Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnübergänge wegen Arbeiten länger geschlossen

Manchmal sind die Schranken bis zu 20 Minuten geschlossen. Nach dem Öffnen lösen sich Verkehrsstaus auf.
Manchmal sind die Schranken bis zu 20 Minuten geschlossen. Nach dem Öffnen lösen sich Verkehrsstaus auf.

Mehrere Millionen Euro stellt der Bund der Bahn für die Modernisierung ihrer Strecken zur Verfügung. Von Speyer bis Lauterbourg wird gebaut.

Seit Monaten werden die Stellwerke auf der Strecke von Speyer bis Wörth und Philippsburg erneuert. Das erfolgt nach Auskunft der Bahn (DB) in drei Baustufen. In Germersheim und Wörth werden je zwei Stellwerke modernisiert, in Philippsburg und Rülzheim je eins. Dem Stellwerk Germersheim kommt dabei eine besondere Funktion zu. Ende 2022 steuern die Fahrdienstleiter „die Signale und Weichen auf der Strecke Wörth-Germersheim-Speyer über ein neues Elektronische Stellwerk in Germersheim (ESTW-Z)“. Hierfür wurde am Germersheimer Bahnhof ein 252 Quadratmeter großes Gebäude errichtet.

Für diese Digitalisierung der Stellwerkstechnik mussten und müssen Signale, Weichen und Bahnübergänge modernisiert werden. Dazu zählt der Bahnübergang Germersheim Mitte/Rhein. Seit mehreren Wochen ist dort eine mobile Schrankenanlage aufgestellt, die oftmals bis zu 20 Minuten geschlossen ist. Für Verkehrsteilnehmer zunehmend eine Nervensache – doch das ist vorbei. Denn am 20. Juni (Montag) nimmt die DB „die erste Baustufe in Betrieb“. Doch zuvor ist es bereits mehrfach zu gefährlichen Situationen gekommen.

Glück gehabt!

Wieder einmal stauen sich die Autos fast bis zum Eingang des Einkaufszentrums beziehungsweise über hundert Meter in Richtung Kläranlage. Autos wenden auf der Straße, wählen einen anderen Weg – es wird gehupt. Fußgänger und Radfahrer stehen vor geschlossenen Schranken – ein Zug ist weit und breit nicht in Sicht. Ein Mitarbeiter der Bahn sitzt in einem Zelt, auf Fragen der Wartenden antwortet er nicht – stellt sich taub. Die Wartenden verlieren mit jeder Minute des für sie sinnlosen Wartens mehr die Nerven. Dann wird es einer Radfahrerin, die Richtung Rhein möchte, vielleicht zur Arbeit muss, zu viel. Sie kippt ihr Rad, kriecht unter der Schranke hindurch, ist mit dem Vorderrad schon auf den Schienen – dann ein Warnschrei eines weiteren Wartenden: „Vorsicht! Da vorne kommt die Stadtbahn.“ Kreidebleich schlüpft sie zurück. Das Gesicht versteinert. Die Lippen zusammengepresst. Glück gehabt!

Ende in Sicht

Um einen Bahnübergang zu modernisieren, werden die alten Schranken demontiert, zur Sicherung des Übergangs eine mobile Ersatzschranke aufgestellt. Diese mobile Schranke schließt einer Bahnsprecherin zufolge aufgrund ihrer Technik „jedoch etwas früher und öffnet später gegenüber“ der bisherigen fest installierten Anlage. „Dieser Prozess kann nicht beschleunigt werden.“ Warum dies aber so ist und warum Wartende von den Bahnmitarbeitern vor Ort nicht darauf hingewiesen werden, dass die Schranken jetzt für längere Zeit geschlossen bleiben – wurde von der DB-Sprecherin nicht beantwortet. Stattdessen heißt es seitens der Bahn: „Für die wartenden Bürger:innen und PKW-Fahrer:innen haben wir an den betroffenen Bahnübergängen entsprechende Hinweisschilder aufgestellt.“

Bürgermeister Marcus Schaile geht davon aus, dass die Bahn in ihrem Zeitplan bleibt und Ende des Wochenendes das neue Stellwerk in Germersheim in Betrieb geht. Danach wird die modernisierte Schranke wieder mit den alten, kürzeren Schließ- und Öffnungszeiten funktionieren. Schaile hofft auf Verständnis und bittet Bürger „vor den geschlossenen Schranken zu warten“ und diese nicht zu umfahren.

Arbeiten bis Dezember

Wenn das neue Stellwerk seinen Betrieb aufnimmt, bedeutet das aber nicht das Ende der Arbeiten. „In den zwei Folgebaustufen werden bis Jahresende noch insgesamt 17 Bahnübergänge komplett erneuert“, schreibt die Bahnsprecherin. Ein Großteil der Modernisierung der Bahnübergänge „findet im Zeitraum 25. Juli bis 2. September zwischen Speyer und Germersheim“ statt – also während der rheinland-pfälzischen Sommerferien. Im Bauabschnitt 2 erfolgen dieselben wie im Bauabschnitt 1 für das Stellwerksmodul in Speyer aus. Dort wird ein 72 Quadratmeter großes Gebäude errichtet, in dem die Stellwerkstechnik untergebracht ist. Die Inbetriebnahme ist für September dieses Jahres vorgesehen. Von Herbst (10. Oktober) bis 2. Dezember werden die Bahnübergänge zwischen Wörth und Lauterburg erneuert. Das ist dann der 3. und letzte Bauschritt. Dazu sind Arbeiten am Stellwerksgebäude (72 Quadratmeter) vorgesehen. Diese sollen im 4. Quartal beendet werden. Ab diesem Zeitpunkt steuern die Fahrdienstleiterinnen die modernisierten Strecken aus dem ESTW Germersheim.

Das Projekt Speyer–Germersheim-Wörth-Lauterbourg ist Teil eines Pakets von sieben Vorhaben zur Modernisierung der Stellwerkstechnik. Der Bund hat 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie bereit stellt. Ein Teil des Geldes wird für die Modernisierung der Strecke genutzt.

Wegen der längerer Schließzeiten der Schranken stauen sich Autos teilweise bis zum Eingang des Einkaufszentrums zurück.
Wegen der längerer Schließzeiten der Schranken stauen sich Autos teilweise bis zum Eingang des Einkaufszentrums zurück.
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