eichbaum bleibt erhalten, und das Bier wird weiterhin nach den bekannten Rezepturen in Mannheim gebraut. Danach werde das Bier jedoch in Tanklastern nach Bellheim gefahren, wo es in Fässer und Flaschen abgefüllt und zu den Kunden gebracht werde. Wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, „dann werden wir einen Plan machen und schauen, wie wir die Mengen hierher überführen“, sagte Pauli.

Auch zum seit Jahren bestehenden Rechtsstreit zwischen Park & Bellheimer und Eichbaum rund um die Biermarke Valentins äußerte sich der Brauereichef: „Das Verfahren ruht. Es ruht sowieso wegen der Insolvenz.“ Und jetzt da man kooperiere, werde der Streit vermutlich beigelegt.

Hintergrund des Markenrechtsstreits: Der Konflikt geht auf die Zeit zurück, als Park & Bellheimer und Eichbaum noch unter dem gemeinsamen Dach der von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp gebildeten Actris-Gruppe waren. Diese Gruppe war ein Zusammenschluss mehrerer Brauereien und Mineralbrunnengesellschaften. Als die Gruppe aufgelöst und die Unternehmen an Manager verkauft wurden, landete ein Teil der Markenrechte an Valentins bei den Kurpfälzern und ein Teil bei den Pfälzern. Diese durften das Bier im Inland brauen und verkaufen. Eichbaum war es nur gestattet, Valentins unter diesem Namen im Ausland zu verkaufen, wenn es auch dort im jeweiligen Land gebraut worden war. Park & Bellheimer hatte ein positives Urteil vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe erzielt.

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