Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Viele Mosaiksteinchen für den Radverkehr

Leuchtturmprojekt für den Radverkehr: die Fahrradstraße in der Park-/Augustastraße.
Leuchtturmprojekt für den Radverkehr: die Fahrradstraße in der Park-/Augustastraße.

Damit das Fahrrad mehr genutzt wird, braucht es eine gute Radinfrastruktur. In Kaiserslautern hat sich einiges getan. Doch die Bürger brauchen auch Zeit, sich umzugewöhnen.

Es ist emissionsfrei, macht keinen Lärm, benötigt wenig Platz, ist kostengünstig für den Nutzer sowie die Erschaffer der Infrastruktur, auf Kurzstrecken meist schneller als das Auto, stärkt den Innenstadthandel, da Radler kaum in großen Einkaufszentren am Stadtrand einkaufen, und hält fit: das Fahrrad.

Doch der Anteil des Radverkehrs in Kaiserslautern ist noch lange nicht dort, wo er laut Planung sein sollte: Bei der letzten Erhebung 2023 lag er bei 9,7 Prozent – im Vergleich dazu: der Kfz-Verkehr machte 44,7 Prozent aus. Im 2018 vom Stadtrat beschlossenen Mobilitätsplan Klima+ 2030 wurden 15 Prozent für das Jahr 2030 als Ziel festgelegt.

Der Klassiker auf Radwegen: Der Streifen für Radfahrer ist von einem Lieferwagen zugeparkt.
Der Klassiker auf Radwegen: Der Streifen für Radfahrer ist von einem Lieferwagen zugeparkt.
Ausführliche Beschilderung der Fahrradstraße in der Park-/Augustastraße.
Ausführliche Beschilderung der Fahrradstraße in der Park-/Augustastraße.
Eisenbahnstraße. Kein Platz für Radfahrer neben den Autos.
Eisenbahnstraße. Kein Platz für Radfahrer neben den Autos.
Der Bordstein von der Barbarossastraße zum Messeplatz ist zu hoch, um im flachen Winkel mit dem Rad raufzufahren.
Der Bordstein von der Barbarossastraße zum Messeplatz ist zu hoch, um im flachen Winkel mit dem Rad raufzufahren.

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Um dieser Marke näher zu kommen, hat die Stadt Kaiserslautern im Jahr 2020 eine Radverkehrsbeauftragte eingestellt. Seit dem 1. August 2020 kümmert sich Julia Bingeser darum, dass das Fahrrad einen höheren Stellenwert bekommt. Und nicht nur vom Schreibtisch aus: Sie kennt die Stadt am besten vom Sattel aus, denn sie selbst hat kein Auto, ihre Familie erledigt alles mit dem Rad oder zu Fuß. Und falls das nicht reicht, greift sie zum Carsharing.

Eines der Leuchtturmprojekte der jüngsten Zeit ist die kürzlich fertiggestellte Fahrradstraße zwischen Volks- und Stadtpark, der zweiten nach jener in der Rütschhofstraße. Auf der 1,2 Kilometer langen Strecke durch die Park- und Augustastraße haben Radfahrer nun Vorrang.

Der Wahl der Strecke ging einige Vorarbeit voraus. In einer Machbarkeitsstudie wurde die Stadt vor fünf Jahren nach geeigneten Straßenzügen abgesucht, „die Park- und Augustastraße erwiesen sich als am geeignetsten“. Der Radanteil war dort am höchsten, und es waren kaum Umbauarbeiten nötig. Die Bismarckstraße vom Messe- bis zum Stiftsplatz sowie die Ziegel-/Alleestraße landeten auf Platz zwei. „Sie könnten als weitere Ost-West-Achse dienen und nochmal genauer untersucht werden.“ In Nord-Süd-Richtung hingegen gab es keinen wirklich geeigneten Straßenzug.

So schnell wird es keine weitere Fahrradstraße geben

Die Voraussetzungen für die Einrichtung einer Fahrradstraße sind einfacher geworden, ergänzt Christian Ruhland, stellvertretender Leiter des Referates Stadtentwicklung. „Früher musste der Radanteil schon vorher überwiegen, heute muss lediglich zu erwarten sein, dass er in der Fahrradstraße überwiegen wird.“

Doch so schnell soll es keine weitere Fahrradstraße in Kaiserslautern geben. „Erstmal wollen wir sehen, wie die Park-/Augustastraße angenommen wird“, meint Bingeser. „Man darf die Menschen nicht überfordern, das muss sich erstmal einspielen.“

Denn viele Autofahrer tun sich vor allem mit den nun abschnittsweise wechselnden Einbahnregelungen schwer. Einige schimpfen pauschal über das Projekt, in den Sozialen Medien stachelten sich Autofahrer zu Tiraden über zu viel Radverkehr an.

