Kaiserslautern
Kaiserslauterns Fahrradstraße wird Mitte Mai fertig
Was in anderen Städten seit vielen Jahren selbstverständlicher Teil der Infrastruktur ist, steckt in Kaiserslautern noch in den Kinderschuhen: Fahrradstraßen. Die erste Lauterer Fahrradstraße wurde im Mai 2022 im Stadtteil Erzhütten-Wiesenthalerhof in der Rütschhofstraße eingerichtet. Die 1,2 Kilometer lange Strecke sorgte von Beginn an für Kontroversen, vor allem wegen der Berliner Kissen – die den Autoverkehr verlangsamen sollten, aber auch Radfahrern das zügige Passieren der Straße erschwerten. Deshalb wurde Ende 2024 die Hälfte der zwölf Kissen wieder abgebaut.
Für die Innenstadt ist seit 2021 die zweite Fahrradstraße in Planung. Diese Strecke zwischen Volks- und Stadtpark, die durch die Augusta- und Parkstraße führt, steht nun kurz vor dem Abschluss. Im vergangenen Jahr wurde mit der Markierung und Teilen der Umbauten begonnen, eigentlich sollte das Projekt im November beendet sein und der Radverkehr bereits rollen. Doch der Zeitplan verzögerte sich, und so brach der Winter herein, bevor die Arbeiten abgeschlossen werden konnten.
„Wenn wir Markierungsarbeiten im Winter ausführen, gibt es keine Gewährleistung“, erläutert Christoph Schenk, Abteilungsleiter Verkehrswegebau in der Stadtverwaltung. Ab April dürfe die Stadt wieder mit dem Markieren beginnen. „Das ist so in den technischen Vertragsbedingungen geregelt. Wie ja in Deutschland alles geregelt ist …“, schiebt der Fachmann hinterher.
Hauptsächlich sind Markierungen in der Fahrradstraße nötig
Denn alles, was noch fehlt, sind die Fahrbahnmarkierungen auf dem langen Hauptabschnitt der Strecke sowie die Beschilderung. Die Markierungen machen ohnehin den größten Anteil an sichtbaren Veränderungen aus, die baulichen Arbeiten waren vergleichsweise gering. Als letzte Baumaßnahme wurden im März zwei barrierefreie Querungshilfen in der Rudolf-Breitscheid-Straße an der Kreuzung zur Parkstraße gebaut.
„Barrierefrei bedeutet, dass ein Bereich der Querungshilfe für Blinde und Sehbehinderte auf sechs Zentimeter abgesenkt ist. Also so hoch, dass sie den Absatz noch ertasten können“, erklärt Schenk. Daneben liegt der auf null abgesenkte Bereich, damit Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator oder auch Radfahrer ihn leicht passieren können. Diese unterschiedlichen Höhen zur Barrierefreiheit setzt die Stadt mittlerweile bei allen größeren Bauprojekten ein, zum Beispiel bei den Fußgängerüberwegen in der Neuen Stadtmitte.
An der Kreuzung zur Rudolf-Breitscheid-Straße ebenso wie an jener zur Richard-Wagner-Straße und Eisenbahnstraße müssen die Radler auf ihrer Ost-West-Achse jedoch aufpassen. „Überall dort, wo Busverkehr ist, müssen sie warten“, erklärt Julia Bingeser, städtische Radverkehrsexpertin, die Unterbrechung des eigentlichen Prinzips der Fahrradstraße. Das besagt nämlich, dass Radler ungehindert und damit zügig rollen dürfen, weder durch Vorfahrtsstraßen ausgebremst noch durch zugelassenen Autoverkehr auf der Fahrradstraße behindert. Denn auch wenn motorisierter Verkehr in einer Fahrradstraße erlaubt ist – wie in der Park- und Augustastraße geplant –, darf dieser die Radler nicht behindern. Diese dürfen beispielsweise nebeneinander fahren, Autos müssen sich deren Tempo anpassen. Generell gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde.
Vor dem Messeplatz unterbricht der Barbarossaring die Fahrradstraße
Weitere bauliche Anpassungen für die Fahrradstraße wurden am anderen Ende, vor dem Messeplatz, bereits im vergangenen Sommer umgesetzt. Denn dort erfährt die Fahrradstraße eine kurze Unterbrechung: Von der Augustastraße knickt die Strecke auf den nicht als Fahrradstraße ausgewiesenen Barbarossaring ab und führt dann auf der Bismarckstraße wieder als Fahrradstraße weiter. Als Kompromiss wurden auf dem Barbarossaring breitere Schutzstreifen in beide Richtungen ausgewiesen: 1,75 Meter statt der Regelbreite von 1,50 Meter, wie Bingeser ausführt. Zudem wurde ausreichend Abstand zu den schrägparkenden Autos markiert. Auf der Barbarossastraße kurz vor der Bahnunterführung am Messeplatz endet die Fahrradstraße.
Den Bau der Querungshilfen in der Rudolf-Breitscheid-Straße im März samt Sperrung nutzte die Stadt als Gelegenheit für weitere Arbeiten: Direkt im Anschluss wurde die Asphaltdeckschicht der Fahrbahn zwischen der Logenstraße und der Pirmasenser Straße erneuert. Die dazu nötige Vollsperrung wurde Ende vergangener Woche aufgehoben. „Eigentlich wollten wir dann am Montag gleich mit dem Markieren beginnen“, informiert Schenk. Doch wegen des angekündigten Regens hat die Stadt diese Arbeiten laut Schenk auf Dienstag verschoben. „Am Mittwochmorgen oder vielleicht schon Dienstagabend wird die Straße dann wieder freigegeben sein.“
Ab dem 23. April soll markiert und beschildert werden
In der 1,8 Kilometer langen Fahrradstraße geht es dann laut Plan am 23. April weiter. „Die Markierungsarbeiten in der Augustastraße, also dem Abschnitt vom Barbarossaring bis zur Eisenbahnstraße, werden bis Ende April ausgeführt“, listet Schenk auf. Außerdem wird die Beschilderung aufgestellt. Weiter geht es anschließend im restlichen Abschnitt der Parkstraße bis zum Stadtpark. „Mitte Mai soll alles fertig sein“, kündigt er an.
An den Kosten hat sich wegen der Verzögerung nichts geändert, versichert Schenk. Die Maßnahme kostet insgesamt rund 800.000 Euro; gefördert wird sie aus dem Bundesprogramm „Stadt & Land“ mit 90 Prozent, sodass der städtische Anteil nur rund 80.000 Euro beträgt.
Beschlossen wurde die Einrichtung einer innerstädtischen Fahrradstraße bereits im Jahr 2018 mit dem Mobilitätsplan Klima+ 2030. Die ersten Planungen begannen 2021, als eine Machbarkeitsstudie in der Achse Park-/Augustastraße einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent ergeben hatte. Dieser soll sich nun deutlich erhöhen, wenn der Radverkehr in dem Straßenzug Vorrang erhalten hat und der Durchgangs-Autoverkehr verbannt wurde – auch dadurch, dass die Strecke für Autos jeweils nur noch in eine Richtung, abschnittsweise wechselnd, freigegeben ist. So soll sich der motorisierte Verkehr in die Barbarossastraße verlagern.