Kaiserslautern
Pfaff-Gelände: Gastronomie, neue Wohnungen und ein Medizin-Campus
„Die Investoren stehen nicht Schlange, aber wir haben viele Interessenten, vor allem aus der Region.“ Rainer Grüner, der langjährige Chef der Stadtentwässerung und Geschäftsführer der WVE, ist sehr zufrieden mit der Entwicklung auf dem 19 Hektar großen Gelände, auf dem früher Nähmaschinen für den Weltmarkt produziert wurden. „Das Vertrauen, dass hier ein außergewöhnliches Quartier entsteht, ist zurück. Private Investoren haben mittlerweile 100 Millionen Euro investiert.“ Grüner hatte vor drei Jahren auf dem Pfaff-Gelände die Regie übernommen, leitet seitdem die Pfaff-Areal-Entwicklungsgesellschaft (PEG), drückt aufs Tempo. „Manchmal muss es, wie bei der Erschließung der Lina-Pfaff-Achse, im Hauruckverfahren gehen, da haben wir alle Vorschriften über Bord geworfen, um schnell die Versorgungsleitungen in den Boden zu kriegen“, sagt er.
Ausdrücklich weist er die Vermutung zurück, den Vorstoß der Grünen im Stadtrat, wonach mehr Platz für Wohnen geschaffen werden soll, lanciert zu haben. „Das war nicht so“, sagt er. Aber es sei korrekt, dass es für Gewerbeimmobilien, vor allem für Büros, so gut wie keine Nachfrage mehr gibt. „Wir wollen den angestrebten Mix unbedingt beibehalten, aber wir brauchen ein anderes Verhältnis, 50 Prozent Wohnen, 50 Prozent Büros, Dienstleister, Forschung.“ Vom Bebauungsplan will er die Finger lassen. „Wir würden viel zu viel Zeit verlieren.“ Eventuell erlaube der neue Bau-Turbo der Bundesregierung, von den bisherigen Zielen abweichen zu dürfen.
Grüner träumt von einem Pfaffmuseum im Kesselhaus
Was sich abzeichnet: Ab 2026 werden mehr und mehr Bagger rollen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Bau AG beginnt mit dem Bau eines Nils-Projektes für generationenübergreifendes Wohnen mit Nachbarschaftshilfe und einer Kita, für das Baufeld mit der Pfaff-Kantine in Richtung Ärztehaus, wo ein Fünfgeschosser vorgesehen ist, gibt es laut Grüner mehrere Kaufinteressenten. Eine Entscheidung fällt im Februar. Ein potenzieller Investor ist zudem für das Kesselhaus mit dem markanten Schornstein gefunden. „Auf dem angrenzenden Grundstück soll eine Art Servicewohnen kommen, das Kesselhaus wird wieder aufgebaut. Unten soll Gastronomie rein plus ein Veranstaltungsraum, oben träume ich davon, dass eine Art Pfaffmuseum entsteht, mit den Exponaten, die im Wadgasserhof gezeigt werden.“ Den Platz davor überplant Grüner mit dem eigenen, mittlerweile neunköpfigen Team der PEG, mit Unterstützung der Universität. „Wir haben eine gute Mannschaft. Auf dem zentralen Platz wird es Außenbestuhlung geben, Wasserflächen, Bäume.“
Medizinstudenten und Pflegeschüler
Grüner hat klare Vorstellungen, will Qualität, Atmosphäre, Urbanität. „An der Königstraße hatten wir eine Anfrage für ein Seniorenheim, die haben wir abgelehnt.“ In Richtung Hauptzufahrt an der Königstraße wünscht er sich etwas Innovatives, vielleicht Start-ups, Ausgründungen aus der Universität. „Da fehlt mir gerade etwas der Draht zur Gründerszene, im Grunde sind wir da auf Unterstützung des Wirtschaftsministeriums in Mainz angewiesen.“
Hilfe erhofft sich der PEG-Chef vom Land Rheinland-Pfalz auch bei dem Unterfangen, zusammen mit der privaten Semmelweis-Universität und dem Westpfalz-Klinikum einen Medizincampus anzusiedeln. Dort könnten künftig angehende Ärzte ebenso ausgebildet werden wie Pflegeschüler. „Die Kaiserslauterer Forschungsinstitute wollen sich hier einbringen, das ist ein wichtiges Projekt. Das könnte wegweisend sein und würde viele junge Menschen auf das Gelände bringen.“
32 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten
Was nicht einfach ist: „Die Städtebaufördermittel, also der Zuschuss, den wir vom Land erhalten haben, in Summe 32 Millionen Euro, die sind aufgebraucht. Deshalb müssen wir schnell Grundstücke veräußern und Erlöse erzielen, um voranzukommen.“ Grüner rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren auf dem Pfaffgelände rund 100 Millionen Euro investiert werden.