Bingeser nimmt solche Reaktionen gelassen: „Auf social media bin ich gar nicht“, geht sie diesen Blasen aus dem Weg. Bei ihr „kamen etliche positive Reaktionen von Radfahrenden“ an, erzählt sie: „Da wurde zum Beispiel berichtet, dass sich Leute jetzt sicherer auf dem Rad fühlen, sich mit Kindern aufs Fahrrad trauen.“ Aber natürlich gab es auch Kritik von Autofahrern. „Ich antworte allen, erkläre viel. Das sorgt bei einigen für Verständnis.“ Und sie setzt hinzu: „Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht.“

Das schließe nicht aus, dass es im Detail Verbesserungen geben kann, gibt sie zu. Vom Volkspark kommend ist das Abbiegen von der Barbarossastraße zum Messeplatz wegen des nicht ausreichend abgesenkten Bordsteins mit dem Rad schwer möglich. „Diesen Hinweis nehmen wir natürlich an und werden nachbessern.“ Da jedoch „eine Absperrung teurer als die Maßnahme selbst sein kann, werden wir dies bei nächster Gelegenheit machen“, kündigt sie an. Voraussichtlich bei der anstehenden Deckensanierung der Barbarossastraße.

Schülerradverkehr in der Fußgängerzone

Damit das Fahrrad mehr genutzt wird, müssen viele kleine Erleichterungen geschaffen werden. Zum Beispiel wurden etliche Einbahnstraßen für Radler in beide Richtungen freigegeben, ebenso wie Teile der Fußgängerzone. Aber mit Bedacht. „Die Pirmasenser Straße ist bis zum Union-Kino für Fahrräder befahrbar. Weiter gäbe es zu viel Konfliktpotenzial.“ Bis zum Ende der Marktstraße dürfen Radler nur außerhalb der Geschäftszeiten fahren, „bis morgens 9 Uhr. So können Schüler noch durch.“

Generell geht es darum, „den Straßenraum anders aufzuteilen“, erläutert Bingeser. Dem Rad mehr Raum zu geben. Das muss nicht immer ausschließlich sein. Mit Schutzstreifen – wie in der Königstraße, Pariser Straße oder Goethestraße – bekommen Radfahrer Platz, ohne dass dem Auto etwas weggenommen wird.

Neu in Lautern: eine gemeinsame Spur für Busse und Fahrräder

Eine andere, in Kaiserslautern bisher noch ungenutzte Maßnahme sind sogenannte Umwelttrassen: eine gemeinsame Spur für Bus und Fahrrad, neben der Autospur. Dies wurde jetzt in der Burgstraße bis zur Stadtmitte erstmals umgesetzt. Weiter ist dies von der Stadtmitte durch die Spittel-, Fischerstraße bis zur Kreuzung Mannheimer-/Donnersbergstraße geplant. „Dafür müssen die Ampeln neu geschaltet werden, Ummarkierungen und Beschilderungen sind nötig“, macht Bingeser klar, dass dies dauert.

Noch Zeit brauchen auch die Pendlerradrouten aus der Stadt heraus, wie die nach Trippstadt, nach Landstuhl und der kürzlich wieder durch eine Klage ins Stocken geratene Bachbahnradweg. Und da sich „das Pfaff-Gelände nicht so schnell entwickelt hat wie gedacht, ist auch die Fahrradachse durch die Albert-Schweitzer-Straße noch nicht umgesetzt“.

In der Trippstadter Straße hat sich entlang der Institute für Radfahrer sichtbar schon einiges getan. „Geplant ist jedoch auf beiden Seiten eine vom Straßenverkehr getrennte Anlage für Radfahrer und Fußgänger“, erläutert Bingeser. Dafür brauche man „Geld und Personal“ – also schlechte Aussichten in Kaiserslautern.

Die Serie

In der Serie „Kaiserslautern bewegt sich“ beschäftigen wir uns mit der Mobilitätswende. Wir beleuchten die aktuelle Verkehrssituation in Kaiserslautern und die gesteckten Ziele, blicken genauer auf die verschiedenen Fortbewegungsarten per Auto, Bus, Fahrrad und zu Fuß, erörtern Alternativen wie Carsharing, nehmen andere Perspektiven ein, und wagen einen Blick in die Zukunft.

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