Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Parken zu teuer, Mieten zu hoch“: Darunter leiden Kaiserslauterer Einzelhändler

Bei Pallmann läuft der Ausverkauf. Das Geschäft in der Marktstraße in Kaiserslautern schließt nach 115 Jahren.
Bei Pallmann läuft der Ausverkauf. Das Geschäft in der Marktstraße in Kaiserslautern schließt nach 115 Jahren.

Der Schock sitzt noch tief: Mit dem Traditionsgeschäft Pallmann verabschiedet sich ein Kundenmagnet aus der Fußgängerzone in Kaiserslautern. Stirbt die Innenstadt?

Das Aus des überregional bekannten Geschäfts für Haushaltswaren und Porzellan in der Kaiserslauterer Marktstraße ist ein herber Verlust für die Innenstadt. Eingesetzt hat eine Diskussion über die Zukunft der City. „Die Schließung von Pallmann muss ein Weckruf sein“, sagt Andreas Streb. Er führt in dritter Generation ein Modegeschäft in der Rummelstraße und erwartet von der Stadtoberen mehr Engagement. Bislang fühlt er sich ziemlich allein gelassen.

Wünschen sich mehr Unterstützung von der Stadtverwaltung: von links Andreas Streb, Kalli Marx, Thomas Scherer und Nadja Müller.
Wünschen sich mehr Unterstützung von der Stadtverwaltung: von links Andreas Streb, Kalli Marx, Thomas Scherer und Nadja Müller.

Kalli Marx geht es genauso. Er ist seit 25 Jahren selbstständig, betreibt mit Ehefrau Eva die Boutiquen Vero Moda und Brothers of Denim. Marx wünscht sich, dass die Innenstadt sicherer wird. „Ständig steht der Notarzt vor der Mall, fast täglich gibt es einen Polizeieinsatz in der Fußgängerzone“, klagt er. Organisierte Bettlerbanden schreckten Kunden ab. Warum unternimmt dagegen niemand etwas, fragt er. „Vor allem gegen Abend bummeln einige Kunden nicht mehr so gerne durch die Stadt.“ Hier sei die Politik gefordert.

Parkticket für eine Stunde kostet zwei Euro

Einig sind sich die Vertreter des Einzelhandels, dass Kaiserslautern als Einkaufsstadt nach wie vor Potenzial hat, dank einer Vielzahl an inhabergeführten Geschäften, schönen Cafés, der kurzen Wege. „Wir sind nicht verloren“, sagt Nadja Müller, seit 15 Jahren Inhaberin von Tee Gschwendner in der Riesenstraße. Doch aus dem Rathaus gibt es aus ihrer Sicht zu wenig Unterstützung. Sie hält das Parken für zu teuer. Zwei Euro müssen die Leute berappen, wenn sie ihr Auto zwischen 8 und 19 Uhr am Straßenrand in der City eine Stunde lang abstellen. Etliche Stellplätze seien weggefallen, in der Maxstraße, am Benzinoring, in der Rummelstraße, unterhalb des Rathauses. Das missfalle der Kundschaft. Das Problem ist laut Streb, dass die Nutzung des ÖPNV keine Alternative ist. „Wir haben einen großen ländlichen Einzugsbereich, aber gerade für die Kunden, die von außerhalb kommen, ist die Anbindung viel zu schlecht. Mit Bus oder Bahn ist das zu umständlich.“ Und dann die vielen Baustellen.

An verkausfoffenen Sonntagen stimmt die Frequenz noch.
An verkausfoffenen Sonntagen stimmt die Frequenz noch.

„Die Bauarbeiten müssten deutlich schneller gehen, die Erreichbarkeit ist ein Problem. Wir haben zu viele Staus, die Leute wissen gar nicht mehr, wie sie fahren sollen“, so Marx. Streb vermisst die Kommunikation. „Andere Städte machen das besser, die erklären mehr, warum wo gebaut wird, wie lange es dauert und wo die Ausweichstrecken sind.“

Müller, Marx und Streb haben sich zur Interessengruppe Handel zusammengeschlossen. Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südwest, ist beim Gespräch mit der RHEINPFALZ mit am Tisch. Alle vier wünschen sich, dass die Stadt mehr Anreize schafft, um die Innenstadt in ein besseres Licht zu rücken. „Weil Kaiserslautern es verdient hat“, wie Müller sagt. „Die Leute müssen wieder Lust bekommen, in die Stadt zu fahren. Weil sie liebenswert ist.“ Das Citymanagement mache zwar viele Veranstaltungen, die die Stadt bekannter machen und Publikum anziehen, sagt Scherer. „Davon profitiert die Gastronomie, aber nicht der Handel. Wir bräuchten andere Formate.“

Ansprechpartner im Rathaus auf Wunschliste

Ein Ansatz könnte laut Marx freies Parken an Samstagen sein. Offerten wie eine halbe Stunde kostenloses Parken an bestimmten Tagen in der Woche wären sicher hilfreich, meint Streb, der zudem mehr Kurzzeitparkplätze gut finden würde, etwa am Raiffeisenplatz. „Die Stadt muss verstehen, dass sie jede Menge Gewerbesteuer verliert und Arbeitsplätze, wenn mehr und mehr Läden schließen“, gibt Marx zu bedenken. Alle wären froh, wenn sie ab und an bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung Gehör finden würden.

