Gerolsheim
Bürgerprojekte, Vandalismus und Tempo 30: Was das Dorf bewegt
Das vergangene Jahr ging für die Gerolsheimer unschön zu Ende. Von September bis Dezember wurden unter anderem Verkehrszeichen zerstört, Wände und Schilder besprüht und private Autos beschädigt. Eine regelrechte Serie mutwilliger Zerstörung suchte das Dorf heim. Ortsbürgermeisterin Simone Ulrich (FWG) zufolge datieren die bisher letzten Vorfälle aus dem Dezember, seitdem ist es ruhig geblieben. Und seit die Gemeinde eine Belohnung in Höhe von 500 Euro auf Hinweise, die zum Täter führen, ausgesetzt hat, habe es zumindest keine Aktionen mit der Sprühdose mehr gegeben. Es sollen sich Zeugen bei der Gemeinde gemeldet haben, und im Dorf ist die Rede davon, dass es einen Tatverdächtigen gebe. Allerdings: Die Polizei teilt auf Anfrage mit, die Ermittlungen dauerten an, sie will aus ermittlungstaktischen Gründen keine weiteren Angaben machen. Bis Anfang Dezember hatte die Polizei zwischen 30 und 40 Geschädigte registriert.
Dass das Verteilen von Farbe im Dorf auch sinnvoll sein kann, hat Bürgermeisterin Ulrich jüngst persönlich bewiesen. Sie zählte zu den Freiwilligen, die mithilfe des Bauhofs auf den Straßen Markierungen für Verkehrszeichen angebracht haben. Viel sei aufgrund des Winterwetters noch nicht markiert worden. Sobald sich die Bedingungen bessern, sollen auf die Art alle Straßenmarkierungen im Ort aufgefrischt werden. Die Hauptmotivation dahinter: Das knappe Haushaltsgeld sparen, das sonst einer Firma gegeben werden müsste. Nach ähnlichem Konzept beendet ist das Auffrischen der Räume im Dorfgemeinschaftshaus. Stolz zeigt sich die Bürgermeisterin darüber, dass der Neujahrsempfang am Samstag in „frisch renovierten“ Räumen stattfindet.
Kurzes Luftholen in der Kita-Frage
Ulrich gehört zu den Amtsneulingen, die sich erst einarbeiten mussten. Ihr zufolge war das „nicht schwierig“, denn: „Ich hatte unglaubliche Unterstützung, vor allem durch Erich Weyer.“ Ihr Amtsvorgänger, ebenfalls FWG, stehe ihr bei wichtigen Themen nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite. Etwas unterschätzt habe sie das hohe Terminaufkommen, das auch entsteht, weil sie Mitglied im Rat der Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland ist. Vernetzt sei sie sowohl mit den Bürgermeistern der 21 Ortsgemeinden als auch mit anderen Bürgermeisterinnen in der Kommunalpolitik.
Eines der Probleme vieler Gemeinden ist es, den Platz in ihren Kindertagesstätten den Regeln des Landesgesetzes anzupassen. Eine Zwischenlösung für Gerolsheim stellt der Umbau des katholischen Pfarrheims dar, um kurzfristig mehr Kinder unterbringen zu können. Das wurde im vergangenen Sommer zwar realisiert, aber: „Das verschafft uns nur kurz Luft“, sagt Simone Ulrich. Die Übergangslösung leide ebenfalls Mangel: an Personal- und Funktionsräumen sowie Kinder- und Personaltoiletten. Nun gelte es, eine „Bestandsaufnahme“ zu machen, um herauszufinden, welche Möglichkeiten bleiben. Einen Neubau sieht Ulrich persönlich kritisch, weil damit eine hohe Verschuldung einhergehen würde. In der Gemeinderatssitzung Ende Januar soll darüber abgestimmt werden, zunächst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben.
Tempo 30 auch auf LBM-Straßen?
Unter den Nägeln brennt der Bürgermeisterin das Unterfangen, Tempo 30 auch in der Hauptstraße und der Hintergasse einzuführen. Dafür braucht es die Zustimmung des Landesbetriebs Mobilität Speyer (LBM). Als „nicht zufriedenstellend“ bezeichnet Ulrich das derzeitige Urteil des LBM, dass besagte Straßen nicht die nötigen Kriterien erfüllten. Straße und Bürgersteige seien breit genug und der bisher gemessene Durchfahrtsverkehr sei zu gering. Ein Vorschlag des LBM: Testweise soll für ein Jahr versetztes Parken eingeführt werden. Dies sei die einzige Möglichkeit, den Verkehrsfluss zu steuern. Der Gemeinderat soll darüber Ende des Monats abstimmen.
Ulrich hofft, nach Ende der Testphase nachjustieren zu können. Kehrseite des versetzten Parkens: ein Verlust an Parkplätzen entlang der Straße. Man unterliege hierbei Vorgaben des LBM. Die Bürgermeisterin appelliert an das Verständnis der Bürger, Parkplätze zugunsten der Sicherheit zu opfern.
Viele Ideen dank Dorfmoderation
Dass das Gemeinschaftsgefüge im Dorf funktioniert, macht Ulrich auch daran fest, dass im vergangenen Jahr die Kerwe erstmals offiziell von Bürgern organisiert wurde und nicht mehr von Vereinen. Im März ist deshalb ein Helferfest geplant.
Der Stand beim Projekt Dorfmoderation: Es seien mit den Bürgern Projektgruppen gegründet worden, die nun entscheiden, welche Ideen umgesetzt werden sollen. So gebe es das Projekt „Mittagstisch“. Ab Oktober will diese Gruppe gewährleisten, dass sich Bürger zu bestimmten Zeiten zu einer warmen Mahlzeit zusammenfinden können. Die Projektgruppe „Open Air“ prüft, inwiefern Outdoor-Kino oder -Veranstaltungen möglich sind. Das sind nur zwei von mehreren Beispielen für das, was Ulrich als „tolle Gruppendynamik“ bezeichnet.
Schwammige Prognose für Radweg nach Dirmstein
Impulse setzen, das möchte man auch mit einem Jugendraum, ergänzend zum Angebot der VG. Das ist Ulrich zufolge eine der Ideen, die aus der Dorfmoderation entstanden sind. Das VG-Angebot richte sich an Dritt- und Viertklässler, die Gemeinde wolle aber Jugendliche ansprechen und sie beim Gestalten der Räumlichkeit einbeziehen. Mehr als ein Dutzend Interessierte gebe es bereits. Die Gemeinde suche aktuell geeignete Räume.
Dann gibt es ja noch den Lückenschluss für den Radweg bis nach Dirmstein. Der LBM rechnet im Frühjahr mit dem Abschluss der Entwurfsplanung, wie er auf Anfrage mitteilt. Danach soll es Vorabstimmungen mit den zuständigen Trägern sowie betroffenen Eigentümern geben. Ulrich kann derzeit keine Aussage dazu treffen, wann der Baubeginn erfolgen soll.
Die noch fehlende Anbindung des Radwegs am Ortsausgang in Richtung Heßheim von der Querungshilfe Höhe Spargelhof Müller zum neuen Radweg an der K24 nach Lambsheim geht dafür auf die Zielgerade zu. Baubeginn soll in diesem Jahr sein, Fertigstellung erst 2026.
Termin
Neujahrsempfang der Ortsgemeinde Gerolsheim am Samstag, 25. Januar, 15 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus.