Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Das Viertel ist am Sterben“: Weiterer Laden schließt

Mit Jack Wolfskin schließt Ende April ein weiteres Geschäft in der Marktstraße.
Mit Jack Wolfskin schließt Ende April ein weiteres Geschäft in der Marktstraße.

Es ist einen knappen Monat her, da verkündete Matthias Pallmann das Aus seines Traditionsgeschäfts. Nun zieht sich der nächste Ladenbesitzer aus der Marktstraße zurück.

Ende Mai gehen bei Pallmann in der Marktstraße nach 115 Jahren die Lichter aus. Bereits einen Monat zuvor wird auch Dieter Klan die Türen seines Geschäfts wenige Meter weiter zum allerletzten Mal zuschließen. Nach 21 Jahren ist dann Schluss im Jack-Wolfskin-Laden. Für den 63-Jährigen eine Entscheidung, die ihm schwer gefallen ist, erzählt er. „Ich hätte gerne noch zehn Jahre länger gemacht“, denn der Verkauf von Outdoor-Jacken, Wanderschuhen oder Hosen sei – er selbst ist Kletterer – seine Passion gewesen. Doch die Umsätze seien seit Jahren stetig bergab gegangen, es lohne sich einfach nicht mehr, sagt der 63-jährige Dahner.

Zwei Festangestellte hat er noch, dazu einige studentische Aushilfen. Für seine Mitarbeiter tue es ihm leid, denn sie lebten wie er für die Beratung der Kunden. „Die Stadt ist einfach unattraktiver geworden“, sagt Klan. In Kaiserslautern habe sich vieles zum Negativen verändert. „Früher hatten wir Konkurrenz, das war gut“, erzählt Klan. Mit dem Rucksack, Vaude und Intersport habe es in Kaiserslautern zahlreiche Geschäfte für Sport- und Outdoor-Bekleidung gegeben. „Die Leute hatten Auswahl. Seit das K in Lautern gekommen ist, hat sich vieles verschlechtert. Die Mall war eine Katastrophe für die Stadt“, sagt er. Denn auch dort herrsche großer Leerstand: „Wegen der Mall fahren nicht viele nach Lautern zum Einkaufen“, meint er. Das sei früher anders gewesen. Da habe die Stadt Menschen aus der Region zum Einkaufen angezogen. Das sehe er auch an Freunden und Bekannten, die früher aus der Südwestpfalz zum Shoppen in die Barbarossastadt gefahren seien, „die kommen schon seit Jahren nicht mehr hier her“.

Die Gründe für die endgültige Geschäftsaufgabe seien aber vielschichtig. „Wir haben außerdem die Konkurrenz durch das Outlet. Dort kann man kostenlos parken. In Lautern ist das Parken teuer und viele Leute kamen von außerhalb mit dem Auto in die Stadt.“ Auch die Verbraucherstimmung sei nicht gut, die Kaufkraft in Kaiserslautern „stark gesunken“. Dazu komme, dass immer mehr Menschen dem Onlinehandel den Vorzug gäben.

Klan sorgt sich um den Standort, den er ins Herz geschlossen hat. „Das ganze Viertel ist am Sterben“, sieht er eine Entwicklung, die ihn traurig stimmt. „Pallmann war eine Institution, die Leute sind von dort oft auch zu uns gekommen“, seien sie beide als wenige noch verbliebene Läden in diesem Teil der Marktstraße erst einmal weg, „befürchte ich, dass es dann vielleicht nur noch ein kleines Kneipenviertel sein wird“.

Seine Kunden wird er vermissen. „Der Laden in Kaiserslautern war immer mein Lieblingsladen. Die Menschen hier sind die nettesten, sie sind offen, sagen klar, wenn etwas nicht passt, aber damit kann man gut umgehen“, berichtet er. Auch in Saarbrücken, Neunkirchen, in Ludwigshafen und Saarlouis führte er als Franchisenehmer Jack-Wolfskin-Geschäfte. Sie alle hat er bereits abgegeben oder geschlossen.

Den Negativtrend habe er letztlich nicht mehr stoppen können. „Im vergangenen Jahr haben wir rote Zahlen geschrieben“, sagt er. Gerne hätte er, so sagt er, den Laden an seine Mitarbeiterin abgegeben: „Aber wenn ich Verluste mache, kann ich das nicht tun.“

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