Veranstaltungen wie die „Lautern Classics“ ziehen Leute in die Stadt.
Veranstaltungen wie die »Lautern Classics« ziehen Leute in die Stadt.

Gibt es denn keinen Kümmerer bei der Stadtverwaltung, einen Ansprechpartner, jemand, der Akquise betreibt, wenn beispielsweise Nachfolger gesucht werden? „Nicht wirklich“, antworten die Geschäftsleute, die sich generell von Politik und Stadtvorstand nicht wertgeschätzt fühlen.

Sitzgelegenheiten und Grün fehlen

Einig ist sich das Quartett, dass die Stadt mehr für die Aufenthaltsqualität tun muss. „Wir brauchen viel mehr Grün“, sagt Müller. „Kinder finden in der Stadt nicht statt. Für sie gibt es nichts.“ Schaukelpferdchen und Wipptiere seien abgebaut worden. Sitzgelegenheiten fehlten. „Da wurde zwar lange drüber diskutiert“, erinnert sich Streb. Passiert sei nichts. Wobei die Bänke aus Stahl, die Aco-Guss der Stadt schenken will, die Ladenbesitzer nicht überzeugen. „Sie sehen gut aus. Aber im Sommer dürfte es darauf zu heiß werden, im Winter zu kalt. Modelle aus Holz wären besser“, findet Scherer. Er übt Selbstkritik. „Wir sollten als Händler näher zusammenrücken, öfter Ideen austauschen.“

Mieten von über 40 Euro pro Quadratmeter in 1A-Lagen

Gefordert seien auch die Immobilienbesitzer. Viele von ihnen sitzen nach Angaben der Einzelhändler auf einem zu hohen Ross. Sie berichten von Mieten in Höhe von über 40 Euro pro Quadratmeter in 1A-Lagen, „zu hoch, wie in Frankfurt, das ist verrückt“. Das sei nicht mehr zu erwirtschaften, argumentiert Marx.

Bis der Kommunale Vollzugsdienst mit zusätzlichem Personal Präsenz in der Kaiserslauterer Innenstadt zeigen kann, wird es noch d
Bis der Kommunale Vollzugsdienst mit zusätzlichem Personal Präsenz in der Kaiserslauterer Innenstadt zeigen kann, wird es noch dauern.

Wobei der Verbandschef, der viel im Land unterwegs ist, die Auffassung vertritt, dass sich die Leerstände noch in Grenzen halten, der Branchenmix noch einigermaßen stimmt, trotz einiger Ladenschließungen. Es gibt jedoch Sortimente, die fehlen. Schuhe zum Beispiel und Elektrowaren. Hier ließe sich mit Pop-up-Stores, also Läden auf Zeit, ansetzen, so Scherer. Da müsste sich die Stadt kümmern und dafür sorgen, dass es vom Land Fördermittel gibt, damit Jungunternehmer ein neues Konzept ausprobieren können. „Leere Läden mit Kunstausstellungen zu füllen, das bringt gar nichts“, sagt er.

„Hass der Politik auf die Autofahrer“

Einig sind sich die Geschäftsleute, dass das Outlet in Zweibrücken dem Standort geschadet hat. Ebenso wie das Gewerbegebiet West. „An beiden Standorten können die Leute umsonst parken“, so Marx. Beim Outlet komme noch die Ungerechtigkeit mit den vielen Sonntagsöffnungen hinzu.

Streb erwartet, dass die Kommunikation zwischen Politik und Handel verstärkt wird. „Wir wollen gehört werden.“ Generell müsse die Stadt mehr Mut wagen, Neues ausprobieren, sagt der Geschäftsmann. Müller hofft generell auf Impulse aus der Verwaltung, frische Ideen, die die Stadt voranbringen. Marx hört zu oft von den Stadtoberen, was nicht geht. „Ein Beispiel ist das Viadukt in der Trippstadter Straße, das in Richtung Innenstadt nicht befahrbar ist. Das versteht kein Mensch.“ Generell begreift er nicht, wo „der Hass der Politik auf die Autofahrer herkommt“.

Streb ist überzeugt: „In Kaiserslautern gibt es noch ausreichend Vielfalt und Potenzial für neue Geschäfte. Zumal wir einen Versorgungsauftrag haben zwischen Saarbrücken und Mannheim.“ Scherer stimmt zu. „Leerstände werden noch recht schnell gefüllt.“ Zuletzt allerdings öfter mit Nagelstudios und Barbershops.

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