Asselheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verborgen im Weinkeller: Diese „Schätze“ will ein Winzer spenden

Haben viel zu lachen (von links): Hannelore Brenner vom Verein „Kleine Glücksritter“, Kabarettist Franz Kain, und Winzer Matthia
Haben viel zu lachen (von links): Hannelore Brenner vom Verein »Kleine Glücksritter«, Kabarettist Franz Kain, und Winzer Matthias Gaul.

Für einen guten Zweck hat Winzer Matthias Gaul aus Asselheim seine „Schatzkammer“ geplündert. Wen er damit unterstützen möchte und welche Weinschätze er zu bieten hat.

Aufgereiht stehen sie auf einem schwarzen Tisch nebeneinander: sechs Weinflaschen, die Winzer Matthias Gaul aus Asselheim einigen Gästen präsentieren möchte. Für den Winzer in vierter Generation sind es besondere Weine. Drei davon seien nicht einmal im Verkauf gewesen, erzählt er stolz.

Dass er die Flaschen präsentiert, hat einen Grund: Gaul will sie spenden. 100 Pakete mit jeweils sechs Flaschen bereiten er und sein Team gerade vor. Was da im Verkauf an Geld zusammenkommt, erhält der Verein „Kleine Glücksritter“ aus Wilhelmsfeld. Der setzt sich für chronisch kranke Kinder ein, die Spaß am Reiten haben. Ziel des Vereins ist es, Kontakte zwischen den Familien der Kinder und Pferdehofbesitzern herzustellen, um eine Reitgelegenheit in Wohnortnähe zu ermöglichen. Dafür trägt der Verein die Kosten für die Reitstunden.

Schatzkammer geplündert

Bei der Präsentation auf seinem Weingut spricht Gaul mit dem Kabarettisten Franz Kain, der das Treffen moderiert, sowie Hannelore Brenner, erfolgreiche Dressurreiterin im Behindertenreitsport und Initiatorin des Vereins. Gemeinsam testen sie den Wein „zweipunktnull“, einen Riesling aus dem Jahr 2015. Daneben gibt es noch zwei Rotweine: einen Tempranillo sowie einen Merlot. Ebenfalls gehören ein Riesling St. Stephan, ein Weißwein-Cuvée und ein Pinot Noir (Spätburgunder) zu Gauls Repertoire.

Was den „zweipunktnull“ angeht, gewährt Weingutsmitarbeiterin Nathalie Pletsch einen Einblick in den Herstellungsprozess. So seien die Trauben mit einem Druck von 2,0 bar gepresst worden – woher auch der Name rührt – als bei herkömmlichen Weinen. „Normalerweise liegt der Druck bei 1,0 bar, manchmal sogar nur bei 0,8“, sagt Pletsch. Weiterhin sei der Tanningehalt erhöht. Dadurch werde der Wein runder im Geschmack. Ziel sei es mit diesem Wein gewesen, so Pletsch, einen kräftigeren Riesling zu kreieren, den Genießer auch zu Fleischgerichten trinken könnten.

Organisiert zum zweiten Mal eine Spendenaktion für den Verein „Kleine Glücksritter“: Matthias Gaul.
Organisiert zum zweiten Mal eine Spendenaktion für den Verein »Kleine Glücksritter«: Matthias Gaul.

Für die Spendenaktion hat Gaul seine „Schatzkammer“ geplündert. Wobei er gleich ergänzt: „Es ist keine romantische Schatzkammer“ – also kein goldener Raum, sondern ein Flaschenlager. Mit der Zeit habe sich das gut gefüllt. Und da könne es vorkommen, dass manche Weine nach hinten rutschen und aus dem Sichtfeld verschwinden. Als Gaul das Lager aufräumte, habe er die älteren Jahrgänge wieder entdeckt. Ein Schatz war geborgen.

Winzer: „Soll Spaß machen“

Die nun von ihm ausgewählten Weine sind zwischen 15 und 45 Euro wert, teilt der Winzer mit. Insgesamt hat das Weinpaket mit allen sechs Flaschen einen Gesamtwert von 150 bis 160 Euro. Für diesen Preis geht das Paket aber nicht über die Theke. Gaul bietet es für 95 Euro an. Was beim Verkauf aller Pakete rauskommen kann, rechnet Kabarettist Kain vor: „100 Pakete, das macht einen Erlös von fast 10.000 Euro.“ Dass der Betrag zusammenkommt, gilt für Gaul als sicher. Er erinnert sich an die vergangene Aktion dieser Art, die 2019 stattfand. Damals wurde eine ähnlich hohe Anzahl Pakete verpackt – und sie waren innerhalb kürzester Zeit weg, so der Winzer.

Sorgte als Moderator im Gespräch zwischen Brenner und Gaul für Unterhaltung: Franz Kain.
Sorgte als Moderator im Gespräch zwischen Brenner und Gaul für Unterhaltung: Franz Kain.

Warum er ausgerechnet den Verein von Brenner unterstützt, weiß er genau. So ging er vor sechs Jahren mit einem Freund unweit von Brenners Pferdehof im Zellertal spazieren. Gaul traf Brenner dort, und so kamen sie ins Gespräch. Auf diese Weise erfuhr er von der Vereinsarbeit. „Wir wollten etwas organisieren, das unseren Kunden Spaß macht und gleichzeitig Geld in die Kassen der Kleinen Glücksritter bringt“, so Gaul.

Vereins-Chef: „Verschiedene Spender wichtig“

Auch Franz Kain, der lange in der Radiobranche gearbeitet hat, weiß, wie teuer das Halten von Pferden sein kann, da seine Frau reitet. „Da kostet das Drumherum mehr als der Stall“, sagt der Bühnenprofi. Reiterin Brenner betont, dass mit dem Erlös der Weinpakete viele Reitstunden für chronisch kranke Kinder finanziert werden können. „Es ist toll, jemanden wie Gaul zu haben“, sagt sie.

Vereins-Geschäftsführer Stephan Schneider blickt mit Vorfreude auf den anstehenden Paketverkauf – sieht aber auch Herausforderungen: „Je bekannter wir werden, desto mehr Anträge gibt es.“ Ein Leitgedanke der Vereinsarbeit sei es, keine Anfrage unberücksichtigt zu lassen. Der 2013 gegründete Verein unterstützt im Schnitt 150 Kindern pro Jahr, insgesamt knapp 1500 Kinder seit Gründung. Immer wieder ist Schneider deshalb auf der Suche nach Spendern, denn von ihnen lebt die Vereinsarbeit. „Die Breite ist wichtig“, merkt er an.

Hat den Verein „Kleine Glücksritter“ gegründet und eine Karriere als Reitsportprofi hinter sich: Hannelore Brenner.
Hat den Verein »Kleine Glücksritter« gegründet und eine Karriere als Reitsportprofi hinter sich: Hannelore Brenner.

Was den Verkauf betrifft, möchte Gauls Team die Weinflaschen im nächsten Schritt etikettieren. Einige müssten noch gereinigt werden, erklärt Pletsch. Erst danach, gegen Ende November, nehme das Weingut Kontakt zu Stammkunden auf, um die Pakete zu verkaufen. Interessierte könnten sich allerdings jetzt schon beim Weingut melden und sich ein Paket reservieren. Auch in Zukunft möchte Winzer Gaul mit solchen Aktionen weitermachen. Wen er als Nächstes unterstützt, weiß er noch nicht. „Vielleicht planen wir etwas anderes. Es gibt verschiedene Möglichkeiten.“

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