Grünstadt Gibt es noch ein Opfer des Sex-Betrugs?
Zu fast vier Jahren Haft ist am Dienstag ein 29-Jähriger aus dem Leiningerland verurteilt worden. Unter anderem hat er zwei Frauen mit gigantischen Summen ins Bett gelockt und sie dann um den Lohn für die Liebesdienste geprellt. Ein Indiz lässt fragen, ob noch ein Opfer auf die Masche des Sex-Betrügers hereinfiel.
80 Euro verlangt das Bad Dürkheimer Hotel für das Zimmer, das ein Mann aus dem Raum Grünstadt im Frühsommer 2017 für eine Nacht belegt hat. Doch die Rechnung bleibt erst einmal unbezahlt: Der Gast hat unter falschem Namen gebucht. Ermittler spüren ihn später trotzdem auf. Und sie entdecken Fotos von seinem Aufenthalt, die weitere Fragen aufwerfen. Gestern ist der 29-Jährige in Frankenthal zu fast vier Jahren Haft verurteilt worden. Weil er auch in anderen Herbergen die Zeche schuldig blieb. Weil er online Handys verkaufte, die er gar nicht hatte. Und weil er Frauen für Liebesdienste gigantische Fantasie-Honorare versprach, um die er sie dann prellte. All das hatte er im Prozess gestanden. Doch entscheidend für das harte Urteil waren am Ende Schuldsprüche in einigen Anklagepunkten, die er zurückwies: Es ging um eine Frau aus Bremen, mit der er im Sommer 2017 liiert war.
Irre Geschichten ausgedacht, um an Geld zu kommen
Die Krankenschwester wirft ihm vor, dass er sich während ihrer Wochenend-Besuche in der Pfalz ihre Konto-Geheimnummern erschlichen und so Hunderte Euro für sich abgehoben habe. Außerdem habe er sie mit irren Geschichten dazu gebracht, ihm auch noch Geld zu schicken: etwa weil Rocker entlohnt werden müssten, die sie vor einem bösen Stalker beschützten. Und weil er dabei zu nachdrücklich geworden sein soll, ist der 29-Jährige gestern nicht nur wegen Betrugs in verschiedenen Varianten verurteilt worden. Dass die Richter der Bremerin geglaubt und dem Angeklagten daher obendrein einen Erpressungsversuch zugeschrieben haben, lässt die Strafe des 29-Jährigen spürbar härter ausfallen. Und finanzielle Folgen hat diese Entscheidung für ihn auch: Ohne die von der Krankenschwester angemeldeten Summen hätte er seinen Opfern etwa 3500 ergaunerte Euro zurückzuzahlen. Doch weil nun auch die Bremerin Ansprüche hat, muss er insgesamt fast 10.000 Euro abstottern. Dabei hatte er im Prozess beteuert: Sie habe alles nur erfunden, um ihm zu schaden.
Wer ist die Frau im 80-Euro-Zimmer?
Um das zu beweisen, ließ er Freunde und Verwandte als Zeugen aufmarschieren. Sie sollten zum Beispiel belegen, dass die Bremerin den Angeklagten unter ihrer Fuchtel hatte. Mutmaßlicher Hintergedanke: Wenn sie so dominant war, erschüttert das ihre Glaubwürdigkeit. Denn Herrschsucht passt nicht zu ihrer Opferrolle. Als Indiz sollte unter anderem eine Szene dienen, die sie dem Angeklagten angeblich im Sommer 2017 am Rand eines Sportplatzes machte und die ihm wochenlang anhaltenden Spott seiner Kumpel beschert haben soll. Die Staatsanwältin allerdings hielt im Prozess dagegen: Vielleicht rastete die Bremerin damals einfach nur aus, weil sie genau da langsam kapiert hatte, wer ihre Konten leerräumte. Oder weil sie bestens nachvollziehbare Gründe für einen Eifersuchtsanfall hatte. Schließlich dürfte ihre Beziehung zu dem Mann aus dem Raum Grünstadt schon bestanden haben, als die Bilder in Bad Dürkheim entstanden. Und die zeigen nicht nur das Hotelzimmer, sondern zugleich eine Frau. Was auch in anderer Hinsicht schon reichlich verdächtig ist. Denn in solchen Herbergen vergnügte sich der 29-Jährige ja auch mit jenen beiden Damen, die er mit astronomischen Geldversprechen geködert hatte und die er dann um den Lohn für ihre Liebesdienste prellte. Doch ob es ein weiteres Opfer seiner Sex-Betrugsmasche gibt, haben die Ermittler nie herausgefunden: Sie wissen bis heute nicht, wer die Frau in dem Bad Dürkheimer 80-Euro-Zimmer war.