Die Erschließung ist weitgehend abgeschlossen. „Auf die Straßen müssen die Schlussdecken aufgebracht werden, die Hauptzufahrt von der Pfaffstraße aus wird noch ausgebaut.“ Was Grüner wichtig ist: „Mit dem Vermarktungsbeirat, dem der Kaiserslauterer Hochschullehrer Rolo Fütterer vorsteht, haben wir ein hochkarätiges Beratungsgremium.“ Jedes Investorenangebot werde in diesem Kreis einer intensiven Beurteilung unterzogen, um die effektivste und beste Lösung für das Areal und die Stadt zu finden. Das geschieht in Mammutsitzungen. Und das letzte Wort hat am Ende der Stadtrat, der im Dezember über die nächsten Vorhaben abstimmen soll, in nicht-öffentlicher Sitzung.
Die alten Sandsteinfassaden sollen stehen bleiben
Durchgesetzt hat sich die Einsicht, dass Abriss oft teurer ist als der Erhalt, der zudem Identität spendet. Fast jeder Kaiserslauterer hatte Verbindungen zu Pfaff, jedes Gebäude, das stehen bleibt hilft, die Erinnerungen wach zu halten. Deshalb wird, anders als geplant, der alte Kohlenbunker im Norden nicht platt gemacht, die angrenzende Halle hinter dem alten Verwaltungsgebäude ist ebenfalls gerettet. „Auch dafür haben wir Interessenten, unten soll Gewerbe rein, oben Wohnen, das ist top“, sagt Grüner. Stehen bleiben sogar die alten Sandsteinfassaden der früheren Pfaff-Werkstätten entlang der Albert-Schweitzer-Straße.
Und was ist in Vorbereitung? Vieles läuft parallel, so Grüner. Wichtig sei, ab Februar die große Neubaufläche – „ein Filetstück“ – im Herzen des neuen Quartiers, anzubieten. Für den alten Hansa-Bau, kleiner Seeberger genannt, wird ein Käufer gesucht. Die Baufläche ist schon ausgehoben, Fernwärmeanschluss, Strom, Wasser, alles ist da. Entstehen sollen Wohnungen, idealerweise in Verbindung mit Gewerbeeinheiten. Bislang ist der Plan, dass insgesamt 650 Wohnungen auf dem Areal, das zur Sandsteinkante hin ein Park abschließt, gebaut werden.
„Wir brauchen Bushaltestellen mitten im Quartier“
Mit Blick auf die weitere Vermarktung ist Grüner froh, dass er auf das ein oder andere architektonische Schmuckstück verweisen kann. „Das Ärztehaus im ehemaligen Pfaff-Verwaltungsgebäude, das Parkhaus ganz aus Holz und die Sanierung des neuen Kesselhauses und des Gebäudes mit dem Pfaff-Schriftzug – das sind absolute Vorzeigeprojekte. Die helfen uns.“ Eine Baustelle, das gibt er zu, sei nach wie vor die ÖPNV-Anbindung. „Der Bahnhaltepunkt soll im kommenden Jahr endlich ausgebaut werden. Und an die Busanbindung, da müssen wir ran. Wir brauchen Haltestellen mitten im Quartier“, fordert Grüner.