Kaiserslautern
Studie bestätigt Eignung der Park-/Augustastraße als Fahrradstraße
Während in vielen anderen Städten Fahrradstraßen schon lange Alltag sind, sucht man sie in Kaiserslautern vergebens. Noch. Denn schon 2018 hat der Stadtrat im „Mobilitätsplan Klima+ 2030“ eine Fahrradstraße als Ziel definiert.
Das mit einer Machbarkeitsstudie beauftragte Kölner Planungsbüro Vial – unter anderem auf Radverkehrsplanungen spezialisiert – hat nicht nur den damals bereits ins Auge gefassten Straßenzug Augustastraße/Parkstraße genauer betrachtet, sondern die gesamte Innenstadt untersucht.
Worum es sich bei einer Fahrradstraße überhaupt handelt, machte Peter Gwiasda von Vial in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag deutlich. „Eine Fahrradstraße ist nicht nur Radfahrern vorbehalten“, stellte er klar. Zumindest in der Praxis, denn in der Regel ist die Fahrradstraße auch für anderen Verkehr freigegeben. Es gibt viele unterschiedliche Ausgestaltungen, bestimmend für eine Fahrradstraße ist jedoch die Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30 und dass der Radverkehr gleichberechtigt zu anderen Verkehrsteilnehmern wie Autos ist. „Der Radverkehr muss auch nicht unbedingt überwiegen.“
Bis 1500 Autos täglich sind noch okay
Das sei vor allem vor der Ausweisung oft schlecht möglich. Dennoch orientieren sich die Planer an der aktuellen Nutzung, um die Möglichkeiten für Fahrradstraßen auszuloten. „Eine Frequenz von unter 1500 Autos pro Tag ist eine gute Voraussetzung. Liegt der Kfz-Verkehr zwischen 1500 und 3000, ist er bedingt verträglich für eine Fahrradstraße“, gab Gwiasda eine Einordnung. Bei über 3000 Autos täglich „wird es problematisch“.
Auch die Breite ist eine Kriterium: „Ideal sind fünf bis sechs Meter.“ Liegt sie darunter, werde es für sich begegnende Radler schnell zu eng. Ist die Straße jedoch deutlich breiter, verleite sie Autofahrer leicht zum Schnellfahren. Kollisionen mit Autotüren parkender Fahrzeuge sollten durch „Sicherheitstrennstreifen“ verhindert werden. Die Fahrradstraße selbst kann durch Piktogramme, teilweise oder komplette Einfärbung des Belags gekennzeichnet werden, zum Beispiel rot, blau oder grün; verbindlich ist lediglich das Verkehrsschild „Fahrradstraße“.
Fünf Straßenzüge in engerer Auswahl
Fünf Straßen hatte die Stadtverwaltung laut Gwiasda vorgeschlagen, „worauf wir gemeinsam einen Tag lang mit dem Rad durch die Stadt fuhren“. Daraus ergab sich ein zweiter Vorschlag mit fünf Straßen: die Park-/Augustastraße, Bismarckstraße, Wilhelm-/Albrechtstraße, Ziegel-/Alleestraße sowie Haag- oder Bleichstraße als Alternative zur Pariser Straße.
Die Parkstraße wird zur Hälfte von Radlern genutzt, ergaben anschließende Messungen. „Außerdem ist kaum ein Eingriff nötig“, bewertete er die Eignung als gut. Die Bismarckstraße mit rund zehn mit 15 Prozent Radverkehr sei auch noch geeignet. Die Wilhelm-/Albrechtstraße, in der der Radler-Anteil nur bei sechs Prozent, aber der Kfz-Anteil sehr hoch liege, sortierte Gwiasda jedoch aus. Die Ziegel-/Alleestraße weise einen ähnlichen Radanteil wie die Bismarckstraße auf und kommt ebenso weiter in die Auswahl. Die Haagstraße und Bleichstraße werden zwar sehr stark von Radlern frequentiert; doch trotz der rund 70 Prozent wurden sie von Gwiasda als ungeeignet bezeichnet, „da es schwierige Knotenpunkte gibt“, so dass viel Aufwand für eine Fahrradstraße nötig wäre.
Planung für Parkstraße bis Sommer
Walfried Weber (CDU) vermisste bei den Ausführungen die Einbindung in übergreifende Radwegenetze, „gerade für Pendler, die mit dem Rad in die Stadt kommen“. Gwiasda erwiderte, dass er immer Anknüpfungspunkte gefunden habe, es allerdings nicht um eine übergreifende Netzplanung gegangen sei.
Die drei durch die Studie als geeignet herausgefilterten Straßenzüge werden weiter als Fahrradstraße verfolgt, bestätigt der stellvertretende Leiter des Referats Stadtentwicklung, Christian Ruhland. „Die Planung für die Park-/Augustastraße, also die Gestaltung der Knotenpunkte und Markierungen, wollen wir bis Sommer fertig haben“, die Umsetzung hänge dann noch von der Finanzierung ab.