Grünstadt
Winzer sammelt Geld für Verein von Dressurreiterin Hanne Brenner
Dass bei der Aktion über 8000 Euro zusammen kommen werden, damit hat Dressurreiterin Hanne Brenner nicht gerechnet. Winzer Matthias Gaul überreichte ihr am Mittwoch einen symbolischen Scheck. Auch er war überrascht. „Die Resonanz unserer Kunden war überwältigend und übertraf bei Weitem das, was wir erwarteten“, sagte er. Binnen einer Woche seien bereits 100 Pakete verkauft worden, bei 107 musste der Winzer einen Schlussstrich ziehen.
Matthias Gaul hat in seinem Asselheimer Weingut eine „Schatzkammer“. Jedes Jahr lagert er eine kleine Menge seines aktuellen Jahrgangs dort ein. Nach ein paar Jahren ergeben sich interessante Überraschungen. Manche Weine offenbaren dadurch noch einmal eine ganz andere Note, erzählt Gaul dessen Philosophie es ist, kein Massenprodukt herzustellen, sondern nachhaltige Weine. Dazu gehöre auch, dass man sie auch nach fünf bis acht Jahren noch genießen kann.
Bei der Aktion an Ostern wurden 107 Pakete verkauft mit jeweils sechs Flaschen Wein. Jeweils vier davon waren immer gleich. Zwei Weine aber waren als Überraschungsweine mit im Paket. Von diesen weiß noch nicht einmal der Winzer, wie sie schmecken. Einige der Weine hatten noch nicht einmal ein Etikett, sondern nur eine mit Stift geschriebene amtliche Prüfungsnummer. Dabei handelt es sich um sogenannte Rückstellproben. Da der gesamte Jahrgang dieser Weine bereits verkauft war, durften auch diese Rückstellproben verkauft werden.
Hanne Brenner, die 2008 in Hongkong und 2012 in London insgesamt vier Goldmedaillen bei den Paralympics gewann, hat 2013 den Verein Kleine Glücksritter e.V. gegründet, an den der Erlös des Weinverkaufs vollständig gespendet wurde.
Im Frühjahr 2012 wurde Brenner von einer Freundin eingeladen, einem krebskranken Mädchen Reitunterricht zu geben. Anfangs zögerte sie noch, wie sie erzählt, hatte sie sich doch beim Reiten auf den Leistungssport konzentriert. Selbst Reitunterricht zu geben, hatte sie eigentlich ausgeschlossen. Doch in diesem speziellen Fall machte sie eine Ausnahme.
Ayleen, so hieß das Mädchen, galt als „austherapiert“. Die Ärzte hatten so gut wie keine Hoffnungen mehr. Die Zwölfjährige hatte bereits einen Fuß verloren, die Eltern hörten auf zu arbeiten, um ihrer Tochter zu helfen. „Das Kind kam aufs Pferd und hat gestrahlt“, erzählt Brenner. Auch später, als es Ayleen schlechter ging, machte sie noch mit dem Reiten weiter. Sie wurde liegend zum Pferd transportiert, bündelte dort aber all ihre Energie zum Reiten. Für einen Moment konnte sie ihre Krankheit vergessen. Da Ayleens Eltern sich das normalerweise nicht hätten leisten können, war Brenner ihrer Freundin sehr dankbar, dass sie das ermöglicht hat. „Das kann ja nicht sein, dass das ein Einzelfall ist“, dachte sie sich schon damals.
Ende August des selben Jahres war Hanne Brenner in London bei den Paralympics. Dort hat sie am Rande der Spiele erfahren, dass die Medaillenprämien erhöht werden wurden. Bei einem Interview wurde sie dazu befragt. Spontan kam ihr Ayleen in den Sinn. Sie beschloss, mit einem Teil der Medaillenprämie ein Projekt zu starten, das schwerkranken Kindern die Möglichkeit gibt, mit Pferden in Kontakt zu kommen.
Nach den Paralympics bereitete die Gemeinde Wachenheim im Zellertal, wo Brenner wohnt, ihr und ihrer Trainerin und Lebensgefährtin Dorte Christensen zu Ehren einen Empfang. Dort berichtete sie den Gästen von ihrer Idee und erzählte die Geschichte von Ayleen. Spontan sammelten die Gäste die ersten 700 Euro für das Projekt. Erst am Tag danach erfuhr Brenner, dass Ayleen an jenem Abend gestorben war.
„Den Kindern tut es gut, Wärme und Bewegung der Pferde zu spüren, sagt Brenner. Außerdem tue die frische Luft vielen gut. Der Verein unterstützt neben schwer und chronisch kranke Kindern auch solche, die eine Krankheit durchgemacht haben und wieder gesund sind. Während einer Krebsbehandlung sei man oft isoliert, sagt Brenner. Der Kontakt zu den Pferden helfe auch, wieder neues Selbstvertrauen zu gewinnen. Sie kenne Kinder, die total introvertiert seien und nach ein paar Minuten dem Pferd ihre ganze Lebensgeschichte erzählten. Ähnliches gelte im Übrigen für Geschwister von kranken Kindern.