Trippstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie steht es um die Baumgesundheit im Wald von Rheinland-Pfalz?

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Zum 41. Mal nehmen Fachleute den Wald in Rheinland-Pfalz unter die Lupe. Dazu wurde das „Messinstrument Mensch“ vorab im Pfälzerwald geeicht.

Wenn Friedrich Engels einen Wunsch frei hätte, würde der so lauten: „Dass sich der Zustand des Waldes in den vergangenen zwölf Monaten etwas verbessert hat – oder wenigstens nicht verschlechtert.“ Ein durchaus bescheidener Wunsch, der vor allem mit Engels langjähriger Erfahrung zusammenhängen dürfte. Seit über 30 Jahren kümmert sich der wissenschaftliche Mitarbeiter der landeseigenen Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF) in Trippstadt (Kreis Kaiserslautern) um die Waldzustandserhebung, bei der überbordender Optimismus fehl am Platze wäre.

Bei dieser Datenerhebung stehen seit 1984 die Baumkronen im Mittelpunkt. Damals waren es der saure Regen und die damit verbundene öffentliche Diskussion, der die Landesforstverwaltung dazu gezwungen hatte, jedes Jahr aufs Neue den Wald zu begutachten. Geht es heute um Waldschäden, ist das Spektrum viel breiter. Es umfasst alle vom Menschen oder von der Natur verursachten Belastungen, wie Luftschadstoffe, Klimaextreme, Insektenfraß, Pilzbefall und die vielen Waldfunktionen vom Wirtschaftsbetrieb bis zur Erholung. Bei der Datenerhebung sind laut Engels Kontinuität und Vergleichbarkeit entscheidend, um belastbare Aussagen machen zu können. Allerdings sei der Waldzustandsbericht nur ein Baustein. Ebenso wichtig seien beispielsweise regelmäßige Bodenuntersuchungen oder Klimaprognosen.

Fernglas am wichtigsten

Für die Forstwirte Manuel Titz und Markus Schmitt aus der Eifel bedeuten die nächsten Tage vor allem eines: Fernglas an die Augen, Kopf in den Nacken, Baumkrone prüfen. Sie bilden eines von fünf Teams, die insgesamt rund 4000 Wipfel unter die Lupe nehmen werden. Dazu wurden landesweit 167 Punkte mit je 24 Bäumen markiert. 16 davon seien aber zwischenzeitlich weggefallen, sagt Engels. Entweder wegen Insektenfraß oder wegen einer Rodung, wie für die ACC-Batteriefabrik nahe Opel in Kaiserslautern, deren Bau indes in den Sternen steht.

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Bevor die Waldzustandserhebung am 24. Juli offiziell beginnt und bis 8. August abgeschlossen sein soll, wird aber im Wald bei Trippstadt geübt. Dafür wurden 50 Punkte markiert, die die Teams unter Anleitung begutachten müssen. Engels bezeichnet das scherzhaft als „Eichung des Messinstruments Mensch“. Nummer 8 ist eine Kiefer, für die selbst Laien ein Urteil abgeben könnten: eindeutig tot. „Die ist durch, vermutlich Pilzbefall“, meint Engels. Gleich dahinter die Nummer 19, eine Buche. „Guter Zustand, höchstens fünf Prozent Blattverlust, kein Springrüssler weit und breit“, laut das Urteil der beiden Eifeler. „So muss eine Buche aussehen“, freut sich auch Engels, „doch das ist beileibe nicht bei allen der Fall.“

Auch Freiwillige dabei

Mit dabei sind während der beiden Übungstage auch Forstleute und sachkundige Freiwillige aus dem Saarland, für dessen Waldzustandserhebung die Trippstadter Forschungsanstalt ebenfalls zuständig ist. Eine nette Tradition, sagt Engels, sei der Besuch von Kollegen aus Luxemburg. Wichtig sei, dass freiwillige Helfer ausreichende Kenntnisse hätten, dass sie, salopp gesagt, Buchen von Fichten unterscheiden könnten oder auch, wie sich die verschiedenen Baumarten zueinander verhielten. Ein praktisches Beispiel nennt der Fachmann ebenfalls: Tritt an einer Kiefer Harz aus, kann das unterschiedliche Gründe haben. Ist der Austritt konzentriert an einer Stelle, kann das auf eine Verletzung hindeuten. Ist er großflächig an vielen Punkten, „ist das wahrscheinlich ein deutlicher Hinweis auf den Borkenkäfer“.

Winzige Borkenkäfer an einer Fichte.
Winzige Borkenkäfer an einer Fichte.

Dass der Klimawandel und die damit verbundenen Folgen seit einigen Jahren den Wald massiv belasten, fließt natürlich ebenso in die Datenerhebung ein. „Dürrer, wärmer, Schädlingszunahme“, umreißt Friedrich Engels kurz die Situation. Dem Borkenkäfer zum Beispiel sei es möglich, sich dreimal statt zweimal im Jahr zu vermehren. Gleichzeitig seien viele Fichten wegen Wassermangel geschwächt. „Naturverjüngung und Mischwald“, nennt Forstwirt Titz denn auch zwei Maßnahmen, um den Kampf aufzunehmen.

Pilzart schädigt Eschen

Dabei müssen die Fachleute aber auch immer wieder mit Rückschlägen zurechtkommen. Einer davon heißt Eschentriebsterben. Schuld daran ist eine laut Engels invasive Pilzart, das „Falsche Weiße Stängelbecherchen“. 2007 wurde es zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen, seitdem hat es sich massiv in Eschenbeständen jeder Art verbreitet. Wie die Pilzart bekämpft werden kann, dazu wird noch geforscht. Besonders bedauerlich: Die Esche war lange Zeit ein Hoffnungsträger im Klimawandel.

Noch grün, aber dem Tod geweiht: Eschentriebsterben im Rhein-Pfalz-Kreis.
Noch grün, aber dem Tod geweiht: Eschentriebsterben im Rhein-Pfalz-Kreis.

Bereits bis Ende dieser Woche soll die Datenerhebung im Pfälzerwald abgeschlossen sein. Dann schwärmen Manuel Zitz und Markus Schmitt sowie die vier weiteren Teams landesweit aus, um die gekennzeichneten Baumkronen zu begutachten. Ende des Jahres wird der Waldzustandsbericht 2025 dann vorliegen und von Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) vorgestellt.

Über die Hälfte geschädigt

2024 lautete das Ergebnis: So schlecht wie im abgelaufenen Jahr war es vor allem um die Eichen in Rheinland-Pfalz noch nie bestellt. Während insgesamt 53 Prozent der Baumstichproben – ebenfalls ein Rekordwert – deutliche Schäden aufwiesen, lag der Anteil bei den Eichen bei 75,4 Prozent. Darüber hinaus wurde bestätigt, dass die Grundwasser-Neubildung als Folge des Klimawandels zum Problem wird. Und so ist auch nachvollziehbar, dass die Waldexperten eher zurückhaltend sind, wenn sie ihre Wünsche für das Ergebnis der aktuellen Datenerhebung formulieren sollen.

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