Wörth / Lauterbourg RHEINPFALZ Plus Artikel 40 Güterzüge täglich: Bahn leitet Verkehr durch die Südpfalz um

Die Bahnlinie Wörth-Lauterbourg bei Hagenbach. Hier könnten einmal bis zu 60 Güterzüge am Tag durchfahren.
Die Bahnlinie Wörth-Lauterbourg bei Hagenbach. Hier könnten einmal bis zu 60 Güterzüge am Tag durchfahren.

Eisenbahnplaner sehen im Kreis Germersheim eine Ausweichroute für die rechtsrheinische Rheintal-Strecke. Was das bedeuten kann, erfahren die Anwohner im August.

Die Eisenbahn-Planer haben einen möglichen Ausbau der Strecke Wörth-Lauterbourg-Strasbourg weiter fest im Blick. Das geht aus der Antwort auf eine CDU-Bundestagsanfrage vom Februar hervor. Die Folge wäre ein verstärktes Güterzugaufkommen auf der Strecke Germersheim-Wörth. Im Streckennetz zwischen Mannheim/Ludwigshafen und Wörth ist derzeit noch Raum für 60 Güterzüge am Tag.

Ausgangspunkt sind Überlegungen, dass es im Netz Ausweichmöglichkeiten braucht für den Fall, dass die rechtsrheinisch verlaufende Hauptstrecke wegen Defekten oder Unfällen blockiert ist. „Die Strecke Wörth-Lauterbourg-Strasbourg stellt dabei eine mögliche Alternativroute da“, stellt die Bundesregierung fest.

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Was das bedeutet, werden die Anwohner im Sommer erfahren: Vom 9. bis 30. August sperrt die Bahn die Rheintalstrecke zwischen Rastatt und Baden-Baden. Dort verkehren bis zu 200 Güterzüge täglich. Während der Sperrung sollen 40 Güterzüge täglich mit Dieselloks über Wörth-Lauterbourg-Kehl umgeleitet werden, so das Verkehrsministerium Baden-Württemberg auf eine Anfrage aus dem Stuttgarter Landtag.

Unbeantwortet bleibt die Frage, über welche Strecke diese Züge nach Wörth kommen oder wohin sie von dort weiterfahren. Die Antwort liegt aber auf der Hand: Die meisten dieser 40 Züge dürften durch den ganzen Kreis über Germersheim rollen. Die Strecke Wörth-Karlsruhe ist nämlich schon heute weitgehend ausgelastet.

Fast mitten durch den Ort: Ein Güterzug in Rülzheim.
Fast mitten durch den Ort: Ein Güterzug in Rülzheim.

Schweizer Forderung

Explizit gefordert wird der weitere Ausbau – vor allem die Elektrifizierung – der Strecke Wörth-Strasbourg für den Güterverkehr von der Schweiz. Aus ihrer Sicht ist die Strecke ein wichtiger Zubringer zur „Neuen Eisenbahn-Alpentransversale“ NEAT. Deren Kernstück ist der bereits 2016 in Betrieb genommene Gotthard-Basistunnel, mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Die Schweizer wollen mit der NEAT die Zahl der Lastwagen auf 650.000 im Jahr begrenzen. 2021 waren es aber immer noch 860.000. Ein Grund dafür: der vollständige Ausbau der badischen Rheintalstrecke wird erst für 2042 erwartet. Das Nadelöhr könnte beseitigt werden: Ein Ausbau der Strecke Wörth/Strasbourg auf NEAT-Standard (740 Meter lange Züge) ist aus Schweizer Sicht bis 2030 möglich.

Die Züge müssten alle den Bahnhof Wörth passieren.
Die Züge müssten alle den Bahnhof Wörth passieren.

„Baustellenchaos“ beenden

Die Schweizer Bahnwirtschaft fordert in einem Positionspapier den Ausbau zwischen Wörth und Strasbourg auch mit Blick auf den pannenreichen Ausbau der badischen Strecke. Gewünscht wird eine Parallelstrecke, die dem „Baustellenchaos“ ein Ende bereitet. Mit relativ geringen Mitteln lasse sich innerhalb weniger Jahre eine zusätzliche Kapazität von 60 Güterzügen pro Tag realisieren – die würden dann auch durch den Kreis Germersheim fahren. Die linksrheinische Parallelstrecke werde auch benötigt, weil die Deutsche Bahn Generalsanierungen von hochbelasteten Schienenkorridoren plane – wie jetzt im August.

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Verhandlungen laufen bereits

Die Schweizer Regierung hat sich die Forderungen der Bahnwirtschaft zu eigen gemacht und ist auch bereit, einen Teil des Streckenausbaus zu bezahlen. Entsprechende Verhandlungen laufen bereits, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf die CDU-Anfrage hervorgeht. Zuletzt stimmten sich Deutschland, Frankreich und die Schweiz Ende September ab.

Das Ergebnis: „Frankreich und Deutschland sind sich einig, dass die Voraussetzungen für eine Wirtschaftlichkeit des linksrheinischen Ausbaus der Bahnstrecke Wörth-Lauterbourg-Strasbourg für den Schienengüterverkehr derzeit noch geschaffen werden müssen.“ Übersetzt bedeutet das: In der Sache ist man sich einig, jetzt ist noch die Finanzierung zu klären.

Neubau-Trasse verworfen

Aus der Welt scheint dagegen der Neubau einer Güterzugtrasse durch den Kreis Germersheim. Entsprechende Varianten wurden für das Bahnprojekt Rotterdam-Mannheim-Genua geprüft, aber verworfen. Dabei bleibt es wohl. Denn auch die Bundesregierung geht in ihrer Antwort auf die CDU-Anfrage davon aus, dass nur noch acht Varianten im Rennen sind. Sechs davon verlaufen ausschließlich im Badischen.

Zwei Varianten wechseln zwischen Speyer und Germersheim über den Rhein und werden nur gebaut, wenn wegen eines erwarteten hohen Zugaufkommens im Raum Mannheim zwei zusätzliche Gleise gebraucht werden. Ob das Fall ist, entscheidet sich mit der Zugzahlenprognose 2040; sie war für den Jahreswechsel angekündigt und soll jetzt im Sommer vorgelegt werden.

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