750 Jahre Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kaiserslauterer Altstadt – wo die Nacht zum Tag wird

Die Altstadt ist mit ihren Kneipen, Bars, Cafés und Restaurants das Ausgehviertel in Kaiserslautern. Zwischen St.-Martins-Platz
Die Altstadt ist mit ihren Kneipen, Bars, Cafés und Restaurants das Ausgehviertel in Kaiserslautern. Zwischen St.-Martins-Platz und Mainzer Tor reiht sich ein Lokal ans nächste.

In der Altstadt liegt die Kneipenmeile der City – hier schlägt der Puls der Stadt. Wo lässt sich einkehren? Ein kleiner Streifzug vorbei an Zapfhähnen.

In der Steinstraße pulsiert das Leben, auch an diesem warmen Abend im Mai. 27 Grad, über das Pflaster streicht eine laue Brise, vor den Kneipen: alles belegt. Kein freier Stuhl. Menschen drängen in den Schatten unter den Sonnenschirmen, das Bier fließt. Wo sonst in Kaiserslautern, wenn nicht hier? Zwischen St.-Martins-Platz und Salzstraße erstreckt sich die Ausgehmeile der Stadt. Dieser Ort, er schläft (fast) nie. Sein Nachtleben ist Ausdruck der Lautrer Identität. Neben Cocktailbars, Cafés und Restaurants reihen sich gleich mehrere Kultkneipen ein – und solche, die auf dem besten Weg sind, eine zu werden.

Im Snug wird gerne mal Irish Folk geboten

Das Snug, nur als Beispiel. Vor 13 Jahren eröffnete Lisa Mühlberger in der Altstadt ihr Irish Pub, das Irland-Fans aus der ganzen Region anzieht. Und die kommen nicht bloß für ein frisch gezapftes Guinness. Als sich die weit gereiste Pfälzerin damals ihren Traum erfüllte, eine eigene Kneipe, tat sie das aus Liebe – zur Grünen Insel und der Folklore.

„Hier gibt es keine Fremden“, sagte Mühlberger voriges Jahr im RHEINPFALZ-Gespräch, „sondern nur Freunde, die du noch nicht kennengelernt hast.“ Snug, das bedeutet so viel wie: gemütlich, behaglich. Nicht anders soll es sein, betonte Mühlberger. Wer Glück hat, der gerät in dem mit Trikots und Trödel bestückten Pub auch mal in eine Irish Folk Session. Mit allem, was die keltische Musik zu bieten hat, von der Fiddle bis zur Whistle.

Mit Sicherheit einer der schönsten Orte in Kaiserslautern: der idyllische St.-Martins-Platz.
Mit Sicherheit einer der schönsten Orte in Kaiserslautern: der idyllische St.-Martins-Platz.

80 Meter weiter, im Witches, werden heiße Kämpfe am Dartboard nicht selten erst in den frühen Morgenstunden entschieden. So berichten es Augenzeugen. Seit 1996 führt Petra Hoser-Zwick an der Ecke Stein-/Salzstraße eine „Dorfkneipe in der Stadt“, wie sie sagt – ausgelegt auf das Spiel mit den Pfeilen. Werfen lässt sich auf zwei Automaten, aber unter strenger Beobachtung: Umgarnt von Plastikspinnweben, baumeln etliche Hexen von der Decke. Auf Englisch: „Witches“.

Ins Auge fallen auch die Dollarscheine an den Wänden, akkurat getackert und mit Filzstift signiert. Die Banknoten erinnern an jene Tage, als es die US-Streitkräfte noch öfter in die Altstadt zog – und sie in der Eckkneipe versackten, die früher Waschbrett hieß. Schon Petra Hoser-Zwick hatte dort bedient.

Hannenfass-Kult: der „Meter“ Krefelder

Am pittoresken St.-Martins-Platz dann: das legendäre Hannenfass. Wieder, muss man sagen. Denn nachdem ein verheerender Großbrand das Lokal vor zehn Jahren verwüstet hatte, musste das Gebäude abgerissen und wiederaufgebaut werden. Doch was wäre die Altstadt ohne das „Hanne“? Theo Tzounis, Wirt seit 2004, ließ die rustikale Holzeinrichtung also detailgetreu von einem Schreiner nachbauen – damit die Gäste das Flair von einst wieder erleben. An den Spieltagen des FCK ist der Laden brechend voll, vor dem Anpfiff und danach sowieso. Kult im Hannenfass: der „Meter“ Altbier, gemischt mit Cola. Im Volksmund Krefelder.

„Das ist mein Kind, meine Wohnung, mein Zuhause“, sagte Tzounis neulich in einem Interview. Er bleibe, versicherte der Grieche, „bis ich sterbe“.

Natürlich, die Altstadt hält zum Ausgehen viel mehr bereit als drei Kneipen – weit über 30 Lokale. Bereit für eine Entdeckungstour?

Jubiläumsbeilage

Dieser Beitrag ist in gedruckter Form im Rahmen der Sonderbeilage zum 750. Stadtjubiläum Kaiserslauterns am 2. Juni erschienen.

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