Kaiserslautern
Pfalz Touristik: „Austritt der Stadt wäre mittelfristig ein Schaden“
Der Stadtrat hat in seiner Sitzung Anfang Februar beschlossen, die Mitgliedschaft in der Pfalz Touristik zum 31. Dezember zu kündigen. Oberbürgermeisterin Beate Kimmel hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die Mitgliedsbeiträge künftig deutlich ansteigen werden. Die Stadt bezahlt bislang jährlich etwa 29.400 Euro an die Pfalz Touristik. Für dieses Jahr erhöht sich der Beitrag auf circa 40.300 Euro, ab 2025 müsste die Stadt 48.500 Euro jährlich bezahlen. Das touristische Angebot in einer Großstadt unterscheide sich stark vom Urlaubstourismus in der Vorderpfalz, bei dem Themen wie Wandern und Wein im Vordergrund stünden, hatte Kimmel betont. Laut Stadt hat die Pfalz Touristik bislang „die Besonderheiten der großen Städte nur in geringem Maße berücksichtigt“. Auch die neue Tourismusstrategie 2025+ decke Themen wie den Tagungstourismus, die Zielgruppe Amerikaner oder das Kulturangebot einer Großstadt nicht ab.
Auf RHEINPFALZ-Nachfrage erklärt die Stadt: „Die weitere Mitgliedschaft ist mit stark erhöhten Beiträgen verbunden, deren Finanzierung sich aufgrund der Haushaltsituation sehr schwierig darstellt.“ Aufgrund des freiwilligen Charakters seien höhere Beiträge für das Tourismusmarketing nur durch Einsparungen in anderen Bereichen möglich. Die Stadt will daher mit den vorhandenen Ressourcen auf die Bedürfnisse der ansässigen Betriebe reagieren und die Marketingmaßnahmen darauf abstimmen. Die Hoteliers wünschen sich vor allem eine stärkere Auslastung an den Wochenenden und dafür mehr Werbemaßnahmen, die das Angebot in der Stadt herausstellen.
Dehoga-Kreisvorsitzender: „Wir waren eingebunden“
Alf Schulz, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), teilt diese Auffassung. Der Seniorchef des Bremerhofs sagt: „Natürlich wären wir gerne bei der Dachmarke dabei, aber nicht zu diesem Preis.“ Kaiserslautern habe wenig bis gar nichts mit dem Tourismus an der Weinstraße zu tun. Unter anderem durch den hohen Anteil an Amerikanern unter den Übernachtungsgästen handele es sich hauptsächlich um berufsbedingte Übernachtungen. Hinzu kommen Gastreferenten und Fernstudierende der Universität oder Monteure. Als Tagestouristen in der Hotellerie würden vor allem Besucher der FCK-Spiele in den Betrieben gezählt. „Das sind meist die Fans der Gastmannschaft und auch nur, wenn der FCK am Wochenende spielt“, erklärt Schulz. „Wir können viele Dinge langfristig gar nicht planen. Wir müssen aufgrund der Struktur unserer Gäste, anders reagieren. Wir sind nicht der Urlaubs-Hotspot wie in der Vorderpfalz“, wo die Gäste ihre Reise Monate im Voraus planten. Dennoch: „Kaiserslautern ist attraktiv, hat viel zu bieten“, sagt er mit Blick auf die Gartenschau, das Pfalztheater, Museen, die Kammgarn oder den Zweitliga-Fußball. Flexibilität sei gefragt, um bestehende Kapazitäten „vorwiegend am Wochenende und wenn der FCK nicht spielt“ besser auslasten zu können.
Im Vorfeld der Stadtratsentscheidung habe es zwischen Vertretern von Hotellerie und Gaststättengewerbe und der OB Gespräche gegeben. Hätte man den Betrag, den die Stadt jetzt an die Pfalz Touristik zahlt, zur Verfügung „wären wir in der Lage viele Aktionen zu machen, die speziell auf Kaiserslautern zugeschnitten sind“, sagt Schulz. Es gebe in Kaiserslautern und der Region jede Menge guter Angebote, die sich touristisch vermarkten und bewerben ließen. Kampagnen wie „Zu Gast in der eigenen Stadt“ seien vielversprechende Ansätze gewesen, so Schulz.
