Interview
„Die Mall muss ihr Negativimage ablegen“
Die Mall hat gerade zehnten Geburtstag gefeiert. War der Bau im Rückblick ein Fehler?
In der Größe auf jeden Fall, das haben wir als Verband von Anfang an gesagt. Wenn wir uns damals nicht gewehrt hätten, wäre die Mall noch viel größer geworden. Ursprünglich sollte für das „K in Lautern“ ja sogar der Fackelbrunnen versetzt werden. Es wäre richtig gewesen, die Mall auf die Größe des früheren Karstadt zu konzentrieren, dies hätte ausgereicht.
Wie sehr hat die Mall dem Einzelhandel in der Stadt geschadet?
Der innerstädtische Handel hat sich definitiv mehr in Richtung Fackelstraße konzentriert, in der Konsequenz haben in der Marktstraße beispielsweise mehr und mehr Geschäfte zugemacht. Am Ende sind aber nicht so viele Läden in die Mall gezogen, wie befürchtet. Douglas zum Beispiel hat sein Geschäft in der Mall aufgegeben und hat in der Fackelstraße seine Geschäftsräume modernisiert. Das Angebot der Mall ist und war nicht so, wie es damals angekündigt wurde. Die supertollen Marken wie Hollister oder Zara, die versprochen waren, sind nicht gekommen. Anfangs hat die Mall mehr Menschen aus dem Umland in die Stadt gezogen, auch aus Neugier. Aber nachdem die größeren Marken nicht kamen und viele kleinere verschwunden sind, ist es zumindest nicht besser geworden durch die Mall.
Mittlerweile verzeichnet die Mall viele Leerstände. Wie würden Sie sich eine Neuausrichtung wünschen?
Die Leerstände im „K in Lautern“ sind eine Hypothek für die Innenstadt. Wir würden gerne wissen, was passieren soll. Die Kommunikation über die Zukunftspläne der Mall sollte viel transparenter sein. Bisher wissen wir nichts Konkretes. Die letzte Meldung war, dass scheinbar ein Teil der Mall als Hotel genutzt werden soll. Ob dies aber zutrifft, ist nicht gesichert.
Worauf kommt es an?
Bei der zukünftigen Nutzung muss bedacht werden, dass etwas kommt, was die Aufenthaltsqualität steigert. Dies könnte der Mall, und somit auch der Innenstadt, helfen. Anfangs lief der Food-Court, der Gastronomiebereich im Obergeschoss, gut. Dann nicht mehr. Lag es an den Mieten, am Ambiente? Auch das wissen wir nicht. Dort aber könnte man ansetzen. Zu allererst aber muss die Mall ihr Negativimage ablegen. Sie ist nur noch in den Schlagzeilen mit irgendwelchen Auseinandersetzungen im Umfeld. Obwohl dort mehrmals in der Woche Polizeiautos stehen, sagt die Polizei, es handele sich nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt. Man muss sich da als Stadt auch ehrlicher machen.
Sie haben gesagt, die Mall muss ihr Negativimage loswerden. Gilt das nicht für die ganze Innenstadt? Wie kann Kaiserslautern als Einkaufsstandort attraktiver werden?
Wir bräuchten von allem mehr. Wir bräuchten mehr Aufenthaltsqualität, mehr Grünflächen, möglicherweise auch etwas mit Wasser. Da kommt es aber auf die Ausgestaltung an. Wenn die Hebung der Lauter kommen sollte, muss man aufpassen, dass sie nicht zum Kühlen von Bierflaschen genutzt wird. Die Bürger und Gäste müssen sich wohlfühlen, dazu muss die Stadt ein besseres Sicherheitsgefühl vermitteln. Ich weiß, dass die Stadt da gerne mehr machen würde. Zu vieles hängt am fehlenden Geld. Deshalb müssen die Kommunen entlastet werden, um finanziell mehr Spielräume zu bekommen. Mantraartig ständig herunterzubeten, dass wir kein Geld haben, führt aber zu keinen Lösungen. Dann muss halt das Geld, das da ist, sinnvoll eingesetzt werden.
Was fehlt Ihnen?
Gerade die Aufenthaltsqualität muss steigen. Das beginnt mit der guten Erreichbarkeit, geht beim optischen Eindruck, wenn man nach Kaiserslautern kommt, weiter. Und beinhaltet Themen wie Sitzmöglichkeiten, Grünflächen, Schattenplätze im Sommer, Parkmöglichkeiten – und das Sicherheitsgefühl. Um beispielsweise den Stiftsplatz aufzuwerten, wäre ein Brunnen oder ein Wasserspiel sinnvoll. Dies könnte auch der Hitze im Sommer entgegenwirken. Was wir weniger brauchen, sind die Baustellen. Sie vertreiben geradezu die Kunden aus der Innenstadt. Aber nicht nur die Kunden leiden darunter, sondern auch die Mitarbeiter, die nach Kaiserslautern einpendeln.
Die Baustellen sind nun mal da. Stimmt die Kommunikation nicht?
