Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerung an BER-Flughafen: Viadukt elfeinhalb Jahre nach Baubeginn fertig

Die Autos rollen wieder: Seit Freitag ist die Unterführung aus Richtung der Karcherstraße wieder frei.
Die Autos rollen wieder: Seit Freitag ist die Unterführung aus Richtung der Karcherstraße wieder frei.

Es ist ewig her, da begannen die Arbeiten am Viadukt an der Trippstadter Straße. Jetzt ist Licht am Ende des Tunnels. Die Brücke ist seit Mai fertig. Am Freitag nun folgte ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verkehrsfreigabe. Von der Karcherstraße aus ist die Unterführung wieder befahrbar. Stadteinwärts dauert es aber noch.

So wie Berlin seinen Flughafen, hat Kaiserslautern sein Viadukt. Aus der zu Beginn für 2015 geplanten Fertigstellung wurde nichts. Immer wieder stockten die Arbeiten, der Vertrag mit der Firma wurde 2016 gekündigt. Mehrere Ausschreibungen folgten. Erst vier Jahre später wurde weitergebaut. Die Erneuerung des Viadukts ist ein gemeinsames Projekt der federführenden Deutschen Bahn und der Stadt, die für den Straßenausbau in der Unterführung zuständig ist. Jahrelang war durch die Arbeiten eine der Hauptverbindungen zwischen der Innenstadt und der Universität gesperrt.

Die Dauerbaustelle kommt jetzt langsam – nach elfeinhalb Jahren – zu einem Ende: Seit Freitagnachmittag ist die Unterführung am Knotenpunkt Zollamtstraße, Pfaffenberg-, Karcher- und Trippstadter Straße wieder befahrbar – wenn auch nur teilweise. Denn nur die Fahrspur von der Karcherstraße kommend in Richtung Universität ist offen. Die Spur stadteinwärts – und die Abzweigung in die Trippstadter Straße – bleiben gesperrt. Damit der Verkehr wieder stadteinwärts fließen kann, müssen laut Staab die Zufahrt zur Trippstadter Straße sowie die dortige Fahrbahn ausgebaut sein. Die Karcherstraße sei zu schmal, um den gesamten Verkehrsstrom stadteinwärts aufzunehmen, erklärt Sebastian Staab, der Referatsleiter Tiefbau. Für Radfahrer und Fußgänger sind die Durchgänge in beide Richtungen offen.

Trippstadter Straße wird ab Frühjahr ausgebaut

„Wir bauen ab dem Frühjahr die Trippstadter Straße aus. Das dauert nochmal ein bis eineinhalb Jahre“, berichtet Staab. Bis Herbst 2026 sei dann auch der letzte Abschnitt der gesamten Baumaßnahme abgeschlossen, die Trippstadter Straße bis zur Logenstraße neu gemacht. Ein Fahrradstreifen soll integriert werden, damit die Radfahrer aus dem Viadukt gefahrlos abfahren können. Dort sind an den Seiten baulich von den Autospuren getrennte Rad- und Fußwege gebaut worden. Die alten gemauerten Wände sind hellem Beton gewichen. „Da schlägt das Herz höher, wenn man das jetzt so fertig sieht“, sagt Staab bei der Begehung vor Ort. Es hat lange gedauert, auch der Referatsleiter ist froh, wenn die Arbeiten endgültig vorüber sind, die Autos wieder in alle Richtungen fahren können. „Es war eine anspruchsvolle Baustelle. In der ganzen Zeit musste ja auch der Zugverkehr aufrecht erhalten werden. Es gibt nur wenige Firmen, die das machen können“, erzählt er.

Die Eisenbahnbrücke sei seit Mai fertig, „ab da haben wir die Baustelle von der Bahn übernommen und mit dem Straßenausbau begonnen“, erklärt Staab.

Ampel statt Kreisel

Der dreizellige Rahmen aus Stahlbeton ist 21,6 Meter breit, die darüber eingelassene Stahlbrücke fast 33 Meter lang. An den Wänden sind schon jetzt einige wild gesprühte Graffiti zu sehen. „Wir sind in ersten Gesprächen, ob man die Wände künstlerisch gestalten kann“, erzählt Staab. Sprayer ließen sich eventuell von eigenen Graffiti abhalten, wenn ein anerkannter Künstler die Wand gestaltet habe. Damit habe die Stadt an anderer Stelle schon gute Erfahrungen gemacht.

In den kommenden Monaten wird als Vorbereitung zum Straßenausbau in der Trippstadter Straße der Hang zu den Bahngleisen an einigen Stellen gerodet und mit einer Gabionenmauer abgestützt. „Das betrifft acht, neun Bäume. Die Gabionenmauer hat Auslassungen für Nachpflanzungen“, berichtet Staab. Danach könne die Straße ausgebaut werden, demnächst soll ausgeschrieben werden, erläutert Staab. Den Verkehr an der Einmündung zur Unterführung wird künftig eine Ampel steuern. Die Idee eines schon geplanten Kreisels wurde 2023 verworfen. „Eine Verkehrsuntersuchung hat gezeigt, dass sich dort sonst der Verkehr aus dem Kreisel bis zur nächsten Ampel zurückstauen würde“, erklärt Staab.

Vier Jahre Baustopp

Die Arbeiten am Viadukt schienen eine nicht enden wollende Geschichte zu sein. „2005 ist die Bahn auf die Stadt zugegangen und hat zum ersten Mal das Interesse daran bekundet, das Viadukt zu erneuern“, berichtet Staab. Bei einer Sonderbegutachtung seien damals Schäden aufgefallen, die eine Sanierung notwendig machten. Nach etlichen Planungen und Verhandlungen wurde ab Januar 2013 gebaut. Damals rechnete die Stadt mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Etwa 14 Millionen Euro sollte die Verbreiterung des Viadukts sowie der Straßenausbau in und an der Unterführung kosten. Etwa zwei Millionen Euro sollten nach Abzug von Zuschüssen an der Stadt hängen bleiben. 2015 gerieten die Arbeiten ins Stocken, ein Planungsfehler ließ die Kosten steigen, erklärte damals der amtierende Baudezernent Peter Kiefer: 18,6 Millionen wurden neu für das Viadukt veranschlagt.

Es sollte nicht die letzte Kostensteigerung und die letzte Verzögerung gewesen sein. „Wir sind jetzt bei etwa 52,5 Millionen Euro“, sagt Staab. Die Stadt trägt davon circa 31 Millionen, erhält einen Landeszuschuss und eine Ablöse der Deutschen Bahn für die künftige Unterhaltung des Viadukts – so bleiben laut Staab etwa 10,5 Millionen Euro, die die Stadt zahlt. Mit rund 21,5 Millionen Euro ist die Deutsche Bahn an dem Umbau beteiligt.

Zu den Verzögerungen und den Mehrkosten kam es auch, weil die Bahn nach „bauvertraglichen Schwierigkeiten“ (Staab) den Vertrag mit der Baufirma 2016 kündigte, die Stadt schloss sich an. Zwei Mal – im Herbst 2016 und Juni 2017 – wurde danach neu ausgeschrieben, „die Angebote waren aber zu teuer und die Ausschreibungen wurden zurückgenommen“, blickt Staab zurück. Erst die insgesamt vierte Ausschreibung Ende 2019 brachte die Arbeiten wieder in Gang. Ab Juli 2020 wurde am Viadukt weitergebaut.

Das Viadukt 2008 vor Beginn der Bauarbeiten.
Das Viadukt 2008 vor Beginn der Bauarbeiten.
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