Pfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalz Touristik: Ist der Austritt von Kaiserslautern noch abzuwenden?

Wieder geöffnet und eine Attraktion: Gartenschau Kaiserslautern.
Wieder geöffnet und eine Attraktion: Gartenschau Kaiserslautern.

Der Tourismus in Rheinland-Pfalz boomt. Das Ahrtal herausgerechnet, haben die Gäste- und Übernachtungszahlen 2023 wieder Vor-Corona-Niveau erreicht. In der Pfalz wird jetzt ein neues Konzept umgesetzt. Von dem aber nicht alle begeistert sind.

Wie so oft, dreht sich alles ums Geld. Der Verein Pfalz Touristik, die zentrale Vermarktungsorganisation mit Sitz in Neustadt, stellt sich neu auf. Sie will professioneller werden, Aufgaben bündeln, die Marke Pfalz optimal verkaufen. Weil der Tourist eben nicht in den Grenzen von Städten, Kreisen und Gemeinden denkt. Dafür braucht sie aber etwas mehr Personal und folglich auch mehr Geld: Der Mitgliedsbeitrag wird bis 2025 in zwei Schritten angehoben, was das Jahresbudget von 750.000 Euro auf 1,4 Millionen Euro erhöht.

Für die Stadt Kaiserslautern bedeutet das ab 2025 insgesamt 48.500 Euro jährlich und damit 18.500 Euro mehr als bisher. Weil sie sich aber bei der Pfalz Touristik ohnehin nicht gut aufgehoben fühlt, will sie gemäß Stadtratsbeschluss Ende 2024 austreten. Darum geht es in einem Gespräch, das Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD) morgen mit dem Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) und Tobias Kauf führt, dem Vorsitzenden und dem Geschäftsführer der Pfalz Touristik.

Aufgaben sinnvoll verteilen

Mit ihrem Appell, dass die Region nur gemeinsam stark ist, stehen die beiden nicht allein da. Bei der jüngsten Pressekonferenz des Landesverbands, der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH, bedauerte es Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP), würde Kaiserslautern austreten. Tourismus in Rheinland-Pfalz sei umso schlagkräftiger, je geeinter die Akteure seien und je sinnvoller die Aufgaben verteilt würden, sagte sie auf RHEINPFALZ-Nachfrage. „Groß und kooperativ denken“, lautete ihre Ansage an alle zehn touristischen Regionen im Land.

Gästemagnet: die Weinfeste.
Gästemagnet: die Weinfeste.

Die Pfalz indes hat traditionell sehr kleinteilige touristische Strukturen. Insofern kam der Vorstoß der Pfalz Touristik nicht von ungefähr. Zwar entspricht er der Tourismusstrategie des Landes, der Bedarf aber wurde von der Mehrheit ihrer Mitglieder schon früher gesehen. Zu den Mitgliedern gehören kreisfreie Städte und Landkreise, ebenso Verbandsgemeinden und Ortsgemeinden und der Bezirksverband Pfalz. Mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald wird zusammengearbeitet. Nicht vertreten sind die Städte Ludwigshafen, Frankenthal und Zweibrücken, die aber – ebenso wie Landau – im Convention Bureau Rheinland-Pfalz mitmachen, einem Netzwerk des Ministeriums, das sich auf die Verbindung von Geschäftsreisen und privatem Aufenthalt davor oder danach spezialisiert hat.

Zwei waren dagegen

Als die Mitgliederversammlung der Pfalz Touristik das neue Konzept beschloss, waren nur zwei Kommunen dagegen: Kaiserslautern und die benachbarte Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Seither regt sich in der Stadt viel Widerstand gegen die weitere Mitgliedschaft. Politik, Hotellerie und Gastronomie sehen keinen Bedarf, wollen lieber auf den Verein Zukunftsregion Westpfalz setzen, das vorhandene Geld lieber direkt investieren. Zumal ohnehin jeder Euro umgedreht werden muss: Da Investitionen in den Tourismus freiwillige Ausgaben sind, müsste das hochverschuldete Kaiserslautern dafür an anderer Stelle sparen, um den gestiegenen Mitgliedsbeitrag aufzubringen. Was der Stadt in die Karten spielt: Wie in ganz Rheinland-Pfalz fiel die touristische Bilanz 2023 gut aus, landesweit wird aufgrund der Vorausbuchungen auch mit einem sehr guten Jahr 2024 gerechnet. Allerdings liegt das in Kaiserslautern vor allem an Geschäftsreisenden, übers Wochenende wäre eine stärkere Auslastung durchaus willkommen.

