Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Aus nach 115 Jahren: Pallmann in der Kaiserslauterer City schließt

Porzellan, Haushaltswaren und Geschenke auf 800 Quadratmetern. Matthias Pallmann steht seit fast 40 Jahren täglich im Geschäft.
Porzellan, Haushaltswaren und Geschenke auf 800 Quadratmetern. Matthias Pallmann steht seit fast 40 Jahren täglich im Geschäft. Jetzt hört er auf.

Geschirr, Haushaltswaren, Geschenke: Pallmann ist eine Institution in der Innenstadt von Kaiserslautern, ein Flaggschiff in der Fußgängerzone. Im Mai gehen die Lichter aus.

Schluss, aus, vorbei. 40 Jahre lang stand Matthias Pallmann in der Marktstraße mit Blick auf die Stiftskirche in seinem Geschäft, hat edles Porzellan und Gläser verkauft, aber auch Haushaltswaren für den kleinen Geldbeutel, Geschenkartikel. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Kunden, kannte manch ein Geheimnis, Service und Beratung waren ihm wichtig. In der Pandemie hat er den Lauterern die Waren nach Hause gebracht. Am Montag musste er seinen 13 Mitarbeitern verkünden, dass Ende Mai Schluss ist.

Kollegen aus der Branche haben schon aufgegeben

„Davor hatte ich am meisten Angst, für mein Personal und die Kundschaft tut es mir leid, wir waren immer wie eine Familie.“ Einige Angestellte sind über 35 Jahre dabei. Sie wolle er bei der Suche nach einem neuen Job intensiv unterstützen, kündigt der Einzelhändler an.

Pallmann wirkt ruhig, während er über die anstehende Veränderung spricht, die größte in seinem Leben. „Das ist die schwerste Entscheidung, die ich bislang treffen musste.“ Doch alles sei gut überlegt und vorbereitet. Wirtschaftliche Gründe sind es nicht, die ihn zu dem Schritt bewogen haben. „Uns geht es immer noch gut, die Umsätze stimmen noch, wobei wir merken, dass die Leute ihr Geld mehr zusammenhalten und momentan nicht in Konsumlaune sind.“ Perspektivisch, ist Pallmann überzeugt, werden Läden wie seiner, auch wenn sie besonders sind, verschwinden. Kollegen aus der Branche, große Häuser wie Franzen in Düsseldorf oder Christmann in Speyer, haben schon aufgegeben.

„Wir bauen um und investieren in Wohnungen“

Doch das allein ist es nicht. „Unsere Kinder Julia, Nele und Felix wollen den Betrieb nicht fortführen, sie haben andere Pläne, wofür wir vollstes Verständnis haben.“ Hinzu kommt: „Bedingt durch ein gutes Warenwirtschaftssystem haben wir zuletzt viele Lagerflächen stillgelegt, wir nutzen nur noch ein Drittel, der Rest steht leer.“ So reifte nach einer intensiven Analyse die Idee, das Geschäftshaus neu zu entwickeln. „Wir bauen um, investieren in Wohnungen, unter anderem im Maisonette-Stil, die wir vermieten wollen. Erdgeschoss und Untergeschoss, insgesamt 600 Quadratmeter groß, sollen weiterhin gewerblich genutzt werden. Dafür suchen wir einen Mieter, wobei wir nicht unbedingt auf eine Einzelhandelsnutzung fokussiert sind“, erklären Evelyn und Matthias Pallmann. Das Ehepaar glaubt an die Zukunft „einer vielseitigen und dynamischen“ Kaiserslauterer Innenstadt. „Dass es so kommt wie es kommt, das haben wir im Familienrat beschlossen“, berichtet der Unternehmer, der bekennt, dass ihm die Familie über alles geht.

