Kommentar RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Urteil für Sex-Betrüger: Unverdiente Milde

Lässt einen Sex-Betrüger etwas milder davonkommen als das Amtsgericht: das Landgericht in Frankenthal.
Lässt einen Sex-Betrüger etwas milder davonkommen als das Amtsgericht: das Landgericht in Frankenthal.

Auch wenn viele Möchtegern-Richter das anders sehen werden: Nein, wir haben keine Kuschel-Justiz, die immer nur lächerlich milde Strafen verhängt. Und doch gibt es manchmal Entscheidungen, die an der Weisheit des Systems zweifeln lassen. Das Amtsgericht in Frankenthal etwa hatte vor einem Jahr einen damals 29-Jährigen zu fast vier Jahren Haft verurteilt: unter anderem, weil er Frauen irre Summen für Sex versprochen, sich nach dem Liebesspiel aber einfach aus den Hotelzimmern gestohlen hatte.

Doch besonders schwer wog neben diesen Betrügereien, dass er während einer mehrwöchigen Beziehung eine Bremer Kinderkrankenschwester nicht nur um fast 10.000 Euro geprellt, sondern von ihr noch mehr Geld gefordert hatte. Was er zwar abstritt, ihm aber gleichwohl einen Schuldspruch auch wegen versuchter Erpressung bescherte. Prompt mimte er das in Teilen zu Unrecht verurteilte Justiz-Opfer und zog in die Berufung. In der allerdings gestand er auf einmal auch jene Taten, die er zuvor geleugnet hatte.

Strafrabatt für Winkelzüge

Einen spürbaren Strafrabatt hat er mit seinen Winkelzügen trotzdem eingefahren: Seine Haftzeit wird um zehn Monate auf drei Jahre verkürzt, weil er sich im zweiten Prozess so „umfassend“ zu seinen Gaunereien bekannt hat. Und weil er seinen Opfern einen zweiten peinlichen Auftritt vor Gericht ersparte. Doch der konnte den Frauen ja überhaupt nur drohen, weil der Liebes-Betrüger billiger wegkommen wollte und deshalb vor die nächste Instanz gezogen war – mit einer Begründung, die er dann selbst gleich wieder als Lüge einstufte.

Dass er damit trotzdem Erfolg hatte, wird ihm vor allem zeigen: Seine Dreistigkeit kann ihn zwar vor Gericht bringen, ihm aber selbst dort auch wieder nützen.

Zum ausführlichen Bericht über den Fall geht es hier.

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