Bedauern über Austritt bei der Pfalz Touristik
Wie die Stadt erklärt, hat es seit Kimmels Amtsantritt mehrfach Gespräche mit Hoteliers und der Zukunftsregion Westpfalz (ZRW) gegeben, die fortgeführt werden sollen. „Wir wollen außerdem eine noch stärkere Zusammenarbeit mit dem Landkreis“, erklärt Schulz. Das fange bei Dingen wie einem gemeinsamen Hotelverzeichnis an. Mit der ZRW, der Wirtschaftsförderung, dem Citymanagement und der Tourist Information seien starke Partner vor Ort, um den „Tourismus in Kaiserslautern zu einem schönen Pflänzchen wachsen zu lassen“. Erste konkrete Ideen gäbe es bereits: „Die ZRW will demnächst ein Seminar machen für die Klein-Hoteliers“, sagt Schulz. Sie sollen über bestehende Angebote informiert werden, sodass die Mitarbeiter ihren Gästen Tipps für Unternehmungen geben können.
Tobias Kauf, Geschäftsführer der Pfalz Touristik, war vom Stadtratsbeschluss einigermaßen überrascht. „Bei Pfalz Touristik bedauert man, das Vorhaben zum Austritt diskutiert zu haben, ohne die Ergebnisse aus dem Gespräch abzuwarten“, teilt der Verein in einer Pressemitteilung mit. Kauf erläutert in einem Telefonat: „Wir hatten das Thema Tourismusförderung und -strategie in der Vergangenheit mit Oberbürgermeister Klaus Weichel erörtert. Wir hatten nach dem Amtswechsel noch keine Gelegenheit mit der neuen OB zu sprechen.“ Ein für Ende Januar geplantes Gespräch musste er aufgrund von Krankheit kurzfristig absagen. Der Verein ist sich sicher: „Die Leistungen der Pfalz Touristik gehen weit über die zitierte Bewerbung von Wald und Wein hinaus. Unsere Aufgabe ist die qualitative Entwicklung der Gesamtregion und der Marke Pfalz. Dafür setzen wir entsprechende Impulse und bieten jede Menge Leistungen und Werkzeuge, die man vor Ort nutzbar machen kann.“ Dabei gehe es um die zielgruppenspezifische Bewerbung touristischer Attraktionen und Veranstaltungen unter anderem über soziale Medien und Portale. Außerdem habe die Pfalz Touristik eine große Reichweite, wenn es um „das Marketing für die Pfalz und Orte der Pfalz auf dem Quellmarkt für Übernachtungsgäste“ gehe. Potenzielle Kunden würden so gezielt auf die Marke Pfalz aufmerksam, erläutert Kauf.
Kommt im März noch einmal Bewegung in die Sache?
„Im nationalen und internationalen Wettbewerb hat nur die Marke Pfalz die Chance, eine entsprechende Wahrnehmung zu erzeugen und langfristig den Tourismusstandort zu sichern“, heißt es von der Pfalz Touristik. Bei einem Austritt der Stadt müssten alle Werbemaßnahmen für sie eingestellt werden, eine Berücksichtigung in Infrastruktur-Projekten wäre ebenfalls nicht mehr möglich. „Mittelfristig würde sich daraus ein Schaden für die Stadt und die Betriebe ergeben“, teilt die Pfalz Touristik mit.
Trotz des Stadtratsbeschlusses ist für Ende März ein Gespräch zwischen Stadt und Pfalz Touristik geplant, berichtet Kauf. „Wir hoffen, dass wir Frau Kimmel dann zeigen können, was wir mit unseren Leistungen für einen Mehrwert bieten und dass wir gemeinsam ein Konzept entwickeln können, um die touristische Attraktivität der Stadt zu erhöhen“, sagt er. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen: „Sonst würde es kein Gespräch mehr geben.“