„Ich habe das Geschäft mit Leidenschaft geführt, aber in wenigen Wochen werde ich 60, da ist Zeit für eine Zäsur.“ Seit Jahr und Tag steht er sechs Tage die Woche im Laden, hat immer Verantwortung getragen. Um den Kopf freizukriegen, läuft er täglich außer sonntags – da wird gemeinsam mit Ehefrau Evelyn gefrühstückt – in aller Herrgottsfrühe anderthalb Stunden durch den Wald. „So kriege ich den Kopf frei.“

Im Alter von 20 Jahren schon eingestiegen

Als Pallmann 20 war, starb sein Vater. „Von heute auf morgen waren meine Mutter und ich alleine verantwortlich.“ Pallmann machte damals eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei Hornung, hängte später den Besuch einer Fachschule für Eisenwaren- und Hausrat in Wuppertal an, fuhr jedes Wochenende heim, um die Mutter zu unterstützen. Sie war bis 2012 jeden Tag im Einsatz.

Carl Pallmann hatte das heutige Fachgeschäft für Porzellan, hochwertige Geschenke und Haushaltswaren im Jahr 1910 gegründet, zunächst als Eisenwarenhandlung. „Wir haben sogar Heizöfen verkauft und in den Landkreis geliefert“, erinnert Pallmann an die Anfänge. „Später haben wir uns dann mehr und mehr spezialisiert, ich habe immer sehr darauf geachtet, keine Trends zu verpassen, war oft auf Messen, die Ambiente in Frankfurt war für mich ein Muss.“ Die Kundschaft kam all die Jahre von weit her. „Aus Bad Kreuznach, Saarbrücken, Bad Dürkheim“, zählt Pallmann auf, der schätzt, dass er 20.000 bis 30.000 Artikel im Angebot hat, darunter hochwertiges Porzellan von Asa, Villeroy & Boch, Rosenthal. „Mir war es immer wichtig, auch Nahversorger zu sein, Produkte unterschiedlicher Preisgruppen anbieten zu können. Der günstigste Kartoffelschäler kostet bei uns 1,99 Euro, der teuerste 29,95 Euro.“

Für Ausverkauf einen Spezialisten engagiert

Bis Mitte Februar läuft in der Fußgängerzone bei Pallmann alles weiter wie bisher. Für den Ausverkauf hat er einen Spezialisten engagiert. Der Räumungsverkauf wird vom 19. Februar bis zum 31. Mai stattfinden. Dann wird im Bestand umgebaut. Dazu muss das komplette Gebäude entrümpelt werden. „Ich hätte das Geschäft in der Zeit gar nicht weiterführen können“, so der Unternehmer. Die Bastelabteilung im Untergeschoss, wo es alles gab – Batterien, Geschenkbänder, Styroporkugeln, Schrauben –, hatte Pallmann bereits im Sommer auslaufen lassen. „Sie war schon lange nicht mehr rentabel, aber sie war ein Frequenzbringer“, gesteht er.

Der 59-Jährige hatte nie nur das eigene Geschäft im Blick, engagierte sich seit 1997 vor Ort im Einzelhandelsverband, war bis 2025 dessen Vorsitzender. Auch in der IHK-Vollversammlung war er aktiv, noch immer ist er Vizepräsident des Handelsverbands Südwest. Ehrenamtliches Engagement ist wichtig, sagt er. „Das hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben.“

„Die vielen Baustellen schaden der Innenstadt“

Pallmann konnte unbequem sein. „Die Verantwortlichen in Kaiserslautern haben bis heute nicht verstanden, dass Einzelhandel, so wie wir ihn hier haben, mit vielen inhabergeführten Geschäften, keine Selbstverständlichkeit ist. Unsere Bedürfnisse wurden zu oft nicht gesehen, wir werden zu wenig wertgeschätzt von der Politik“, moniert er. Die vielen Baustellen schaden der Innenstadt, so Pallmann. Und der Bau der Mall sei ein Riesenfehler gewesen. „Wir haben das kommen sehen. Sie ist schon nach zehn Jahren ein Problemfall.“

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