Neuleiningen RHEINPFALZ Plus Artikel Schäden im Wald: Warum dieser im Leiningerland gesünder ist als andere

Neuleiningen hat einen besonders wertvollen Wald.
Neuleiningen hat einen besonders wertvollen Wald.

Dem Neuleininger Wald ist beim Zehn-Jahres-Rückblick ein gutes Zeugnis ausgestellt worden. Er zeigt sich recht robust. Warum trotzdem nicht genug gefällt wurde.

Mit der Ausbreitung von Neophyten, also eingeschleppten, nicht heimischen Pflanzen, mit extremem Schädlingsbefall und mit enormem Trockenstress hat der Neuleininger Wald erstaunlich wenig zu tun. Das berichtete Förster Thomas Faller dem Ortsgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. „Die Kronen sind grün, es gibt kaum Schadholz“, sagte er. Beim Blick auf den 2016 erstellten Zehn-Jahres-Plan des Forsteinrichtungswerks des Forstzweckverbandes Jerusalemsberg-Leiningerwald bilanzierte er aber: „Wir haben unseren kalkulierten Einschlag in Neuleiningen bei Weitem nicht erfüllt.“ Von geplanten 10.030 Festmeter wurden 4689 geerntet.

Das habe maßgeblich damit zu tun, dass in anderen Mitgliedskommunen des Verbandes sehr viel Schadholz gefällt werden musste. Ein anderer Grund, weshalb im Neuleininger Wald, von dem nach dem umstrittenen Verkauf von 130,6 Hektar im Jahr 2021 nur noch 134 Hektar der Gemeinde gehören, kaum geerntet wurde: die weit verbreitete Hanglage. „Teilweise kommen wir quasi kaum ran an die Bäume“, so Faller. Nur mit extremem Aufwand gelänge das – inklusive Raupen, Seilbahnen und Straßensperrung. Hiebe zur Verkehrssicherung seien jedoch vorgenommen worden.

Brücke in Bischofswald wäre wichtig

Sollte die seit 2015 gesperrte Brücke in Neuleiningen-Tal nun tatsächlich, wie im VG-Rat Leiningerland besprochen, mithilfe des Sondervermögens erneuert werden, hätte der Forst wieder mehr Möglichkeiten, Holz zu fällen und abzutransportieren. Der Eckbach-Übergang sei entscheidend für den gesamten östlichen Bereich des Bischofswaldes, so Wolfram Kotzurek von der Unique Landuse GmbH aus Freiburg, die mit der Inventur nach den ersten zehn Jahren im Forstzweckverband beauftragt war.

Der Forst hofft, dass die Brücke bei Neuleiningen-Tal dank Sondervermögen nach elfjähriger Sperrung endlich erneuert wird.
Der Forst hofft, dass die Brücke bei Neuleiningen-Tal dank Sondervermögen nach elfjähriger Sperrung endlich erneuert wird.

Er und sein Kollege Joshua Joachimsky bescheinigen den Neuleiningern „einen recht bunten Wald“, der vielfältiger sei als im übrigen Verband. Es seien sehr viele Baumarten vertreten und das habe einige Vorteile für die Resilienz gegenüber klimatischen Veränderungen. Mit 19 Prozent sei der Anteil an Eichen relativ hoch. Diese komme gut mit Wärme zurecht. 21 Prozent der Bäume seien Buchen und 26 Prozent Kiefern. Douglasie sei mit acht Prozent vertreten und Lärche mit vier Prozent. „Die Fichte ist bis auf Einzelexemplare verschwunden“, erklärte Kotzurek. Schön sei auch, dass die Gehölze in sämtlichen Altersstufen vorhanden seien. „Fast alles verjüngt sich von selbst“, sagte er. Der jährliche Zuwachs pro Hektar betrage rund fünf Festmeter. Das Durchschnittsalter liegt laut Joachimsky bei 93 Jahren, auf mehr als 30 Hektar sei der Bestand zwischen 141 und 160 Jahre alt.

Douglasien werden sich kräftig vermehren

Mit Blick auf den Beginn der Waldbrand-Saison erkundigte sich Georg Blum (WG Freyland-Mahling), welche Baumarten denn besonders gut einem Feuer widerstehen könnten. Joachimsky erläuterte, dass Schwarzkiefer und Roteiche recht standhaft seien, Letztere würden sogar regelrecht als Brandmauern gepflanzt. Das sei allerdings eine akademische Diskussion, warf Kotzurek ein. Schließlich könne man den vorhandenen Bewuchs nicht austauschen. Zur Frage von Martin Kranz (FWG) nach Verbissschäden sagte er, dass diese im Neuleininger Wald eher selten ein Problem seien.

Für die kommende Dekade ist laut Kotzurek und Joachimsky geplant, 3500 Festmeter zu ernten. 40 Prozent davon sollen auf Buche entfallen, 25 Prozent auf Kiefer und 15 Prozent auf Douglasie. Der Vorrat an Letzterem wird sich aufgrund des moderaten Einschlags bis 2036 um 21 Prozent vergrößern. Einen deutlichen Anstieg um 35 Prozent prognostizieren die Fachleute für die zuwachsstarken Robinien und Edelkastanien. Thomas Faller gab zu bedenken, dass der Markt auch aufnahmefähig sein müsse für die gefällten Stämme. „Das Forsteinrichtungswerk fertigt schöne Säulendiagramme an, aber wenn ich ernte, will ich auch, dass es dafür Käufer gibt. Die Sägewerke legen sich nichts mehr auf Lager“, erklärte er. „Ich hab noch seit vergangenem Jahr Polter mit Douglasien im Wald liegen.“ Dennoch segnete der Rat die Planung einstimmig ab.

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