Hier besteht insbesondere gegenüber den Bürgern Verbesserungsbedarf. Andere Städte, wie beispielsweise Mainz, haben ein Baustellen-Marketing. Mainz hat die Ameise als Maskottchen, die bei Baustellen aufzeigt, welche Geschäfte geöffnet haben. Das ist wichtig für die Kunden aus dem Umland. Oder wenn ich nach Landau schaue: Die haben auf der städtischen Homepage auf der Startseite die Baustellen gut auffindbar aufgelistet. Dort findet man auch Informationen, wie lange die Baustellen dauern, Ausweichstrecken werden aufgezeigt. Kaiserslautern hat sowas ähnliches, aber man findet es nicht direkt, sondern muss erst danach suchen. Zudem fehlt eine Software, um alle Infos vernetzt abbilden zu können. Die Stadt sieht das Problem, aber es fehlt mal wieder an den finanziellen Möglichkeiten. Kaiserslautern hat aber, gerade als Oberzentrum, eine Versorgungsfunktion auch fürs Umland. Deshalb müssen die Leute erfahren, wie sie uns erreichen. Zumal der ÖPNV nicht so funktioniert, wie es wünschenswert ist. Dies ist bei den Bussen zum Teil der Baustellensituation geschuldet. Aber auch bei der Bahnanbindung herrschen Probleme. Im Lautertal fallen ständig Züge aus. Solange das alles nicht funktioniert, wird kein Mensch vom Pkw dauerhaft auf den ÖPNV umsteigen.
Jetzt kommt immerhin freier Busverkehr an Samstagen.
Dass künftig am ersten Samstag im Monat und jetzt auch an den Adventssamstagen kostenfrei die Busse genutzt werden können, ist ein Anfang. Der kostenfreie Samstag im Monat war unser Vorschlag, der zum Glück von der Politik aufgegriffen wurde. Das ist auch eine Werbemaßnahme für die Stadt, auf die wir intensiv gedrängt haben.
Es gibt die Offerte, für einen Euro am Tag auf dem Messeplatz zu parken und dann mit dem Bus kostenlos in die Stadt zu fahren. Braucht es mehr solcher Initiativen?
Der Ansatz ist sehr gut. Aber die Aktion müsste noch bekannter werden. Zudem fällt diese Möglichkeit gerade in Zeiten, in denen Kaiserslautern durch die Kerwe an Attraktivität gewinnt, weg. Für diese Zeiten sollte es ein Alternativangebot geben.
Noch mal zur Situation des Einzelhandels. Wie geht es dem ganz konkret?
Wir spüren Frequenzrückgänge, aber das ist in sehr vielen Städten so. Das schlägt sich auch im Umsatz nieder, die Leute halten das Geld mehr zusammen, es ist eine große Verunsicherung da. Hier ist die Bundespolitik gefordert. Es müssen Entlastungen für die Bürger sowie für den Handel her. Die Energiekosten beispielsweise belasten alle.
Stimmt das Angebot noch in der Innenstadt? Es gibt beispielsweise kaum noch Schuhgeschäfte.
Da holen uns die Sünden der Vergangenheit ein. Wenn sich jemand hier ansiedeln will, schaut er zuerst: Was gibt es draußen auf der grünen Wiese, lohnt sich das? Es war ein großer Fehler, im Gewerbegebiet ursprünglich alles zuzulassen und nur auf die Gewerbesteuer zu schielen. Um Neuansiedlungen in der Innenstadt zu ermöglichen, sollte man insbesondere Jungunternehmer für mindestens ein halbes Jahr von einer Vielzahl der bürokratischen Lasten entbinden. Nur so kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich das Geschäft zum Laufen zu bringen. Hierzu sollten nötigenfalls Stadt und Land dem Unternehmer für eine begrenzte Zeit finanzielle Anreize bieten. Dies hatte ich auch schon bei der Landesregierung vorgeschlagen.
Profitiert der Handel eigentlich von Tagestouristen?
Ja. Im Sommer haben wir gemerkt, dass viele auswärtige Gäste nach Kaiserslautern kommen und auch hier einkaufen. Da wäre aber mehr möglich.
Fühlt sich der Handel ausreichend wertgeschätzt?
Wertgeschätzt eher weniger. Die Stadtpolitik hat den Handel immer als Selbstverständlichkeit wahrgenommen. Sie hat bis heute nicht verstanden, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen, damit Leute Lust verspüren, sich in der Innenstadt anzusiedeln. Wir haben ja auch das Problem, dass viele Einzelhändler keine Nachfolger finden. Wobei ich sagen muss, dass wir mit Bürgermeister Manfred Schulz schon gute Gespräche hatten. Er will mehr Ordnungskräfte in die Innenstadt bringen. Er hört zu und versucht, unseren Wünschen nachzukommen. Das hatten wir lange nicht.
Gerade erst wurde das Programm für die 750-Jahr-Feierlichkeiten vorgestellt. Wie finden Sie das?
Es ist gut, dass wir dieses Jubiläum feiern und sich Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilen. Ich vermisse aber im Jubiläumsjahr eine mehr am Handel orientierte Aktion. Da wäre beispielsweise eine Neuauflage der Modemeile ein Highlight gewesen. Die damalige Veranstaltung war sowohl bei den Kunden als auch bei den Händlern gut angekommen. Aber noch ist ja nicht 2026. Vielleicht hat die Stadt die Möglichkeit, sowas noch umzusetzen.