Der Dürkheimer Landrat Ihlenfeld kennt die liebe Not mit dem Geld. Auch sein Landkreis ist stark verschuldet und gehört zusammen mit der Südlichen Weinstraße zu den größten Beitragszahlern der Pfalz Touristik. Angesichts der hohen Wertschöpfung eines florierenden Tourismus ist er aber davon überzeugt, dass die neue Struktur und damit die Beitragserhöhung Sinn ergibt und man den Mut haben muss, dies in den Gremien zu verteidigen. Bleibe Kaiserslautern bei seiner Entscheidung, würde es die Chance vertun, sich touristisch weiter zu entwickeln und auch Einnahmen zu generieren.

Geld nicht verschwenden

Dass jeder Euro so effektiv wie möglich eingesetzt werden muss und sich die verschiedenen Akteure auf Landes-, Pfalz- und lokaler Ebene deshalb auf das konzentrieren sollten, was sie am besten können, sagt auch Philipp Gruber, Ortsbürgermeister von St. Julian im Kreis Kusel und Referatsleiter Tourismus bei der dortigen Kreisverwaltung. Für einige benachbarte Verbandsgemeinden in den Landkreisen Kusel und Kaiserslautern wird gerade an einem Tourismus-Service-Center gearbeitet. Solche Center sind in der Tourismusstrategie des Landes vorgesehen und sollen als größere Einheiten mehr bewegen können. Daran wird auch in den Landkreisen Südwestpfalz und Germersheim sowie im Leiningerland gearbeitet.

Wald, soweit das Auge reicht: Wandern im Pfälzerwald.
Wald, soweit das Auge reicht: Wandern im Pfälzerwald.

Für den Touristiker Gruber steht fest, dass eine Arbeitsteilung sinnvoll ist: Fürs Marketing stehen Land und Pfalz Touristik, für bestmögliche Angebote die lokalen Akteure vom Tourismusverein bis zur Gastronomie. Dass die Westpfalz bei der Pfalz Touristik sozusagen hinten runterfällt, weil es dem Verein vor allem um die Vorderpfalz ginge, diese Kaiserslauterer Einschätzung kann er aus seiner Erfahrung heraus nicht teilen.

Durchaus Unterschiede

Dass es Unterschiede zwischen Vorder- und Westpfalz gibt, steht hingegen außer Zweifel. „Vorne“ übersteigt die touristische Nachfrage das Angebot, „hinten“ ist es eher umgekehrt. Insofern macht die Tourismusstrategie 2025 der Pfalz Touristik klare Vorgaben, wenn es um die interne Kommunikation geht. In der Vorderpfalz muss den Bedürfnissen der Bevölkerung mehr Rechnung getragen, das Bewusstsein für den persönlichen Nutzen aus dem Tourismus gefördert werden. In der Westpfalz wiederum muss für die touristische Attraktivität der Region geworben und es müssen bessere Grundlagen für den Tourismus geschaffen werden. Die auch immer den Einwohnern selbst nutzen, wie es der Kuseler Touristiker Gruber sagt, und dabei das Radwegenetz im Pfälzer Bergland als Beispiel anführt.

Super für Radfahrer: das Pfälzer Bergland.
Super für Radfahrer: das Pfälzer Bergland.

Wandern, Natur, Radfahren, Kulinarik und Wein sind jene Themen, für die die Pfalz Touristik zielgruppenorientiert und stellvertretend für die ganze Region werben will. Indem diese Themen verbunden werden, sollen auch die Teilregionen der Pfalz besser verknüpft werden. Eine größere Schlagkraft erhofft sie sich dabei von der Pfalzcard, an der sich laut Pfalz Touristik aber noch immer zu wenig Unterkunftsbetriebe, gerade in der Westpfalz, beteiligen. Mit dieser Gästekarte für die Region, die aktuell 133 Freizeitangebote umfasst, „verteilen wir Gästeströme aktiv über die gesamte Pfalz“, so Geschäftsführer Kauf. Denn Gäste akzeptierten bis zu zwei Stunden Fahrzeit, um eine Einrichtung kostenlos zu besuchen. Das gelte vor allem für Gäste von Jugendherbergen, weshalb die Pfalzcard ideal sei, um junge Familien anzusprechen.

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