Gerolsheim / Lambsheim
Neuer Radweg endet im Nichts
Groß war die Freude, als der 3,4 Kilometer lange Geh- und Radweg an der K24/K2 zwischen Gerolsheim und Lambsheim im August offiziell fertiggestellt wurde. Auch die Einmündung der K24 in die L520, die von Gerolsheim nach Heßheim führt, wurde umgebaut, damit Radfahrer die Landesstraße sicher überqueren können. Doch der Anschluss an den parallel zur Landstraße gelegenen Wirtschaftsweg im Norden fehlt, die neue Querungshilfe führt ins Nichts.
Klaus Wahl, Anwohner aus Gerolsheim, hat die Kreuzung im Blick und berichtet von Familien mit kleineren Kindern und Fahrradanhänger, die auf der Querungshilfe oder gleich ganz auf der Landstraße gestrandet seien, sodass sich der Verkehr gestaut habe. Auch Fußgänger würden nicht immer die Böschung nach der Querungshilfe hinabsteigen und liefen dann über die Landstraße ins Dorf. „Die Autos brettern hier richtig durch“, erzählt der 66-Jährige, „ich würde mir Vorwürfe machen, wenn da was passiert.“ Deshalb hat sich der Gerolsheimer an den Landesbetrieb Mobilität (LBM) gewandt und auf den Zustand hingewiesen. Seitdem ist der neue Radweg kurz vor der Abbiegung auf die L522 abgesperrt, und auch vor der Querungshilfe wurde eine Bake aufgestellt. Für Wahl ist das keine Lösung. Rad- und Fußgänger würden die Absperrung mangels Alternativen einfach umgehen.
Die Sperrung sei eine „Sofortmaßnahme, um den gefährlichen Zustand zu entschärfen“, schreibt der LBM auf Anfrage. Radfahrer aus Richtung Lambsheim sollen demnach kurz vor der Kreuzung auf die Kreisstraße geführt werden und kreuzen dann die Landstraße, um auf den gegenüberliegen Wirtschaftsweg zu gelangen. Laut LBM gebe es entsprechende Beschilderungen, vor Ort kann die RHEINPFALZ jedoch keinen Hinweis auf eine Umleitung entdecken, nur eines für das Verbot für Fahrzeuge aller Art. Nach Wahls Beobachtung hat sich an der Kreuzung ansonsten seit knapp einem Jahr nichts mehr getan.
Weyer: „Sehe die Gefahr“
„Die Sperrung gefällt uns allen nicht“, sagt Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) auf Anfrage. Er weiß, dass Radfahrer wegen der Sperrung auf die Landstraße ausweichen und dabei erst mal beide Fahrspuren überqueren müssen. „Ich sehe da die Gefahr“, räumt er ein. Ursprünglich sollte die Anbindung nach Gerolsheim laut dem Bürgermeister zeitgleich mit den Bauarbeiten für den Radweg neben der K2/K24 in Richtung Lambsheim erledigt werden – doch Unstimmigkeiten hätten zu Verzögerungen geführt.
Der LBM schreibt auf Anfrage, während der Bauvorbereitung habe die Ortsgemeinde Gerolsheim gewünscht, den Wirtschaftsweg nördlich der L520 anzuheben und auf einem größeren Teilstück zu verbreitern. „Diese Maßnahme hat allerdings nichts mit der ursprünglichen Planung zu tun und liegt in der Zuständigkeit der Gemeinde.“ Deshalb sei vereinbart worden, dass die Anbindung als eigenes Projekt parallel zum Bau des Radweges durch die Gemeinde inklusive einer Rampe von der Querungshilfe auf den Weg vorangetrieben wird. „Leider gab es Verzögerungen bei der Umsetzung des Projektes der Gemeinde“, so der LBM, der nach eigenen Angaben keinen Einfluss darauf hatte und sich derzeit mit der Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland abstimmt. Die VG-Verwaltung wickelt die Maßnahme namens und im Auftrag der Ortsgemeinde ab.
Planung wird optimiert
Da der LBM schon mit dem Radwegebau begonnen hatte, habe das verbleibende Zeitfenster nicht ausgereicht, um die Planung und Förderung des weitergehenden Wirtschaftsweges fertigzustellen, teilt Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, auf Anfrage mit. „Insofern wurde der Bereich auch bei den Arbeiten des LBM ausgeklammert und eine abgestimmte Umsetzung in einem zweiten Bauabschnitt vorgesehen.“ Die Planung werde derzeit optimiert.
Entsprechende Fördermittel dafür sind laut Rüttger möglich, Anträge müssten aber erst dem aktuellen Preisniveau angepasst werden. „Mit Mehrkosten ist wenn nur durch die aktuelle Marktsituation zu rechnen“, schreibt Rüttger, diese seien aber nicht auf die Planung selbst zurückzuführen. Dies werde sich dann auch auf die Höhe der Förderung auswirken. Erneut wurde laut Ortsbürgermeister Weyer ein Büro mit der Planung beauftragt, Ortsgemeinde und LBM sollen sich die Kosten teilen. Offene Punkte sind Weyer zufolge noch die Zufahrt zum Spargelhof Müller, die wie der Weg selbst zunächst angehoben werden muss, damit der Anschluss an die Querung auf der Landstraße funktioniert, und auch in Sachen Entwässerung seien noch Fragen offen.
Baubeginn 2023
Stehen Planung und Förderungsbescheid, müssen die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Bis die Anbindung nach Gerolsheim kommt, kann es also noch dauern. „Ich hoffe, dass alles bis zur Radfahrsaison im nächsten Jahr fertig ist“, sagt der Bürgermeister. Auch LBM und VG rechnen mit einem Baubeginn 2023. Der nördliche Radweg Richtung Gerolsheim kann VG-Chef Rüttger zufolge ebenso wie die Verlängerung als Wirtschaftsweg nach Osten solange genutzt werden, bis der Anschluss über die Querungshilfe an den nördlichen Radweg fertig ist.
