Frankenthal / Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Urteil: So muss der Pfälzer Sex-Betrüger jetzt büßen

95 000 Euro hatte ein Sex-Betrüger einer Pfälzerin dafür versprochen, dass sie mit ihm in ein Hotelbett stieg.
95 000 Euro hatte ein Sex-Betrüger einer Pfälzerin dafür versprochen, dass sie mit ihm in ein Hotelbett stieg.

Nachdem er Frauen mit astronomischen Geldversprechen ins Bett gelockt hatte, brummten Pfälzer Richter einem Betrüger aus dem Leiningerland fast vier Jahre Haft auf. Doch diese Strafe fand der Sex-Gauner zu hart, er ging in Berufung. Mittlerweile ist das endgültige Urteil über ihn gefallen.

Der Frankenthaler Amtsrichter legte seinen Kopf zur Seite, äugte über seine Brille, zögerte. Und stellte dann doch die Frage, die für die Zeugin so verletzend klingen musste: „Haben Sie wirklich geglaubt, dass Sie 95.000 Euro für Geschlechtsverkehr bekommen?“

Wie ihre verrückte Sex-gegen-Geld-Geschichte losgegangen war, hatte die etwa 30 Jahre alte Pfälzerin in dem Prozess im Frühjahr 2019 da schon erklärt. Schwere Zeiten hatte sie demnach durchgemacht. Und dann, endlich, im Internet jemanden kennengelernt, der sie verstand. Als reicher Unternehmersohn stellte sich dieser Mann vor. Und als liebeshungrig. Und als großzügig: Angeblich hatte er das versprochene Vermögen schon überwiesen, als sie sich 2017 mit ihm zum einstündigen Liebesspiel in einem Hotelzimmer in Neuleiningen (Kreis Bad Dürkheim) traf.

15 000 Euro für Sex in Mannheim versprochen

Doch in Wirklichkeit hat es den Geld-Transfer nie gegeben: Die Pfälzerin ging ebenso leer aus wie eine schwäbelnde 35-Jährige, die sich 2015 in der Erwartung eines 15.000-Euro-Honorars mit dem selben Mann in ein Mannheimer Hotelbett gelegt hatte. Schließlich hätte dieser Liebhaber derartige Summen ohnehin nicht bezahlen können: Der angeblich so betuchte Jüngling hatte nach dem Hauptschulabschluss eine Verkäufer-Lehre gemacht, war dann lange arbeitslos, zog schließlich wieder zu seinen Eltern, ließ sich von der Verwandtschaft Geld zustecken. Und saß zwischendurch im Gefängnis.

Denn schon vor Jahren hatte er mit einem 30.000-Euro-Versprechen eine Frau aus Leverkusen dazu gebracht, dass sie einen Fernbus bestieg, sich zu ihm ins Leiningerland kutschieren ließ, ihn dort auf einem Skaterplatz beglückte. Dazu kamen Diebstähle. Und weitere Betrügereien, mit denen er sich keinen Sex, aber Geld ergaunert hatte: zum Beispiel, indem er im Internet Handys feilbot, die er gar nicht besaß. Dass er das schon wieder getan habe, war dann einer der Vorwürfe, denen er sich vor einem Jahr vor dem Frankenthaler Amtsrichter stellen musste.

Für Sky-Abo fremde Kontodaten angegeben

Außerdem ging es in diesem Prozess um ein Sky-Abo, für das der Angeklagte einfach fremde Kontodaten angegeben hatte. Und um eine ganze Reihe unbezahlter Hotelzimmer. Und um die beiden Frauen, die mit ihm ins Bett gegangen waren, weil er ihnen dafür fünfstellige Summen versprochen hatte. All diese Gaunereien gestand der Sex-Betrüger im Gerichtssaal auch recht umstandslos ein. Doch umso vehementer stritt er ab, was ihm die Ermittler außerdem zur Last legten: dass er eine Kinderkrankenschwester aus Bremen um fast 10.000 Euro gebracht habe.

Dabei hatte diese Frau mit ihm im Sommer 2017 sogar etwas wie eine richtige Beziehung: An den Wochenenden kam sie aus dem hohen Norden zu ihm in die Pfalz, sie begleitete ihn auf den Fußballplatz, lernte seine Familie kennen. Bis sie zur Polizei ging, weil ihre Konten plötzlich leer waren. Vor Gericht sagte sie: Ihr Ex-Partner habe sich ihre Geheimnummern erschlichen, dann Hunderte Euro abgehoben. Und ihr irre Geschichten erzählt, die sie dazu brachten, ihm noch mehr Geld zu schicken: etwa, weil er Rocker entlohnen müsse, die sie vor einem Stalker beschützten.

Nun ging es auch um versuchte Erpressung

Verhängnisvoll war diese Aussage für den Angeklagten vor allem, weil die Bremerin seine Auftritte als zum Teil bedrohlich beschrieb. Womit es juristisch nicht mehr nur um Betrügereien ging, sondern auch um versuchte Erpressung. Und dieser Umstand ließ die Strafe empfindlich anschwellen, als der Amtsrichter den Sex-Betrüger auch in diesem Punkt für schuldig befand: Drei Jahre und zehn Monate, so lange wollte der mit einer neuen Frau verlobte und gerade Vater gewordene Täter nicht büßen müssen. Also kündigte er an, dass er in die Berufung gehen werde.

Inzwischen hat dieser zweite Prozess, nun vor dem Frankenthaler Landgericht, auch stattgefunden. In aller Stille, und mit etwas milderem Ergebnis: Der mittlerweile 30-Jährige kommt mit zehn Monaten weniger Haft davon, obwohl er – von ein paar formalen Korrekturen abgesehen – für die gleichen Gaunereien verurteilt worden ist wie in der ersten Runde. Doch diesmal hat er „ein umfassendes Geständnis“ abgelegt. Und mithin doch noch zugegeben, was er zuvor geleugnet hatte: dass er der Bremerin fast 10.000 Euro abgeluchst hat und sie obendrein auch erpressen wollte.

Den Opfern eine Vernehmung erspart

Außerdem verzichtete er darauf, seine Opfer ein weiteres Mal in den Zeugenstand rufen zu lassen. Weshalb die Richter nun zu seinen Gunsten verbuchen konnten, dass er den Frauen „zumindest in der Berufungshauptverhandlung eine Vernehmung erspart“ hat. Denn immerhin musste sich eine Pfälzerin somit nicht noch einmal in einem Gerichtssaal fragen lassen, ob sie wirklich dachte, dass ein Mann 95.000 Euro zahlen würde, um einmal mit ihr Sex zu haben. Im ersten Prozess hatte sie darauf geantwortet: „Ja, ich hab’ daran geglaubt. Ich war nicht bei Sinnen, sag’ ich mal.“

„Unverdiente Milde“: Ein Kommentar zum neuen Urteil steht hier.

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